Feuerwerk

Nach Ruhestörung: Pyrotechniker-Messe verlässt Witten

Diese Tradition endet: Bei der Fachmesse Pyroforum fanden auf dem Saalbau-Parkplatz Vorführungen verschiedener Aussteller statt.

Diese Tradition endet: Bei der Fachmesse Pyroforum fanden auf dem Saalbau-Parkplatz Vorführungen verschiedener Aussteller statt.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Witten.  Beim Showfeuerwerk im April sollen die Pyrotechniker zu lang geknallt haben. Auch deswegen verliert Witten die Fachmesse „Pyroforum“.

Das Pyroforum – eine Fachmesse für Feuerwerker – wird nach 13 Jahren nicht mehr in Witten stattfinden. Damit entfallen auch die beiden Showfeuerwerke, die viele Wittener begeistert haben, hier und da aber auch für Misstöne sorgten. Nicht zuletzt deswegen verliert Witten nun die in Fachkreisen angesehene Messe.

Ärger gab es nach dem Feuerwerk am 13. April über Rüdinghausen. Damals hagelte es Beschwerden von Anwohnern. Die Stadt kündigte eine hohe Geldbuße an. Nun hat der Veranstalter entschieden, die Messe nicht länger im Saalbau stattfinden zu lassen. „Wir fühlen uns in Witten nicht mehr willkommen. Diese Geschichte hat uns bitter enttäuscht“, sagt Veranstalter Wolfgang Stabe.

Pyrotechnik-Fachgeschäft in Wattenscheid

Der Dülmener betreibt in Wattenscheid ein Pyrotechnik-Fachgeschäft. Vor 14 Jahren hatte er die erste Fachmesse in Bochum organisiert, wich aber schon im Folgejahr auf den Wittener Saalbau aus. Dem blieb er treu – denn für das Saalbauteam und die Freiwillige Feuerwehr Rüdinghausen, die stets das Probeschießen begleitet haben, findet er nur lobende Worte. Zuletzt, am 12. und 13. April, konnte er 55 Aussteller aus 15 Ländern und 650 Fachbesucher verbuchen.

„In die Messe kommen nur ausgebildete Pyrotechniker hinein, die vorab von uns zugelassen wurden“, sagt Stabe. Er spricht von der „weltgrößten Pyrotechnikmesse“. In der kleinen Welt der Feuerwerker weckte Witten offenbar großes Interesse. Auf Youtube findet man Filme chinesischer Journalisten, die live von der Messe berichten, den Saalbau im Hintergrund. Stabe: „Nur bei der Stadt Witten hat man offensichtlich nicht erkannt, welchen Werbeeffekt unsere Fachtagung hat. Allein wie viele hundert Hotelbetten über uns gebucht wurden!“

Viele Zaungäste beim Showfeuerwerk

Stein des Anstoßes war das Showfeuerwerk am Samstag, 13. April, auf dem Ostermann-Gelände. Dort darf jede Firma für je acht Minuten ihre neuesten Produkte in den Nachthimmel schießen. Das leisere Silvesterfeuerwerk wird freitagabends auf dem Saalbau-Parkplatz gezeigt.

Diese Leistungsschau hatte viele Fans. Etliche hundert Zaungäste konnten zum Beispiel vor einigen Jahren erstmals ein Musikfeuerwerk erleben. Es gab aber auch immer wieder andere Reaktionen. „Meine Kinder sind aus dem Bett gefallen wegen dem Geknalle“, schrieb eine Leserin im April. Bis 22.30 Uhr sei Feuerwerk bundesweit erlaubt, meint Wolfgang Stabe, um 22.25 Uhr habe man die letzte Rakete abgeschossen. Anders sah es die Stadt.

„Reaktion ist wie ein Rauswurf“

Zahlreiche genervte Anwohner, die sich in ihrer Nachtruhe gestört fühlen, hätten sich bei Stadt und Polizei über das Pyroforum beschwert, hieß es in einer Pressemitteilung. Bis 23 Uhr sei es richtig laut gewesen. Mit Berufung auf das Landesimmissionsschutzgesetz drohte das Ordnungsamt ein Bußgeld bis zu 5000 Euro an. „Außerdem ist fraglich, ob die Veranstaltung in dieser Form überhaupt noch genehmigungsfähig ist“, erklärte Tobias Hahn vom Ordnungsamt.

Der Fall wird zurzeit rechtlich geklärt. Den Pyrotechnikern aber ist die Sache sauer aufgestoßen. Gesucht wird zurzeit ein neuer Veranstaltungsort, gerade sei Erfurt im Gespräch. Stabe: „Für uns ist die Reaktion der Stadt wie ein Rauswurf.“

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