Ferienaktion

Kinder erkunden in Wesel das Leben im Mittelalter

 Anisa (v.l.), Lyn, Laura Nitsch  (Hanse-Gilde), Klara und  Jule beschäftigen sich  im Rahmen einer Ferienaktion mit dem Leben im Mittelalter.

Anisa (v.l.), Lyn, Laura Nitsch (Hanse-Gilde), Klara und Jule beschäftigen sich im Rahmen einer Ferienaktion mit dem Leben im Mittelalter.

Foto: Gerd Hermann / FFS

Wesel.  Was trugen Frauen im Mittelalter? Und warum kamen sie „unter die Haube“? Dies und mehr erfuhren die Kinder bei der Hanse-Gilde.

Entspannt griff Ludwig Maritzen aus dem Ständer ein Leinengewand heraus. „So hat man das im Mittelalter gemacht“, erklärte er und zog der zehnjährigen Lyn aus Damm in dem Kleiderreservoir an der Zitadelle noch einen Gürtel um das Gewand. „Die Gugel ist das Wichtigste – die konnte man umdrehen als Wetterschutz“, er fügt sie bei.

Lyn musste sich erstmal an das Gewand gewöhnen. „Es ist gemütlich, damit könnte man schlafen gehen“, meinte das Mädchen schließlich. „Ich fand das cool, es mal auszuprobieren.“

Zeitreise in das Jahr 1450

Ihre Freundin Clara hatte ihr einen Internet-Link für die Veranstaltung geschickt. Lyn war eins von dreizehn Kindern, die an diesem Tag in die Zeit des Mittelalters eintauchten.

Sandra Berensmeier von der Kulturverwaltung der Stadt hatte das Angebot im Zuge des „Kulturrucksack“-Ferienprogramms für die Kinder von zehn bis vierzehn Jahren erstmals ins Portfolio aufgenommen. „Wir sind ja sonst in der Galerie mit Künstlerinnen wie Carla Gottwein zum Beispiel. Diesmal haben wir uns gedacht, wir verlagern das mal in die Zitadelle.“ Sie hatte die Mitglieder der Hanse-Gilde angesprochen und vor allem auf den enormen Kleiderfundus des Vereins gesetzt. „Ich hab ja früher auch mit das Hansefest organisiert. Daher kam dann die Idee, mal ins Jahr 1450 zurückzuspringen für eine kleine Zeitreise.“

400 Kleidungsstücke im Fundus der Hanse-Gilde

Ludwig Maritzen war derjenige, der im Kleiderlager aus den gut 400 Kleidungsstücken den Kindern in zwei Gruppen die Gewänder zeigte. Dazu erzählte er diverse Geschichten über die damalige Zeit– von der Tatsache, dass man als Frau damals keine Unterwäsche, dafür aber mehrere Kleider übereinander trug, mit 30 Jahren in Sachen Zahnhygiene „auf den Felgen“ ging oder an der Lippe die Wäsche wusch, indem man sie auf die Steine klatschte. „Daher stammt auch der Begriff „Klatschweiber“, sagte er - und die Kinder hörten ihm gespannt zu. „Und wenn eine Frau geheiratet hatte, kam sie unter die Haube“, erklärte er und zog der neunjährigen Henrietta aus Rumeln eine ebensolche Haube auf den Kopf.

Kinder durften in der Zitadelle in eine Rüstung schlüpfen

Das sorgte bei ihr und den anderen Kindern für Gelächter. Dass eine Frau danach nicht mehr ohne Haube aus dem Haus gehen durfte, entsetzte Henriettas Schwester Juliana: „Ach Du heilige Katastrophe“ entfuhr es ihr da spontan.

Die junge Dame probierte dann auch mal eine Jacke mit Rüstung an. „Da muss ich noch Bauch kriegen“; lachte die Zehnjährige. „Und der Helm ist ja ganz schön schwer.“

Am Mittag konnten die Kinder vor den Toren der Zitadelle auf alten Bänken um einem altertümlichen Tisch aus Tongeschirr eine Hühnersuppe genießen.

Hühnersuppe wie im Mittelalter als Mittagessen

„Das ist sowas Ähnliches wie die klassische Hühnersuppe von damals. Wir haben Hähnchenfilet statt Huhn genommen. Es soll den Kindern ja auch schmecken“, meinte Köchin Barbara Maritzen augenzwinkernd. Diplom-Designerin Susanne Kern fertigte mit den verschiedenen Gruppen noch zur Erinnerung Armbänder mit verschiedenen Verschlüssen und Schlüsselanhänger an. Dazu falteten die Kinder sich noch eine selbstangemalte Origami-Schachtel und genossen die Zeit im alten Gewand.

Ferienaktion in der Zitadelle soll wiederholt werden

„Es ist schön, aber mein ganzes Leben möchte ich nicht damit rumlaufen“, meinte Enna (10) aus Wesel und war mit dem Tag insgesamt zufrieden. Auch Sandra Berensmeier zeigte sich von der Aktion an der Zitadelle angetan: „Ich würde ich freuen, das zu wiederholen“, sagt sie und sie denke darüber nach, „vielleicht auch das LVR-Museum mit ins Boot zu holen.“

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