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Suchtfamilien - Aktion in Wesel für betroffene Kinder

Eine Aktion am Rathaus in Wesel: Symbolisch flog für jedes sechste Kind, das aus einer Suchtfamilie kommt, ein roter Ballon empor.

Foto: Lars Fröhlich

Eine Aktion am Rathaus in Wesel: Symbolisch flog für jedes sechste Kind, das aus einer Suchtfamilie kommt, ein roter Ballon empor. Foto: Lars Fröhlich

Wesel.   Aktion vor dem Weseler Rathaus: Drogenberatungsstelle will auf das Schicksal von Kindern aus Familien mit Suchterkrankung aufmerksam machen.

Die Sonne ließ die Luftballons, die am Mittwochmittag am Rathaus gen Himmel stiegen, besonders hell leuchten. Zahlreiche gelbe Ballons waren zu sehen, doch unter sie mischte sich jeder sechste in roter Farbe – symbolisch für jedes sechste betroffene Kind aus Wesel, das in einer Suchtfamilie lebt. Auf ihr Schicksal sollte die Aktion der Drogenberatungsstelle aufmerksam machen, ihnen sollte eine Stimme gegeben werden.

Musikalisch geschah das zuvor durch den Chor „Aggiornamento“, der den Song „Kinder an die Macht“ von Herbert Grönemeyer sang. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp sprach einleitend über das Thema, Passanten waren stehen geblieben, um mitzusingen, Schülerinnen und Schüler der achten Jahrgangsstufe des Andreas-Vesalius-Gymnasiums waren im Rahmen eines Präventionsprojektes gekommen und ließen die Ballons steigen. „Es ist gut, dass man darauf aufmerksam gemacht wird“, sagte eine Schülerin.

Über drei Millionen Kinder in Deutschland hätten Eltern, die an einer Suchterkrankung leiden würden, allein 40 000 davon kämen aus Familien, die mit einer Drogensucht zu kämpfen hätten, informierte Sandra Groß von der Drogenberatungsstelle über Schätzungen von „Nacoa Deutschland“, einer Interessensvertretung für Kinder aus Suchtfamilien. Doch die Zahlen seien weitaus höher.

Mit „Fitkids“ will die Drogenberatungsstelle Wesel diesen Kindern und ihren Eltern seit 2003 helfen, schaffte für sie ein regelmäßiges Angebot. „Wichtig ist, dass die Sucht offen in den Familien thematisiert wird“, sagt Yvonne Ewecker, die mit den Kindern in zwei verschiedenen Altersgruppen im Rahmen des Projekts zusammenarbeitet. Fragen könnten so regelmäßig kindergerecht erklärt werden. Vor allem sei wichtig, dass Kinder begreifen, dass das Verhalten ihrer Eltern nichts mit ihnen zu tun habe, betont Yvonne Ewecker. Auch gemeinsame Ausflüge, in den Zoo oder ans Meer, werden organisiert.

Kinder sind Risikogruppe

Erschreckend: „Viele Achtjährige kennen den Unterschied zwischen Cannabis, Kokain und Heroin“, berichtet sie von ihren Erfahrungen. Vor allem geht es um Präventionsarbeit: Kinder aus suchtkranken Familien sind erwiesenermaßen eine Risikogruppe, betonen Ewecker und Groß. Viele würden als Folge psychisch erkranken oder eine eigene Sucht entwickeln. „Diesen Kreislauf möchten wir durchbrechen, nicht später auch die Kinder unserer heutigen Klienten behandeln.“

Auf das Schicksal dieser Kinder hinweisen und ihnen eine Stimme geben: In Zukunft lassen sich hoffentlich bei solchen Aktionen immer weniger rote Ballons am Himmel entdecken.

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