Kundgebung

Türkei-Einmarsch: Jesiden demonstrieren in Wesel für Frieden

Etwa 150 Jesiden demonstrieren friedlich in Wesel. Start war am Bahnhof, von dort aus ging es zum Willibrordi-Dom.

Etwa 150 Jesiden demonstrieren friedlich in Wesel. Start war am Bahnhof, von dort aus ging es zum Willibrordi-Dom.

Foto: Heiko Kempken / FFS

Die jesidische Gemeinde protestierte gegen den Türkei-Einmarsch. Rund 150 Teilnehmer waren gekommen. Kritik auch an der deutschen Regierung.

Wesel. Die jesidischen Demonstranten ließen sich auch von immer stärkerem Regen und einsetzender Dunkelheit nicht abschrecken: Am Donnerstagabend gingen in Wesel etwa 150 Kinder, Frauen und Männer mit dutzenden Fahnen und Transparenten auf die Straße, um gegen den Krieg in Syrien zu protestieren.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Freiheit raubt“, riefen die Teilnehmer. „Schluss mit dem Massaker in Kurdistan“ stand auf einem Transparent.

„Forderung nach Frieden“

Gurbet Erel, vom Vorstand der Jesiden in Wesel, skandierte über Mikrofon: „Deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in Kurdistan: Merkel finanziert, Erdogan bombadiert. Deutsche Waffen, deutsche Panzer – raus aus Kurdistan!“

Aufgerufen zu dem lauten, aber friedlichen Protest hatte der jesidische Kulturverein Wesel. „Unser Hauptanliegen ist der Stopp des Einmarschs von Erdogan in Nord- und Ostsyrien. Wir wollen, dass endlich Frieden einkehrt“, erklärt Ilhan Duyar vom Vorstand des Vereins.

Seit über einer Woche greife das türkische Militär sowohl durch Bodentruppen, die mit den modernsten Waffen und Panzer ausgerüstet sind, als auch mit Luftschlägen den kurdischen Teil Syriens an. „In den Medien erklärt Erdogan, sie würden Terroristen bekämpfen. Doch die Realität sieht anders aus: Sie töten Zivilisten – darunter sehr viele Kinder“, so die Jesiden.

„Mitschuld von Deutschen“

Auch Deutschland trage daran eine Mitschuld: „Durch die Aufklärungsflüge – auch durch Deutsche – hat der Nato-Partner Türkei wichtige Informationen, zum Beispiel über Infrastruktur – wie Standorte von Geschäften oder Gefängnissen, bekommen, die Erdogan jetzt für seinen Krieg nutzt.“

Ilhan Duyar ergänzt, dass durch die Angriffe auf Gefängnisse bereits viele IS-Kämpfer und deren Familien freigekommen seien und die Gefahr bestehe, dass diese nun nach Europa und auch nach Deutschland kämen und hier Anschläge verüben könnten.

Unmut über Kanzlerin Merkel

„Als wir den IS bekämpft haben, hat unsere Bundeskanzlerin Merkel uns als Helden dargestellt, doch jetzt werden wir fallen gelassen“, kritisiert Duyar.

Er fordert nicht nur lautstarken Protest der Politiker, sondern „Maßnahmen und Sanktionen, die Erdogan auch wehtun“ und ihn zum Einlenken zwingen. Darüber hinaus verlangt der Jeside: „Keine Waffenexporte mehr von Deutschland und der EU an den Nato-Partner Türkei, weil der Angriff völkerrechtswidrig ist. Wir wollen Frieden in Syrien und Rojava.“

Zustimmung von Passanten

Mehrfach ergriff Duyar auch selbst das Wort während der rund 90-minütigen Demonstration, die am Bahnhof begann und durch die Fußgängerzone bis zum Großen Markt führte, wo sich eine Kundgebung anschloss.

Zum Glück blieb alles wie erwartet friedlich – einige Passanten stimmten sogar den Forderungen spontan zu.

(jok)

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