„Fridays for Future“

Klimastreik in Witten erreicht wieder rund 400 Teilnehmer

Keine politischen Fahnen, nur Plakate und Transparente: Parteiangehörige wurden bei der dritten „Fridays for Future“-Demo in Witten aufgefordert, keine Flagge zu zeigen.

Keine politischen Fahnen, nur Plakate und Transparente: Parteiangehörige wurden bei der dritten „Fridays for Future“-Demo in Witten aufgefordert, keine Flagge zu zeigen.

Foto: Gordon Wüllner

Witten.   Trotz Regen sind so viele Schüler wie bei der ersten Fridays for Future-Demo in Witten auf die Straße gegangen – aber auch Eltern und Studenten.

Es hat ja schon symbolische Kraft. Da blicken die Älteren verwundert aus gemütlichen Cafés und beheizten Läden, gehen nur heraus, wenn sie wirklich müssen. Und rund 400 Jüngere schreiten brüllend, mit tropfendem Haar über die Bahnhofstraße durch das Sauwetter – um dafür zu kämpfen, dass das Wetter im Frühjahr so mies bleibt, wie es gerade ist. Und eben nicht so, wie es sich stellenweise im ungewöhnlich sommerlichen Februar gezeigt hat.

Für die kämpferische Stimmung scheint das Ringen mit dem Regen am Freitag jedenfalls geradezu förderlich gewesen zu sein. Sie waren schon mal so viele – bei der ersten „Fridays for Future“-Demo in Witten am 1. Februar – aber so viel Energie und Wut hatten sie bis jetzt noch nicht in den Stimmen. Wut zum Beispiel auf Christian Lindner.

Buhrufe gegen Christian Lindner

Der FDP-Bundesvorsitzende sagte zuletzt, Klimarettung sei eine „Sache für Profis“, nicht für Kinder und Jugendliche. Laute Buhrufe von den Demo-Teilnehmern. „Wir fordern nichts, was nicht machbar wäre. Die Politik hat was verpennt – auf unsere Kosten“, kontert Mitorganisatorin Laura Schmidt. Jubel, natürlich. Den gibt es auch für Studenten, die für die Initiative „Aufbruch Fahrrad“ Werbung machten, die sich für ein Fahrradgesetz in NRW einsetzt. „Lasst uns Witten zur Fahrradstadt machen“, fordert ein Student.

Einer anderen Studentin, Ina Erhard, „fällt kein Ort ein, an dem man besser sein könnte“. Die 21-Jährige begleitet ihre Mutter (55), die ihren 18-jährigen Sohn unterstützen möchte. „Ich finde es wichtig, dass die Schüler das tun“, sagt Britta Erhard. „Aber ich weiß nicht mal, ob mein Sohn selbst hier ist.“ Gefunden hat sie ihn im Getümmel vor dem Rathaus noch nicht. Auf die Suche gehen? „Das wäre ihm zu peinlich.“

Keine Angst vor Konsequenzen

Überhaupt sind Eltern an diesem Tage viel präsenter als bei den ersten beiden Ausgaben der Schülerstreiks. „Es geht nicht nur um die Zukunft unserer Kinder, sondern auch um unsere eigene Zukunft“, sagt die 31-jährige Franziska F., mit der zweijährigen Tochter in der Kindertrage und dem siebenjährigen Patenkind an der Hand. Der gleichaltrige Sohn springt gerade im Getümmel umher. Grundschüler wie er sind bisher selten auf den Demos gewesen.

Aber auch die etwas älteren Schüler der Sekundarstufe 1 zeigten sich bei der viel schlechter besuchten letzten Demo mit 80 Teilnehmern am 1. März in der Unterzahl. Auf sie schien der Druck aus dem NRW-Bildungsministerium besonders gewirkt zu haben. Und dieses Mal? „Es gibt natürlich Konsequenzen“, sagt eine Siebtklässlerin vom Ruhr-Gymnasium. „Das nehmen wir in Kauf.“ Ihre Mitschüler stimmen zu.

Es ist der Preis dafür, Teil einer globalen Protestaktion zu sein. In mehr als 1500 Orten weltweit – von Paris bis Hongkong – fanden am Freitag Demos statt. Klar, war das Wetter nicht überall so mies wie in Witten. „Das ist hier viel besser als Schule“, ruft ein durchnässter Schüler durch die Menge. Ob das auch für die drohende Erkältungswelle gilt?

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