Umwelt

Wesel will keine Schotterwüsten und sucht nach Lösungen

Steinvorgärten mit wenig oder gar keinem Grün - das möchte die Politik in Wesel vor dem Hintergrund des Insektensterbens nicht länger dulden.Foto:Vladimir Wegener

Steinvorgärten mit wenig oder gar keinem Grün - das möchte die Politik in Wesel vor dem Hintergrund des Insektensterbens nicht länger dulden.Foto:Vladimir Wegener

Wesel.   Immer mehr Hausbesitzer sparen sich das Unkrautjäten, indem sie ihre Vorgärten mit Steinen ausstatten. Oft fehlt das Grün hier komplett.

Was die Steinindustrie freut, ärgert die Naturschützer. Denn immer mehr Menschen entscheiden sich nicht für einen traditionellen grünen Vorgarten, sondern für einen aus Stein. Der ist zwar pflegeleicht, doch Insekten und Vögel wird man hier vergebens suchen. SPD-Fraktionschef Ludger Hovest hätte gern mehr Informationen mit Blick auf die zunehmende Versteinerung, ließ er im jüngsten Betriebsausschuss wissen.

Denn manche Kommunen (siehe Box) haben bereits Satzungen erlassen, um der Verschotterung entgegenzuwirken. Und wie sieht es in Wesel aus? Hovest hätte gern einen ausführlichen Bericht darüber, welchen Anteil solche steinernen Vorgärten hier einnehmen. Und er möchte, dass alle künftigen Anwohner im neuen Baugebiet „Am Schwan“ in Lackhausen angeschrieben werden und ihnen das Anlegen eines Steingartens verboten wird.

Bäume, Blumen, Rasen und Sträucher

Auch CDU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Linz würde gern erneut darüber sprechen, wie die zunehmende Versiegelung von Vorgärten verhindert werden kann. Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Nachhaltigkeit soll sich in seiner nächsten Sitzung am 8. Mai wieder damit befassen. Etwa, um städtische Konzepte für einen verbesserten Klimaschutz bei gleichzeitiger Steigerung der Lebensqualität zu erarbeiten. Dabei soll es auch um die Frage gehen, wie beispielsweise die Bauherren „Am Schwan“ überzeugt werden können, ihre Vorgärten nicht zu versiegeln, sondern Bäumen, Rasen, Blumen und Sträuchern den Vorzug zu geben.

Bereits 2018 hatte man in diesem Ausschuss die Ansicht vertreten, dass regelmäßige Informationen über naturnahe Grünflächengestaltung und Pflege sowie Wettbewerbe mit kleinen finanziellen Anreizen („Die schönsten Vorgärten“ oder „Die artenreichste Flachdachbegrünung“) unterstützend wirken können. Nun müssten den guten Gedanken Taten folgen, findet Linz. Er verweist zudem darauf, eine Werbeaktion für freiwillige Patenschaften zu starten. Ziel sei angesichts des heißen Sommers 2018 die Bewässerung öffentlicher Grünflächen und Bäume.

Thema Ersatzpflanzungen

Wer auf einem Grundstück mit großen Bäumen bauen möchte, muss für die nötigen Fällungen übrigens Ersatzpflanzungen vornehmen. Dass dies nicht immer auf dem Baugrundstück selbst möglich ist, betonte Heinz-Georg Oberender vom städtischen Betrieb ASG (Abfall, Straßen, Grünflächen) im Betriebsausschuss. Dann wird anderswo im Stadtgebiet gepflanzt. So sind es gut 40 Bäume auf einem Spielplatz an der Gesamtschule am Lauerhaas sowie weitere am Schafweg „zur Kaschierung des Stewes-Gebäudes“. Auch am Aaper Weg gibt es solche Ersatzpflanzungen. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 156 Laubbäume nachgepflanzt.

>>>XANTEN MACHT ES VOR

Ein Blick nach Xanten zeigt, dass die Politik das Thema geregelt hat. Hier werden derartige Steingärten vor der Haustür im Bebauungsplan verboten.

Naturschützer machen Steinwüsten mit für das Insektensterben in der Stadt verantwortlich. Sie unterstützen das Xantener Vorgehen.

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