Hall of Fame am Crengeldanz

Legale Wittener Freifläche darf mit Graffiti besprüht werden

Ab dort darf gesprayt werden: Petra Linden (Jugendkultur), Künstler Patrick Bremer und Juliana Andrisano (Kulturforum) am Eingang zur Wittener Graffiti-Mauer - zwischen Crengeldanzstraße und Brückstraße.

Ab dort darf gesprayt werden: Petra Linden (Jugendkultur), Künstler Patrick Bremer und Juliana Andrisano (Kulturforum) am Eingang zur Wittener Graffiti-Mauer - zwischen Crengeldanzstraße und Brückstraße.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Witten hat nun eine Hall of Fame. Sprayer können sich an einer Mauer zwischen Crengeldanz und Brückstraße austoben. Samstag gibt’s Gratis-Dosen.

Für manche sind Graffiti Schmierereien, für manche Kunst. In Witten gibt es jetzt die erste offizielle „Hall of Fame“, eine Mauer, an der sich junge Leute legal mit der Farbspraydose austoben können. Sie zieht sich parallel zur S-Bahnlinie von BMW Ernst an der Crengeldanzstraße bis zur Zirkuswiese an der Brückstraße. Ab Samstag darf sie gestaltet werden.

Wie toll Graffiti aussehen können, sieht man am Eingang zu dieser legalen Spray-Mauer. Eine Wand an der Eisenbahnunterführung ist am letzten Wochenende besprüht worden. Der Entwurf des Dortmund-Wittener Künstlerteams „Intro & Ryker“ hatte eine zehnköpfige Jury überzeugt. „Legal Graffiti Hall“ steht dort und „Express Yourself“, man sieht eine fette Sprühdose mit Finger darauf. An nur einem Tag zauberten die beiden Jungs dieses Wandbild. „Na klar, sind die so schnell“, sagt Sprayer Patrick Brehmer. „Wie kriegt man sonst in kurzer Zeit eine ganze S-Bahn voll?“
Arggh, genau darum geht es doch dem Amt für Jugendhilfe, dem Kulturbüro und dem Projektbüro Heven-Ost/Crengeldanz, die sich ein Jahr lang für die „Hall of Fame“ eingesetzt haben. Die Anregung dazu kam übrigens aus dem Hevener Jugendzentrum Freeze. „Wir wollen der Szene zeigen, dass wir diese urbane Kunst wertschätzen“, sagt Juana Andrisano vom Kulturbüro. Petra Linden vom Amt für Jugendhilfe ergänzt: „Wir wollen den Jugendlichen Raum geben, sich zu entwickeln. Graffiti dürfen nicht ins Illegale wachsen.“ Patrick Brehmer formuliert es so: „Es ist doch cool, wenn Jugendliche so etwas ausprobieren und dann mal nicht am Handy hängen.“




Das Duo Andrisano und Linden war selbst erfreut, wie viele positive Rückmeldungen es auf ihre Idee gab. Eine geeignete Mauer war schnell gefunden. Das lange Stück begrenzte bis in die 90er Jahre das Pilkington-Firmengelände. Dessen vorderer Teil, zur Straße hin, auf dem sich einst eine Holzlagerfläche befand, wurde verkauft – an Christiane Ernst-Bastian (Autozentrum Bernhard Ernst). Auf diesem Teil steht heute der Netto-Supermarkt. Zwischen Mauer und S-Bahnlinie führt ein Fußweg in Richtung Brückstraße, der bislang wenig einladend war. Auch darum unterstützen die beiden Eigentümer das Sprayer-Projekt, denn beschmiert war das Mauerwerk seit eh und je. „Ich freue mich über dieses Projekt, schließlich gucke ich jeden Tag drauf“, sagt Christiane Ernst-Bastian.

Mauer verläuft parallel zur S-Bahn-Linie

Wolfgang Endemann, Geschäftsführer von Pilkington, erinnert sich an eine Geschichte, die mittlerweile 14 Jahre her ist: „Eine junge Dame hatte mich angeschrieben, sie würde ihrem Freund zum Geburtstag gern ermöglichen, dass er ein Stück der Mauer besprühen kann.“ Endemann stellte ihr sogar eine schriftliche Erlaubnis aus. „Bevor der irgendwo illegal rumsprüht“.



Die neue Mauer jedenfalls ist ein Paradies für die Graffitiszene. Unter anderem haben sich die Wabe, die Deutsche Bahn und das Kolpingwerk engagiert: Die Sträucher wurden zurückgeschnitten, der Weg von Unkraut befreit, das Bauwerk weiß grundiert. Die Firma Boesner-Direktverkauf in Herbede stiftete Farbdosen, für die Einweihung am Samstag. „Daumen hoch für Wittens erste Hall of Fame“, findet Geschäftsführer Marcus Winter. Sprayer Patrick Brehmer verspricht, auf die aufgesprühten Kunstwerke zu achten und politisch fragwürdige Schriftzüge zu übersprühen.

In Wittens Nachbarstädten gibt es bereits mehrere legale Graffiti-Wände, in Bochum allein 24. In Hagen und Essen sei nachweislich die Zahl illegaler Schmierereien zurückgegangen, weiß Petra Linden. „Versprechen können wir nichts“, sagt sie. „Aber wenn dieses Leuchtturmprojekt funktioniert, würden wir gern mehr Freiflächen zum Sprayen freigeben.“

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