Seelische Erkrankungen

FOM Wesel zeigt Portraits seelisch kranker Menschen

Seelisch Kranke Menschen erzählen ihre Geschichte und zeigen ihr Gesicht: Die Ausstellung „Mitten im Leben“ in der FOM.

Seelisch Kranke Menschen erzählen ihre Geschichte und zeigen ihr Gesicht: Die Ausstellung „Mitten im Leben“ in der FOM.

Foto: Christian Creon / FFS

Wesel.  Chronisch seelisch Erkrankte stehen am Rande der Gesellschaft. Die FOM Hochschule Wesel zeigt eine Ausstellung, die ihre Geschichten erzählt

Ohne Scheu spricht man heute von Depressionen oder Burnout. Anders bei chronischen seelischen Krankheiten – sie sind nach wie vor mit einem Tabu belegt.

In der FOM Hochschule am Großen Markt sind jetzt Porträts von Menschen zu sehen, die unter paranoider Schizophrenie leiden, wie Kostas. Oder unter einer schizoaffektiven Psychose wie Lutz, unter einem organischen Psychosesyndrom wie Carsten… Bezeichnungen, die Laien nichts sagt, doch sie bedeuten Ausgrenzung. Im Buch „Experten für Eigensinn“ erzählen chronisch psychisch Kranke ihre Geschichte, die Angehörigen kommen zu Wort und die Fachkräfte, die sie versorgen. Die Porträts stammen aus diesem Buch.

Inklusion ist bislang mehr auf körperlich behinderte Menschen ausgerichtet

„Seit der UN-Behindertenrechtskonvention sprechen wir von Inklusion. Sie soll die Auswirkungen von Handicaps mindern“, erläutert Dr. Jo Becker, Geschäftsführer von Spix, Deshalb würden beispielsweise Aufzüge und Bordsteinkanten abgesenkt.

Geistige und seelische Behinderungen dagegen seien von der Inklusion ausgeschlossen. Bei der Eröffnung der Wanderausstellung „Mitten im Leben“ in der FOM versuchte er, Verständnis für chronisch seelisch kranke Menschen zu wecken. Wer unter einer Depression leide, der sei nicht traurig. „Diese Menschen sind versteinert“, so Becker. Sie seien morgens nicht in der Lage aufzustehen und auch dauerhaft den Anforderungen des Berufslebens nicht gewachsen.

Einsamkeit, weil niemand mehr verstehen kann

Seelisch Erkrankte bemerkten selbst oft nicht, dass etwas anders geworden ist, die Umwelt sehe aber schon, dass jemand „anders tickt“. Die Folge sei Einsamkeit, „die Betroffenen können es sich nicht erklären, dass die anderen die frühere Gemeinsamkeit nicht mehr teilen.“

Ziel müsse es sein, die Einsamkeit zu überwinden. Die Betroffenen seien beruflich, lebenspraktisch und sozial häufig nicht mehr funktionsfähig. Spix steht für Sozial psychiatrische Initiative Xanten – es gibt auch in Wesel einen Sitz. Der Verein bietet seinen Klienten Unterstützung: In der Bewältigung des Alltags, bei der Wohnungssuche und mehr.

„Ziel ist es, Lebensqualität zu erreichen, die schönen Seiten des Lebens zu entdecken“, so Becker.

Der Mut, über die eigene Geschichte zu sprechen

Manche Fähigkeiten lassen sich trainieren, so auch die, im Beruf zu bestehen. Das Café Vesalia am Hauptbahnhof ist eine Spix-Einrichtung. Seine Mitarbeiter verwöhnten jetzt die Gäste der Ausstellungseröffnung mit leckeren Häppchen.

Marcel Sassenberg von der Geschäftsleitung der FOM begrüßte die Gäste und dankte Becker dafür, „Wege aufzuzeigen, wie man sich trotz Krankheit nicht unterkriegen lässt“: Seelische Erkrankungen können alle betreffen, „laut WHO leiden 450 Menschen weltweit darunter“. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp freute sich darüber, dass zu Semesterbeginn junge Menschen diese Ausstellung zu sehen bekommen.

„Wir alle wollen mitten im Leben stehen, wollen Anerkennung, Respekt und Wertschätzung“, so Westkamp. Schon für Gesunde sei es nicht einfach, sich diesen Platz immer wieder zu erobern, für psychisch Kranke sei es um so schwerer.

Westkamp zeigte sich beeindruckt von den Menschen, deren Porträts nun ausgestellt sind. „Sie haben den Mut, offen über Krankheit, Ängste, Wünsche und Erfolge zu sprechen“, so die Bürgermeisterin.

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