Prozess

Über 200 völlig verwahrloste Hunde - Züchter vor Gericht

Maltesermix Paula im Glück: sie hat ihr Trauma fast überwunden und ein liebevolles Zuhause gefunden.

Foto: Ulla Michels

Maltesermix Paula im Glück: sie hat ihr Trauma fast überwunden und ein liebevolles Zuhause gefunden. Foto: Ulla Michels

Wesel/Schermbeck.   Im März 2016 wurden 274 Hunde aus einer Zucht in Schermbeck befreit, die meisten in einem schlimmen Zustand. Am Freitag beginnt der Prozess.

Verwahrlost, verdreckt, krank: 17 Mitarbeiter des Veterinäramtes, unterstützt von der Polizei, räumten am 3. März vergangenen Jahres eine Hundezucht in Schermbeck. 274 Malteser, Yorkies und Shi-Tzus wurden beschlagnahmt, der Kreis spricht von einer bislang beispiellosen Aktion. 80 Hunde waren hier genehmigt. Am Freitag müssen sich Mutter und Tochter (67/38 J.) vor dem Amtsgericht Wesel wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verantworten.

Manche haben sich nicht erholt

Bilder der gequälten Hunde sind bundesweit durch die Medien gegangen, ihr Zustand war grausam. Mit Ausnahme von 20 Tieren sind inzwischen alle vermittelt, so Kreisveterinär Dr. Antonius Dicke, „zwölf von ihnen bleiben besser in den Tierheimen, wo sie professionelle Pflege erhalten. Sie können nicht vermittelt werden“, so Dicke.

In regelmäßigen Abständen überprüft der Kreis Tierzüchter. Allerdings haben Dicke und sein Team nur das Recht, die Räume zu betreten, für die es eine Erlaubnis zur Zucht gibt. Im Schermbecker Fall bekamen die Veterinäre stets nur ordentliche Zustände zu Gesicht, die mehr als 200 Hunde im Keller und Obergeschoss nicht – sie seien auch nicht zu hören gewesen. „Als wir konkrete Hinweise bekommen haben, haben wir einen Gerichtsbeschluss bewirkt“, erläutert Dicke. Einen, den man schnellstmöglich umsetzen wollte, in diesem Fall aber waren zwei bis drei Wochen Vorbereitung notwendig. „Für den Fall, dass wir die Hunde beschlagnahmen würden, mussten wir Unterbringungs- und Versorgungsmöglichkeiten haben“, erläutert er. Die Tierheime Wesel, Kamp-Lintfort und Straelen erklärten sich aufnahmebereit.

Freiheitsstrafen sind möglich

Acht Tierärzte, etliche Mitarbeiter und Polizisten durchsuchten schließlich am 3. März 2016 alle Räume des Hauses. Sie dokumentierten das Tierelend, fotografierten. Jedes einzelne Tier wurde im Tierheim von den Kreisveterinären untersucht, sein Zustand und die Befunde festgehalten. Beweissicherung. „Wir haben ein langes und ausführliches Gutachten erstellt und es der Staatsanwaltschaft Duisburg übergeben“, erläutert Dr. Dicke.

Laut §17 des Tierschutzgesetzes wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer einem Wirbeltier länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt. Falls das Amtsgericht in Wesel eine Strafe nach diesem Paragrafen verhängen sollte, kann es nach § 20 außerdem noch ein Verbot der Tierhaltung und Zucht aussprechen, dauerhaft oder zeitlich begrenzt.

Die Verhandlung beginnt am Freitag (10. Februar 2017) um 9.45 Uhr und ist öffentlich, das Gericht rechnet mit einem großen Interesse der Medien – das Schicksal der Hunde hatte viele Menschen berührt.

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