Flüchtlinge

Kemnade-Küchenhilfe aus dem Irak darf vorerst bleiben

Kämpft für seinen Mitarbeiter: Heinz Bruns (Mi.), Chef der Gastronomie im Haus Kemnade, mit seinem Küchenhelfer Majid Said Krmanj (li.). Auch die Kemnade-Köchin Kati Alsdorf, der Bochumer Gastronom Adrian Dellwig, Rainer Notthoff vom Hotel- und Gaststättenverband sowie der Hattinger Gastronom Friedel Diergard (von li.) setzten sich dafür ein, dass Majid Said Krmanj Deutschland nicht verlassen muss.

Kämpft für seinen Mitarbeiter: Heinz Bruns (Mi.), Chef der Gastronomie im Haus Kemnade, mit seinem Küchenhelfer Majid Said Krmanj (li.). Auch die Kemnade-Köchin Kati Alsdorf, der Bochumer Gastronom Adrian Dellwig, Rainer Notthoff vom Hotel- und Gaststättenverband sowie der Hattinger Gastronom Friedel Diergard (von li.) setzten sich dafür ein, dass Majid Said Krmanj Deutschland nicht verlassen muss.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Witten/Bochum.  Gastronom Heinz Bruns hat sich erfolgreich für seinen irakischen Küchenhelfer eingesetzt. Dessen Duldung wurde bis Februar 2020 verlängert.

Aufatmen im Haus Kemnade. Heinz Bruns, Chef der dortigen Gastronomie, hatte befürchtet, dass sein Küchenhelfer Majid Said Krmanj bis spätestens Freitag Deutschland verlassen und in sein Heimatland ausreisen muss. Jetzt hat der 25-jährige irakische Küchenmitarbeiter von der Bochumer Ausländerbehörde eine Verlängerung seiner Duldung bis zum 14. Februar 2020 erhalten.

Der Iraker mit kurdischen Wurzeln hat viele Fürsprecher. Im Juni 2018 hatte er bei Bruns als Praktikant seine Arbeit begonnen, der ihn seit dem 1. August vergangenen Jahres offiziell als Küchenhelfer beschäftigt. Der Gastronom hatte, als Majid Said Krmanj Mitte Juli Post von der Ausländerbehörde mit dem Ausreisedatum 23. August bekam, alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit sein neuer Mitarbeiter ihm erhalten bleibt.

Auch andere Gastronomen setzen sich für 25-jährigen Iraker ein

„Der Mann arbeitet hervorragend und er hat sich nichts zu Schulden kommen lassen“, betont Bruns. In einem Schreiben hatte sich der 58-Jährige auch an Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch gewandt und weitere Restaurant-Chefs aus Hattingen und Bochum mit ins Boot geholt, die in der Vergangenheit ähnliche Erfahrungen wie Bruns machen mussten. Auch Rainer Nothoff, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Gelsenkirchen, unterstützt das Anliegen von Heinz Bruns, „diese Abschiebung zu verhindern“.

Von der Stadt Bochum hieß es am Montag, man werde – angesichts der derzeitigen politischen Lage im Irak – bei Ablauf der neuen Duldungsfrist im kommenden Jahr prüfen, ob eine sogenannte Beschäftigungsduldung möglich sei. Der Erlass zur Beschäftigungsduldung stammt vom Land und gilt seit Juli. Er regelt, dass Menschen, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, unabhängig vom Ausgang oder Verlauf des Aslyverfahrens für eine gewisse Zeit in Deutschland geduldet werden können.

Berufsausbildung und Beschäftigung kann langfristige Duldung zur Folge haben

Die Stadt Bochum verweist im Fall des Küchenhelfers in der Gastronomie des Hauses Kemnade auch auf ein neues Bundesgesetz, das am 1. Januar in Kraft tritt: das Gesetz über Duldung bei Ausbildung und Beschäftigung. Dieses gewährleistet Ausländern, deren Abschiebung vorübergehend ausgesetzt ist (sog. Duldung), unter bestimmten Voraussetzungen und für einen bestimmten Zeitraum einen Aufenthaltsstatus durch eine langfristige Duldung. Voraussetzung ist, dass die Betroffenen eine Berufsausbildung absolvieren oder einer Beschäftigung nachgehen.

Gastronom Heinz Bruns freut sich, dass sein Mitarbeiter jetzt erst einmal „für ein halbes Jahr“ Ruhe hat. „Der Mann ist ein Juwel, den möchte ich behalten.“ Bruns betont, dass die Gastronomie eine Branche sei, die international aufgestellt ist. „Ich beschäftige Menschen aus neun Nationen.“ In den letzten Jahren seien fünf Leute, die in seinem Betrieb gearbeitet hätten, abgeschoben worden, so der Gastronom.

Im nächsten Jahr wird es mit dem neuen Gesetz eine klare Regelung geben

Frustrierende Erlebnisse auch für Heinz Bruns. „Wir bringen den Menschen etwas bei und wenn sie dann soweit sind, dass sie arbeiten können, werden sie aus Deutschland hinausgeworfen.“ Warum jemand, „der niemandem auf der Tasche liegt, hier arbeitet und Steuern zahlt, abgeschoben wird“, kann Heinz Bruns nicht nachvollziehen.

Er begrüßt, dass es mit dem neuen Gesetz über Duldung bei Ausbildung und Beschäftigung im nächsten Jahr eine klare Regelung geben wird. „Denn man muss auch als Arbeitgeber wissen, auf was man sich einlässt.“

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