Hilfsprojekt

Tiertafel Hamminkeln hilft Tieren und Menschen in Not

Einen Wagen vollgeladen mit Tierfutter und Hilfsbereitschaft: Janine Baumert, links, und Claudia Huthmacher, von der Tafel für Tiere. Foto: Thorsten Lindekamp / FUNKE FotoServices

Einen Wagen vollgeladen mit Tierfutter und Hilfsbereitschaft: Janine Baumert, links, und Claudia Huthmacher, von der Tafel für Tiere. Foto: Thorsten Lindekamp / FUNKE FotoServices

Hamminkeln.  Seit sieben Jahren ist die Tiertafel rund um Hamminkeln auf Achse, um Hund und Katze mit Futterspenden und Zuschüssen für Arztbesuche zu helfen.

Die ergraute Mischlings-Hündin „Mirja“ aus Blumenkamp hat eine herzensgute Seele. Aber: Der freundliche Hund hat auch einen großen Magen, der täglich knurrt. Mirjas Frauchen liebt ihre tierische Freundin über alles. Doch weil die Rentnerin mit dem großem Hund und dem kleinem Geldbeutel nicht immer weiß, wie sie täglich den Wolfshunger ihres Tieres stillen kann, geht sie in Hamminkeln zur „Tafel für Tiere“.

Der in der Öffentlichkeit eher unbekannte gemeinnützige, kleine Verein unter Leitung von Claudia Huthmacher (55) ist seit 2012 rund um den Standort Hamminkeln unterwegs, um Mensch und Tier in Not mit Futterspenden oder Zuschüssen für Tierarztbesuche zu helfen. Im Augenblick stehen 27 Einzelpersonen auf der Liste der Hilfsbedürftigen, mit 19 Hunden und 29 Katzen und vier Kaninchen.

Gesucht: Neue Unterstützer

Claudia Huthmacher, die selber schon jahrelang als engagierte Tierschützerin rund um das Thema „Streunerkatzen“ aktiv war, hat 2014 den Vorsitz des kleinen Vereines mit seinen zwölf zahlenden Mitgliedern übernommen. Immer mehr Menschen, so erzählt sie, geraten durch Arbeitslosigkeit, Krankheit oder durch Eintritt in die Rente in eine finanzielle Not . Oft stünden die Menschen dann vor der Schicksalsfrage: Muss ich mich von meinem geliebten Haustier trennen, um nicht vollständig bankrott zu gehen?

Huthmacher: „Oft ist aber nur der Hund noch der einzige Grund für viele, überhaupt nach draußen unter Menschen zu gehen. Oder die Katze ist die Quelle, die ihrem Besitzer noch Freude am Leben schenkt. Wir möchten durch unsere Unterstützung dafür sorgen, dass kein Tier sein Zuhause und kein Mensch seinen besten Freund verlieren muss, bloß weil das Geld fürs Tierfutter knapp wird.“

Damit die gute Idee und der hehre Anspruch auch in Zukunft funktioniert, sucht die Tiertafel dringend neue Unterstützer, die entweder Tierfutter in Naturalien oder besser noch großzügige Geldspenden geben mögen. „Die Deutschen spenden gerne beim großen Drama, nach einem schlimmen Erdbeben in Nepal beispielsweise,“ sagt Claudia Huthmacher, „aber Spenden für arme Leute in der nahen Umgebung mit armen Tieren zu Hause gibt es eher selten.“ Schon für zwölf Euro könne man im Jahr als neues Mitglied viel Gutes tun.

Und so funktioniert die Tiertafel, die sich mittlerweile auch nach Wesel, Rees und Bocholt ausgedehnt hat: Alle zwei Monate fährt Frau Huthmacher mit Helferinnen feste Treffpunkte an, die mit Zeit- und Ortsangabe auf ihrer Homepage (siehe Info-Box) angekündigt sind. Dorthin kommen die Menschen und holen sich Futter für Hund oder Katze in einer Größenordnung von einer Monatsration ab. Pro Tier und Monat kostet das einen symbolischen Euro. Wer nicht gut zu Fuß ist, wird von den Helfern der Tiertafel zu Hause aufgesucht.

Doch es gibt feste Spielregeln. Huthmacher: „Wir überprüfen im Vorfeld die Bedürftigkeit der Tierhalte. Wir helfen nur, wenn das Tier schon im Haushalt war, als es es noch keine Bedürftigkeit gab. Wir helfen nur bis maximal vier Tiere pro Haushalt, die alle sauber und unter guten Bedingungen dort leben müssen.“ Hundezwinger, oder viele Katzen im kleinen Käfig in der Messi-Wohnung, würden natürlich nicht durch Futter von der Tiertafel auch noch unterstützt.

Wer selber Futter spenden will, kann dies bei Edeka Komp in Mehrhoog oder bei Real in Rees tun. Dort stehen Futter-Gitter-Boxen, in die man als Kunde gekauftes Tierfutter ablegen kann. Alle vier bis sechs Wochen werden diese Boxen geleert. Meist werde Trockenfutter gespendet, leider zu wenig Nassfutter. Besser aber als die Futterspende, sagt Huthmacher, sei die Geldspende: „Wir können viel günstiger als der normale Endverbraucher das Tierfutter einkaufen. Und Bargeld wird auch dringend benötigt, das wir den Bedürftigen als zinslose Kredite für Tierarztbesuche geben können.“ Abgestottert werde die Schuld dann in Fünf-Euro-Raten pro Monat.

Nudeln für den Hund der Armut wegen

Heute geht die Tour mit zwölf bepackten, gelben Kisten nach Mehrhoog, nach Rees-Mehr, nach Isselburg und nach Bocholt. Tiernahrung für einen Monat, für den zweiten Monat müsse der Tierhalter dann selber sorgen. „Wir wollen die Menschen nicht komplett aus ihrer Verantwortung für ihr Tier entlassen.“ Die Besitzerin von Mischlings-Hündin „Mirja“ ist mit diesem Deal einverstanden. Ohne die Tafel müsste ihr Liebling sehr viel mehr gekochte Nudeln oder ungesüßte Pfannkuchen fressen. Der Armut wegen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben