Interview

Wittener Ruderer und Organist macht jetzt auch noch Politik

Benedikt Pernack am Bootssteg des Ruder-Clubs Witten. Im Club gab er auch Rudertraining.

Benedikt Pernack am Bootssteg des Ruder-Clubs Witten. Im Club gab er auch Rudertraining.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Witten.  Benedikt Pernack studiert Physik, spielt Orgel und war als Wittener Ruderer erfolgreich. Jetzt macht er auch noch an führender Stelle Politik.

Benedikt Pernack hat mehrere Leidenschaften – die Physik, das Rudern, Orgel- und Chormusik. Seit einer Woche ist der Bommeraner nun auch noch der neue Kreisvorsitzende der Jungen Union Ennepe-Ruhr. Ein Gespräch mit dem 22-Jährigen über Leistungssport, die Liebe zur Musik und Politik.


Sie haben in Ihrer Zeit als Leistungssportler dem Ruder-Club Witten alle Ehre gemacht. Was lernt man als Leistungssportler?

Durchhaltevermögen, Rückschläge hinzunehmen, Ehrgeiz und Teamgeist. Ich rudere seit meinem elften oder zwölften Lebensjahr. Ich habe jahrelang mit Jacob Raillon trainiert. 2013 sind wir Deutscher Meister im Doppelzweier der B-Junioren geworden. Im gleichen Jahr haben wir beim Baltic Cup in St. Petersburg mitgemacht und dort Silber über die 1000-Meter-Strecke und Bronze im 500-Meter-Sprint geholt. Diese Zeit hat sehr viel Spaß gemacht. Wir haben hier in Witten ja ein tolles Ruderrevier. Ich habe im Club auch als Trainer gearbeitet. 2015 habe ich aber mit dem Leistungssport aufgehört.

Warum?

Ich studiere an der Ruhr-Uni Bochum Physik und bin auch noch Organist in der katholischen Kirchengemeinde St. Philippus und Jakobus in Herdecke.

Wie hat sich Ihre Liebe zur Orgelmusik entwickelt?

Durch meine Oma Gertrud. Die spielt noch mit über 80 Jahren die Orgel in der Kirche St. Liborius in Wengern! Als Kind durfte ich sie dorthin begleiten. Einer meiner Orgellehrer war Christian Vorbeck, der die Orgel in St. Marien spielt und Dekanatskirchenmusiker im Erzbistum Paderborn ist. Ein sehr guter Musiker, der einen schönen Satz gesagt hat: Improvisieren muss man können. Das stimmt! Ich habe 2013 mit der Ausbildung zum nebenberuflichen Kirchenmusiker in Paderborn begonnen. Dazu musste ich zwei Jahre lang regelmäßig samstags in die Probsteikirche nach Dortmund fahren. Ich musste mich aufs Abi am Albert-Martmöller-Gymnasium vorbereiten und habe nebenbei auch noch Leistungssport im Rudern gemacht. Das war alles ein bisschen anstrengend.

Sie sind auch Chorleiter.

Ja, in der Kantorei Herdecke. Wir sind ungefähr 25 Leute. Ich finde es sehr schade, dass heute viele Chöre Nachwuchsprobleme haben. Die eigene Stimme als Instrument – das wird von vielen nicht so wahrgenommen.

Wie sind Sie bei all diesen Dingen noch zur Politik gekommen?

Ich bin vor zwei Jahren der Jungen Union Witten beigetreten. Während meines Bachelor-Studiums hätte ich dafür keine Zeit gehabt. Da gab es Tage, an denen ich von 8 bis 19 Uhr an der Uni war.

Was ist Ihnen als JU-Vorsitzender im Kreis wichtig?

Ich möchte etwas für junge Leute tun. Es soll zum Beispiel Bildungsveranstaltungen geben, auf denen wir junge Menschen über kommunalpolitische Strukturen informieren. Also darüber, wie Entscheidungsprozesse in Kommunen ablaufen. Wer sind dort die Ansprechpartner, auch in den Parteien? So etwas muss man wissen, um etwas bewegen zu können.

Um welche Themen möchten Sie sich als Junge Union kümmern?

Um die Digitalisierung und die Datensicherheit – unter anderem. Eine App für die Stadt Witten wäre schön, in der man zum Beispiel die Kultur- und Sportangebote findet, auch einen Veranstaltungskalender. Das Thema öffentlicher Nahverkehr ist wichtig. Man muss die Attraktivität des ÖPNV steigern, damit mehr Menschen Bus und Bahn fahren. Ich bin nicht der Ansicht, dass man dies erreicht, indem man den Nahverkehr kostenlos anbietet – wie das die Jusos im Kreis fordern. Es müssen unter anderem die ländlichen Gebiete durch den ÖPNV besser angebunden werden. Außerdem dürften die Züge in Stoßzeiten nicht so voll sein. Das ist nicht attraktiv. Dann das Thema Klimawandel: Wenn durch die Trockenheit Bäume auch in Witten absterben, muss man sich überlegen, welche Baumarten man künftig anpflanzt.

Was ist mit der Wirtschaft?

Für Jugendliche ist es auch wichtig, einen Arbeitsplatz in der Region zu finden. Die hohe Gewerbesteuer in Witten ist ein großes Hemmnis für Unternehmen, die sich in der Stadt ansiedeln wollen. Außerdem haben wir in Witten ja Probleme, neue Gewerbeflächen auszuweisen.

Wie sehen Sie Angela Merkel als Kanzlerin?

Ich würde mir an dieser Stelle einen jüngeren Menschen wünschen, der alles mit mehr jugendlichem Elan und Tatendrang angeht.

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