Umwelt

Hitzesommer 2018 ließ hunderte Weseler Bäume eingehen

Helmut Rath zeigt auf einen der vertrockneten Bäume, die gefällt werden müssen.

Helmut Rath zeigt auf einen der vertrockneten Bäume, die gefällt werden müssen.

Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services

Wesel.   Trockenheit und Hitze waren im Sommer 2018 Thema, jetzt sind sie es wieder. Es ist zu trocken für alle Gewächse. Im Herbst muss gefällt werden.

Der heiße Sommer 2018 ist allen noch in guter Erinnerung, da werden im Juni 2019 schon wieder Temperaturrekorde gebrochen. Für Heinz-Georg Oberender, beim städtischen Betrieb ASG (Abfall, Straße, Grünflächen) für Grünflächenneubau und Baumschutz zuständig, gibt es keinen Zweifel mehr: „Wir erleben den Klimawandel live“.

Schon im vergangenen Jahr hatte der Fachmann seine Befürchtungen geäußert. Jetzt steht fest: Mindestens 200 städtische Bäume haben die Trockenheit nicht überlebt. Dabei ist das noch nicht der letzte Stand, ständig kommen neue Gewächse hinzu.

Regen ist nicht in Sicht

Vor allem betroffen sind die Glacisanlagen, die die Kreisstadt waldähnlich umschließen. Hier stehen viele Bäume auf engstem Raum, die Konkurrenz ist groß. Und es regnet nur noch wenig am Niederrhein. „Wir haben immer noch nicht die Wasserspeicher aufgefüllt, die wir 2018 verloren haben“, sagt Oberender. Dazu ist Regen in der nächsten Zeit weit und breit nicht in Sicht.

Ein 50 Jahre alter Baum benötigt bei den Temperaturen mit vollem Laub 300 bis 400 Liter Wasser am Tag, erläutert der Experte. Bekommt er sie über längere Zeit nicht, stirbt er ab, so wie die große alte Buche im Nordglacis. Oberender spricht von massiven Einbußen, die besonders Buchen, Birken und den Bergahorn betreffen. Diese Gewächse leiden sehr unter den Temperaturen und der Trockenheit. „Das ist schon heftig. Und es wird nicht besser“, resümiert er. Es sind aber nicht nur abgestorbene Bäume, die Sorgen bereiten, sondern auch massives Totholz, das vom ASG nach und nach beseitigt wird.

Im Herbst stehen die Fällungen an

Immer wieder sieht man die Mitarbeiter auf dem Hubsteiger, so wie in der vergangenen Woche auch am Herzogenring. Zudem haben sich an manchen Stellen Pilze im Wurzelbereich angesiedelt, die so den Gewächsen den Garaus machen. Und die Feinwurzeln vertrocknen, so dass am Ende die ganze Pflanze nicht mehr existieren kann. Folgen rechtzeitige Wassergaben bilden sich die feinen Wurzeln aber auch wieder zurück. Schon jetzt wurden zahlreiche abgestorbene Bäume gekennzeichnet, damit sie im Herbst entnommen werden können. Bei Gefahr im Verzug wird natürlich sofort gehandelt, versichert Oberender. Nachpflanzungen sind nur in bestimmten Bereichen geplant. Im Wald, so wie im Glacis, sollen sich die Bäume selbst entwickeln.

Hitzeresistente Bäume sind gefragt

Bei Neupflanzungen greift auch der ASG längst zu anderen Pflanzen als noch vor einigen Jahren. Das war beispielsweise bei den Bäumen im Bereich der Park- und Ride-Anlage an der Friedenstraße hinter dem Bahnhof der Fall. Dort steht nun der südliche Zürgelbaum, bei Botanikern unter Celtis australis bekannt. Er trotzt der Hitze und der Trockenheit. „Und die Forschung geht weiter“, kündigt Oberender an, der auch weiß, dass der Feldahorn deutlich besser mit trockenem Wetter klarkommt als etwa der hier häufig wachsende Bergahorn. „Der Wandel der Natur ist eindeutig“, findet Oberender auch mit Blick auf das Vordringen von Schädlingen wie dem Eichenprozessionsspinner und dem Buchsbaumzünsler.

Bürger sollen zu Schlauch oder Kanne greifen

Für die Weseler Bürger gilt der Appell: Bitte gießen! Denn der ASG ist zwar täglich mit seinen drei Güllefässern, die zwei bis vier Kubikmeter Wasser fassen, bis zu zehnmal täglich unterwegs, aber das reicht bei weitem nicht aus, um alle Straßenbäume zu versorgen. Dabei sei Kontinuität wichtiger als große Mengen. Ein Baum habe mehr davon, wenn er jeden Tag zehn Liter bekomme. Denn in der trockenen Erde versickert das Wasser nicht so leicht, sondern läuft einfach an der Oberfläche weg.

Ideal seien Wassersäcke, wie sie der ASG für den Bürgerwald in der Aue angeschafft hat. Daraus tröpfelt es langsam, aber dauerhaft - eine Wohltat für die teils erst im vergangenen Herbst gepflanzten Bäume.

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