Stadtführung

Wohltäter, Welteroberer – und Wesels vergessene Einwohner

Gästeführerin Anne Klein (links hinten, rote Jacke) zeigt die Gedenktafel der Offermann-Stiftung.

Gästeführerin Anne Klein (links hinten, rote Jacke) zeigt die Gedenktafel der Offermann-Stiftung.

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Wesel.  In Wesel lebten und leben noch immer viele Persönlichkeiten. Stadtführerin Anne Klein erinnert an das Wirken der Weseler

Jedem Weseler Einwohner wird sicherlich mindestens eine bekannte Persönlichkeit einfallen, die hier in Wesel geboren oder gestorben ist. Bei einem Rundgang durch Weseler Straßen mit Stadtführerin Anne Klein wird doch überraschend klar, wie viele Persönlichkeiten über die Stadtgrenze hinaus gewirkt haben.

Da wäre zum einen die Familie Offermann. Dietrich und Luitgard Offermann galten zu Lebzeiten zu den wohlhabendsten Persönlichkeiten der Stadt. Zu der Zeit gab es allerdings auch in Wesel eine hohe Zahl prekär lebender Einwohner – und derer wollten sich die Eheleute Offermann annehmen. Sie bauten Wohnungen und ein Altersheim für die Armen. Das Willibrordi-Heim gehört noch heute den Nachfahren der Eheleute Offermann. „Dazu kommen etwas über 90 Wohnungen in Wesel“, erklärt Anne Klein. Der Erhalt des Eigentums war möglich durch die Gründung der Offermann-Stiftung 1443. Die Stiftung ist heute eine der ältesten der Bundesrepublik.

Der Diamantenschleifer

Eine weitere historische Persönlichkeit, deren Leistungen bis in die Gegenwart strahlen, ist einer der Mitbegründer New Yorks, Peter Minuit: Der Diakon der reformierten Gemeinde wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts in Wesel geboren.

Durch die Heirat einer Frau aus wohlhabenden Hause hat er es zum Diamantschleifer gebracht. Wie die Stadtführerin erklärt, kostete diese Ausbildung nämlich erst einmal unglaublich viel Geld. Belegt ist seine Ausbildung in der niederländischen Stadt Utrecht. Dort muss Minuit sich dann der Niederländischen Westindien-Kompanie angeschlossen haben. Seine Aufgabe war es, den Gouverneur der eher kleinen Kolonie Nieuw Nederland mit der Hauptstadt Nieuw Amsterdam abzulösen. Unter Minuit wuchs die Kolonie enorm und gelang auch zu einigem Reichtum.

Den sicherlich größten Teil des Rundgangs nehmen die Frauenwege ein. Klein erklärt das Projekt, bei dem bekannte Weseler Frauen auf dem Sandweg eine Würdigung finden: So erinnert sie an die Fotografin Hilde Löhr (1897 - 1998), ohne deren Fotografien der Wiederaufbau des Doms nach dem Zweiten Weltkrieg kaum möglich gewesen wären. Auch die Chemikerin Ida Noddack-Tacke (1846 - 1978), findet Eingang in die Führung. Die Naturwissenschaftlerin war „unfassbare zehn Mal für den Nobelpreis vorgeschlagen“, klärt Anne Klein auf.

Otti Pfeiffer

Bedauerlich findet Klein, dass die Lyrikerin Otti Pfeiffer keine Würdigung zwischen den anderen Frauen gefunden hat. Pfeiffer kam aus Wesel und war bekannt für das Kinderbuch „Nelly wartet auf den Frieden“ sowie für die Leselöwen-Lachgeschichten. Der kurzweilige Rundgang endet am Kornmarkt beim langen Heinrich und dem Bienenkönig.

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