LVR-Niederrheinmuseum

Mitten im Mittelalter auf dem Großen Markt in Wesel

Stellten den Marktplatz als Lebensader vor (von links): Prof. Claus Dießenbacher, Ludwig Maritzen, Dr. Frank Dießenbacher und Dr. Veit Veltzke.

Foto: Heiko Kempken

Stellten den Marktplatz als Lebensader vor (von links): Prof. Claus Dießenbacher, Ludwig Maritzen, Dr. Frank Dießenbacher und Dr. Veit Veltzke. Foto: Heiko Kempken

Wesel.   Im neuen LVR-Niederrheinmuseum können die Besucher bald eine außergewöhnliche Zeitreise unternehmen, bei der sie auch Bekannten begegnen

Dieses Panorama wird die Weseler begeistern. Wenn sie ab Sonntag, 18. März, das neue LVR-Nieder­rheinmuseum in den Räumen des bisherigen Preußen-Museums besuchen, finden sie sich mitten im 16. Jahrhundert auf dem Großen Markt wieder.

Gut zu erkennen sind die Stadtkirche, der heutige Willibrordi-Dom, und das Rathaus in Rot, die heutige historische Rathausfassade.

Die Menschen, auf die die Museumsgänger treffen, dürften den Weselern zum großen Teil bekannt sein. Da ist natürlich Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, aber auch Pastor Stefan Sühling als Fraterherr, Superintendent Thomas Brödenfeld als Iman Ortzen aus Zeeland, der erste evangelische Prediger an der Willibrordkirche, und viele, viele andere mehr.

Über zwölf mal vier Meter erstreckt sich die bunte Häuserkulisse

50 Weseler, fast alle aus der Hansegilde Wesel, haben in deren historischen Kostümen Modell gestanden und sind so von Dr. Frank Dießenbacher, Professor Claus Dießenbacher und Constantin Dießenbacher in Szene gesetzt worden.

Dass dabei so detailgetreu wie möglich vorgegangen wurde, garantieren die Macher der zylinderförmigen Leinwand, die durch eine alte Landkarte auf dem Boden ergänzt wird. Über zwölf mal vier Meter erstreckt sich die bunte Häuserkulisse um den Marktplatz, die Lebensader schlechthin. Da wurden alte Auftragsbücher im Archiv gewälzt, Dombaumeister Professor Dr. Wolfgang Deurer recherchierte mit zur Architektur, und Stadtarchivar Dr. Martin Wilhelm Roelen zauberte so manches Detail ans Tageslicht.

Historische Tatbestände durch Geschichten verdeutlicht

Das Großpanorama führt direkt in die Ausstellung „Wesel und die Niederrheinlande – Schätze, die Geschichte(n) erzählen“.

Museumsdirektor Dr. Veit Veltzke verweist auf diesen historischen Kultur- und Wirtschaftsraum, der die Identität der Menschen hier geprägt hat. Historische Tatbestände werden in der Schau durch Geschichten verdeutlicht, die tatsächlich passiert sind.

Da gab es etwa seit den späten 1520er Jahren einen besonderen Weseler Brauch zu Nikolaus. Einer der ärmeren Schülern der Lateinschule wurde dabei zum Schülerbischof, dem der Stadtrat ein kostbares Gewand mitfinanzierte. Hinzu kamen zwei Schülerkapläne. Schließlich warf der Bischof von oben aus dem Rathaus seinen Mitschülern Äpfel zu. Er selbst hatte mit den beiden Kaplänen dann für ein ganzes Jahr das Privileg, sich bei seinen Mitschülern zum Essen einzuladen.

Eine weitere Tradition bestimmte Pfingsten. Junge unverheiratete Mägde feierten vor den Stadttoren und kürten ihre „Pfingstblume“, ein Brauch, den der Stadtrat 1556 aber untersagte, um Ruhe und Ordnung zu bewahren.

Es ist Gerit Bayen, Gehilfe der Maler Derick und Jan Baegert, der die Besucher an die Hand nimmt und die Geschichten der im Jahr 1532 rund 8500 Einwohner großen Stadt erzählt.

Damit war die Hansestadt nicht nur die größte am Niederrhein, sondern auch mit bedeutenden Groß- und Fernhändlern gesegnet.

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