Leukämie

Stammzellspende: Hamminkelner rettet Neunjährige in den USA

 Sebastian Böcker aus Hamminkeln-Mehrhoog  mit seiner Familie. Der Ingenieur hat durch seine Stammzellspende einem neunjährigen Mädchen in den USA das Leben gerettet.                   

 Sebastian Böcker aus Hamminkeln-Mehrhoog mit seiner Familie. Der Ingenieur hat durch seine Stammzellspende einem neunjährigen Mädchen in den USA das Leben gerettet.                   

Foto: Stefan Morsch-Stiftung

Hamminkeln.  Sebastian Böcker spendete der schwer kranken Payton vor zwei Jahren Knochenmark. Daraus hat sich ein regelmäßiger Kontakt entwickelt.

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Bei Familie Böcker aus Mehrhoog dreht sich alles um den zweijährigen Philipp und Baby Frieda. Zwischen Beruf, Familienalltag und Fußballtraining sorgt sich Papa Sebastian noch um ein drittes, fremdes Kind: Payton (9), aus den USA. Zwei Jahre nach seiner Knochenmarkspende weiß er jetzt, dass er diesem fremden, leukämiekranken Mädchen das Leben gerettet hat.

Sebastian Böcker arbeitet als Ingenieur bei einem Hersteller für Wärmetauscher in Bochum. Wenn er nach Feierabend die Haustür aufschließt, wird er als erstes von seinem kleinen Sohn Philipp begrüßt. Als der 34-Jährige eine Mail der Stefan-Morsch-Stiftung, die seit 1986 Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke bietet, bekam, war seine Frau noch mit dem Jungen schwanger. Mitten im Mallorca-Urlaub hat ihn die Nachricht erreicht, dass er als Spender in Frage kommt.

Die Überraschung kam einige Jahre nach der Typisierung

„Ich war sehr überrascht als ich die E-Mail der Stefan-Morsch-Stiftung erhalten habe, da meine Typisierung schon mehrere Jahre zurückliegt. Zu erfahren, dass man als potenzieller Knochenmark-Spender in Frage kommt, war für mich sehr aufregend.“ Registriert hatte er sich 2006 am Richard-von-Weizsäcker Berufskolleg in Dülmen. An den Kollegstandorten Dülmen und Lüdinghausen engagieren sich Lehrer und Schüler seit mehr als 13 Jahren immer wieder mit Typisierungsaufrufen. Bereits mehr als 1600 Menschen ließen sich an den Schulstandorten in die Datei der Stiftung aufnehmen. 52 von ihnen haben bereits Lebenschancen für Blutkrebspatienten geschenkt.

Der Kontakt ist erst nach zwei Jahren erlaubt

„Natürlich hat man als werdender Vater auch gewisse Bedenken hinsichtlich eines solchen, medizinischen Eingriffs, aber als ich nach weiteren Blutuntersuchungen konkret zu meiner verbindlichen Spendenbereitschaft gefragt wurde, habe ich direkt zugestimmt. Die Möglichkeit, dass jemand anderes mit meinem Knochenmark weiterleben kann, musste ich einfach ergreifen.“

In Deutschland ist direkter Kontakt zwischen Spender und Empfänger erst nach Ablauf von zwei Jahren erlaubt. Bis zu dem Zeitpunkt durfte er mit Paytons Familie anonymisierte Briefe über die Stefan-Morsch-Stiftung austauschen. Das erste Foto, das er nach dem Austausch der Adressen bekommen hat, zeigt Payton und ihren Zwillingsbruder am neuen, zweiten Geburtstag der Neunjährigen – der Tag, an dem ihr Böckers Stammzellen transplantiert wurden.

Ein Gefühl der Verbundenheit nach der Knochenmark-Spende

„Es herrschte von Anfang an ein Gefühl der Verbundenheit, ohne dass man sich vorher gesprochen oder gesehen hat“, erzählt der 34-Jährige. Mittlerweile hat sich ein regelmäßiger Kontakt entwickelt und sie tauschen wöchentlich Nachrichten und Videobotschaften aus. „Sie ist ein taffes Mädchen mit Kämpfergeist. Und ich finde es sehr beeindruckend, wie sie mit ihrer Situation umgeht. Ich hoffe, dass ich Payton und ihre Familie irgendwann einmal treffen kann. Auf jeden Fall war die Knochenmarkspende die richtige Entscheidung.“

Am Abend der Stammzellspende schon wieder daheim

Der 28. Juni 2017 ist der Tag, der Sebastian und Payton verbindet: Der Tag der Knochenmarkentnahme. In einer Klinik in Düsseldorf wurde ihm bei einer kleinen OP unter Vollnarkose Knochenmark aus dem Beckenknochen entnommen. Eine weitere Methode, um Stammzellen zu spenden ist die so genannte Apherese. Das funktioniert ähnlich wie bei einer Blutplasmaspende. Die Knochenmarkentnahme hat er gut verkraftet. „Ich wurde morgens operiert, bin nachmittags zum ersten Mal aufgestanden und bereits am Abend konnte ich schon wieder nach Hause.“

Mit seiner Geschichte möchte Sebastian Böcker auf das Thema Typisierung aufmerksam machen und andere motivieren, sich ebenfalls als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung zu registrieren: „Leider beschäftigen sich viele erst mit dem Thema, wenn es einen Leukämie-Fall im persönlichen Umfeld gibt. Dabei ist es so einfach! Man muss nur eine Speichelprobe abgeben oder sich ein bisschen Blut entnehmen lassen.“

So können sich Freiwillige Stammzellspender werden

Über die Homepage der Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de) können Freiwillige sich als Stammzellspender erfassen lassen. Über die Startseite kommt man zur Einwilligung und zu Gesundheitsfragen. Nach dem Ausfüllen bekommt man dann ein Registrierungsset mit einer genauen Anleitung zugeschickt.

Spender müssen jünger als 40 Jahre sein, für sie entstehen keine Kosten. Geldspenden sind jedoch für Spenderdateien unverzichtbar, da jede Spenderregistrierung mindestens 40 Euro verursacht. Auch die Spendenkonten sind auf der Homepage nachlesbar. Weitere Informationen gibt die gebührenfreie Hotline 08 00 - 766 77 24.

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