Foodsharing

„Leckerer Lothar“: Wittener Lebensmittelretter machen weiter

Jasper Schröder betreut den neuen „Leckeren Lothar“ hauptverantwortlich. Ein abschließbarer Schrank im Lokal des Wiesenviertelvereins ist der neue Verteiler der Wittener Foodsharing-Gruppe.

Jasper Schröder betreut den neuen „Leckeren Lothar“ hauptverantwortlich. Ein abschließbarer Schrank im Lokal des Wiesenviertelvereins ist der neue Verteiler der Wittener Foodsharing-Gruppe.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Witten.  Im Februar hatte sich die Wittener Foodsharing-Gruppe ins Private zurückgezogen. Jetzt hat der „Leckere Lothar“ eine neue Heimat gefunden.

Der „Leckere Lothar“ ist zurück. Die Wittener Lebensmittelretter haben im gerade eröffneten Lokal des Wiesenviertel-Vereins eine neue Heimat gefunden. In einer Ecke steht ein Schrank mit Waren, die vor der Mülltonne bewahrt wurden. Nun warten sie auf neue Besitzer.

Seit Februar hatten die Foodsharer eine Zwangspause eingelegt und sich ins Private zurückgezogen. Lebensmittelkontrolleure hatten den alten „Leckeren Lothar“, einen Fahrradanhänger, kontrolliert und dabei mehrere Mängel festgestellt.

Nun geht es in alter Frische und mit ungebremster Freude an der Sache an der Wiesenstraße weiter. Die Wiederauferstehung des Lebensmittel-Verteilers hat sich schon herumgesprochen. „Es läuft super“, sagt Mitstreiterin Laura Geldermann. „Wenn wir kommen, stehen meist schon ein paar Leute vor der Tür.“

Veterinäramt hat viele Auflagen erteilt

Von Montag bis Freitag befüllen die Lebensmittelretter nun immer gegen 15 Uhr den neuen „Leckeren Lothar“, einen abschließbaren Schrank, hauptsächlich mit Obst und Gemüse. „Und wir bleiben meist, bis alles weg ist“, sagt Jasper Schröder, hauptverantwortlicher „Lothar“-Betreuer. Das dauere derzeit meist um die zwei Stunden.

Die neue Form des „Fair-Teilers“ war eine der Auflagen des Veterinäramts. Auch, dass es eine schriftlich festgehaltene Ansprechperson geben muss. Das vor allem für den Fall, dass sich jemand an einem der Lebensmittel den Magen verdirbt oder Schlimmeres. Vorgekommen sei so etwas seines Wissens nach in Deutschland aber noch nie, sagt Helfer Fin Geldermann. „Natürlich ist auch jeder selbst in der Pflicht zu entscheiden, ob man etwas noch essen will.“

Lebensmittelretter kooperieren auch mit Supermärkten

An zwölf verschiedenen Stellen holen die Foodsharer Karotten, Salat und andere Lebensmittel ab, die sonst im Müll landen würden – bei Supermärkten, Restaurants oder auch auf dem Wochenmarkt. Für das Veterinäramt führen die Ehrenamtlichen Listen darüber, wo sie wann was abgeholt haben. Jeden Tag wird „Lothar“ – wenn alles verteilt ist – gereinigt und abgeschlossen.

Wer vor dem Urlaub noch schnell den angebrochenen Sack Kartoffeln oder andere unverbrauchte Lebensmittel bei „Lothar“ vorbeibringen möchte, wird allerdings enttäuscht. „Privatleute dürfen nichts in den Verteiler legen“, sagt Laura Geldermann – auch das eine Auflage der Lebensmittelkontrolleure. „Wir können einfach nicht nachvollziehen, was zuvor mit dem Essen passiert ist“, erklärt die 24-Jährige.

Foodsharing-Gruppe hat Konzept geschrieben

Die jungen Lebensmittelretter dürfen auch Brote, Brötchen und kühlpflichtige Waren wie Joghurt nicht in der Öffentlichkeit verteilen. Privat läuft der Austausch aber weiter. Für ihre neue Art des Verteilens musste die Wittener Foodsharing-Gruppe ein Konzept schreiben, das vom Veterinäramt abgenickt wurde – ebenso wie der neue „Lothar“. Künftig soll es jetzt unregelmäßige, unangekündigte Kontrollen geben.

Trotz aller Auflagen sind die Lebensmittelretter froh: „Es ist jetzt ein geringerer Aufwand, als alles privat zu verteilen“, sagt Laura Geldermann. Bedienen darf sich am „Leckeren Lothar“ übrigens jeder. „Uns geht es um die Bedürftigkeit der Lebensmittel, nicht die der Menschen“, sagt Fin Geldermann.

Ein paar wenige haben sich allerdings noch nicht ganz an „Lothars“ neue Form gewöhnt: „Als heute eine unsere Abholerinnen mit dem Fahrradanhänger hier vorgefahren ist, hat sich eine Dame direkt aus dem Anhänger bedienen wollen.“

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