Benefiz-Aktion

14-jährige Wittenerin spendet Haare für den guten Zweck

Ein großer Schritt für Amelie Ruhkamp (14, re.), ein schneller Schnitt für Friseurin Anke Taubert: Als Erste in Witten hat die 14-Jährige für die Aktion Rapunzel ihren Haarzopf abschneiden lassen.

Ein großer Schritt für Amelie Ruhkamp (14, re.), ein schneller Schnitt für Friseurin Anke Taubert: Als Erste in Witten hat die 14-Jährige für die Aktion Rapunzel ihren Haarzopf abschneiden lassen.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Mit einer Rapunzel-Mähne kann man Gutes tun: Amelie (14) aus Witten spendet ihr Haar, damit daraus eine Perücke wird. Es ist eine Premiere.

Schnipp schnapp, Haare ab – und zwar für den guten Zweck. Amelie Ruhkamp (14) wollte bei den warmen Temperaturen eigentlich nur ihre dicke Mähne loswerden. Doch die Wittener Friseurin Anke Taubert wusste, dass damit noch etwas Gutes getan werden kann: Aus Amelies gespendeten Haaren wird jetzt eine Perücke, etwa für krebskranke Kinder.

„Haare sind eigentlich auch ein Rohstoff“, sagt Anke Taubert. Diesen sammelt sie jetzt in ihrem Friseursalon an der Ruhrstraße – und ist in Witten damit Vorreiterin. Obwohl sie auch selbst Echthaar-Perücken verkauft, wurde Taubert erst vor Kurzem auf die Haarspende aufmerksam: „Eine Nachbarin hat mir erzählt, dass sie ihre Haare gespendet hat. Ich habe da von dem Rapunzel-Projekt des Bundesverbandes für Zweithaar-Spezialisten erfahren.“

203 Kilogramm Haare wurden für das Rapunzel-Projekt gespendet

Im Rahmen dieser Aktion werden gespendete Haare versteigert und dann weiter zu Perücken verarbeitet. Der Erlös kommt Organisationen zugute, die Menschen mit schweren Erkrankungen unterstützen. „Im letzten Jahr sind dabei 72.000 Euro zusammengekommen, für 203 Kilogramm Haare“, weiß Taubert. Die Einnahmen der nächsten Versteigerung sollen an den Verein „Achse“ gehen, der Menschen mit seltenen Erkrankungen berät. Bis Tauberts Paket für die Rapunzel-Aktion voll ist, braucht es aber noch einige Spender: Neuntklässlerin Amelie Ruhkamp war für die Friseurin die erste „Freiwillige“.

Junge Wittenerin wollte ihren alten Zopf nicht mit nach Hause nehmen

Haare waschen, einen Zopf machen, ein Schnitt mit der Schere – und schon sind die Haare ab. Auch wenn es noch etwas ungewohnt ist, freut Amelie sich über die neue Frisur: „Es fühlt sich jetzt viel leichter auf dem Kopf an.“ 27 Zentimeter Haar hält Taubert in den Händen. Mit nach Hause nehmen möchte die 14-Jährige ihren alten Zopf nicht, deswegen schlägt die Haarexpertin vor, diesen zu spenden: „Da habe ich sofort Ja gesagt“, so Amelie. „Ich würde meine Haare gerne irgendwann nochmal für den guten Zweck abschneiden lassen, die wachsen bei mir sowieso schnell nach.“

Frisch gewaschen, unbehandelt und mindestens 25 Zentimeter lang: Diese Voraussetzungen müssen Haare erfüllen, die gespendet werden sollen. „Ansonsten gibt es eigentlich keine Einschränkungen, Alter und Geschlecht spielen keine Rolle, ebenso wenig Farbe und Struktur der Haare“, erklärt Taubert. Sind die Haare erstmal beim Verband eingegangen, erhält jeder Spender eine Dankeskarte.

Für den Zopf geht die Reise dann erst richtig los: In Handarbeit werden die Haare alle getrennt und einzeln nach Länge, Farbe und Struktur geordnet. Dann folgt die Versteigerung an Perücken-Hersteller: „Die produzieren meistens in asiatischen Ländern“, sagt Taubert. Für eine handgeknüpfte Echthaar-Perücke werden bis zu 200 Arbeitsstunden gebraucht. Zu kaufen gibt es das fertige Haarteil hierzulande ab 2000 Euro. „Kurzhaar-Perücken sind etwas günstiger, aber nach oben hin ist alles offen“, so Taubert. Bei kranken Kindern, die ihre echten Haare verlieren, bezahle die Krankenkasse.

Nicht nur Anke Taubert macht jetzt Werbung für die Haarspende, auch Amelie: „Ich habe in der Schule davon erzählt, und eine Freundin von mir möchte ihre Haare jetzt auch spenden.“

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