Sport

Verrückte Aktion in Wesel – 125 Runden rückwärts rennen

Helge Rademacher (li.) und Klaus Arping bereiten sich auf den 50-Kilometer-Rückwärtslauf im Auestadion vor. Rechts: Dieter Kloß

Helge Rademacher (li.) und Klaus Arping bereiten sich auf den 50-Kilometer-Rückwärtslauf im Auestadion vor. Rechts: Dieter Kloß

Foto: Heiko Kempken / FFS

Wesel.  Mit ihrer ungewöhnlichen sportlichen Benefizaktion wollen Helge Rademacher und Klaus Arping Jugendlichen einen Besuch in Berlin ermöglichen.

Ein bisschen schräg ist das schon, was Klaus Arping und Helge Rademacher am Montag, 26. August, im Weseler Auestadion vorhaben. Die beiden Hobby-Leichtathleten laufen 125 Runden – also genau 50 Kilometer – allerdings rückwärts! Jeder von ihnen 25 Kilometer. Und dies alles für einen guten Zweck in Gedenken an die Holocaust-Opfer.

„Laufen und Helfen ist eine gute Verbindung“, sagt auch Dieter Kloß, der Vorsitzende der Lauffreunde Hadi. Bei diesem Weseler Sportverein trainieren die beiden Athleten, die erst relativ spät zum Laufsport gekommen sind: Der 55-jährige Klaus Arping schnürte erstmals im Jahr 2005 seine Laufschuhe – Helge Rademacher (ebenfalls 55) hat drei Jahre eher begonnen. Zunächst ganz „normal“ vorwärts versteht sich!

Weil beide immer mehr Freude am Laufsport fanden, besuchten sie auch Volksläufe in der Umgebung. So kamen sie auch zum Lauf nach Alpen, wo sie einen Rückwärtsläufer entdeckten. „Das ist ja verrückt, das möchte ich auch mal ausprobieren“, dachte sich Rademacher und testete im Jahr 2011 erstmals selber rückwärts zu joggen. Es klappte!

M55-Weltmeister über fünf Kilometer rückwärts

Und wie: Der Weseler verbesserte sich schnell und feierte im vergangenen Jahr in Italien einen grandiosen Erfolg: Er wurde über die Fünf-Kilometer-Distanz Weltmeister in seiner Altersklasse M55. Zum Vergleich: Seine Zeit unter 30 Minuten wäre für manche Läufer schon „im Vorwärtsgang“ ein Erfolg.

Noch etwas flotter unterwegs ist sein Lauf-Kumpel Klaus Arping, der knapp ein Jahr jünger ist und deshalb bei der WM in der Klasse M50 starten musste, wo er mit einer 27er-Zeit knapp an den Medaillenrängen vorbeirauschte. Der Schreiner aus Ringenberg hat auch schon einen Halbmarathon rückwärts gelaufen – in flotten 2:05 Stunden.

Beide haben unterschiedliche Techniken: Helge Rademacher lässt möglichst seinen 20-jährigen Sohn Tobias vorwärts neben ihn laufen, um ihn vor Hindernissen zu warnen. Klaus Arping verlässt sich auf seine Schulterblicke und hat keinen hilfreichen „Schutzpatron“ unterwegs dabei. Das kann allerdings schon mal zu Problemen führen: „In Vreden bin ich mal auf einem gefrorenen Kuhfladen ausgerutscht, den ich einfach nicht gesehen hatte“, erinnert sich der 55-Jährige schmunzelnd. Er sagt: „Rückwärts läuft man konzentrierter und nimmt viel mehr wahr.“

Gedenken an die Holocaust-Opfer

Wahrgenommen werden bei beiden Rückwärtsläufer auch bei Volksläufen in nah und fern. Teils mit dummen Sprüchen, meist aber eher anerkennend. Und genau diese Aufmerksamkeit wollen die beiden Sportler nun für einen guten Zweck nutzen.

Rademacher, der als Freizeitbetreuer im Evangelischen Kinderheim arbeitet, hatte die Idee: Er möchte die Jugendlichen, die sich bei der Verlegung der Stolpersteine in Wesel engagiert haben, unterstützen.

Denn auch für ihn ist das Gedenken an die Holocaust-Opfer eine ganz wichtige Ausgabe. „Wir möchten die erfolgreiche Jugendarbeit würdigen und werden den Erlös unseren Rückwärtslauf-Events für eine Berlin-Fahrt für etwa 20 Jugendliche spenden, um ihnen ein Besuch des dortigen Holocaust-Denkmals zu ermöglichen“, so der Weseler.

Eine Runde für jeden Stein

In Anlehnung an die in Wesel bisher verlegten 123 Stolpersteine wollten die beiden Rückwärtsläufer eigentlich für jeden Stein eine Gedenkrunde, also 123 Stadionrunden absolvieren – doch 49,2 Kilometer war ihnen eine zu krumme Distanz, weshalb sie noch zwei „Ehrenrunden“ dranhängen und so auf genau 50 Kilometer kommen. Diese teilen sich Arping und Rademacher auf – geplant ist, nach jeweils zehn Runden (= 4 km) einen Wechsel.

Der Startschuss fällt am 26. August um 16 Uhr – die beiden haben sich ein Zeitlimit von 6 Stunden für ihre 50.000 Meter gesetzt. Sie werden auch einen Grill im Auestadion aufstellen und hoffen auch zahlreiche Unterstützer, die nicht nur anfeuern, sondern gerne auch die eine oder andere mitlaufen dürfen – natürlich wäre das dann auch vorwärts erlaubt.

Denn wie sagt Hadi-Vorsitzender Kloß (72) so treffend: „Was die beiden da machen, ist eine super Aktion und absolut lobenswert. Aber wenn ich rückwärts laufen würde, würde ich mir garantiert alle Knochen brechen.“

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