Gemeinde

Orgelbauer reinigen Instrument in Wittener Johanniskirche

Blick auf die Empore der Johanniskirche: Die Orgel wird gerade gereinigt und wurde zu diesem Zweck komplett zerlegt. Die Pfeifen – insgesamt über 1400 – liegen oder stehen ordentlich in Reih und Glied.

Blick auf die Empore der Johanniskirche: Die Orgel wird gerade gereinigt und wurde zu diesem Zweck komplett zerlegt. Die Pfeifen – insgesamt über 1400 – liegen oder stehen ordentlich in Reih und Glied.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Experten bringen das Instrument in der Johanniskirche auf Vordermann. Jede Pfeife müssen sie einzeln putzen. Manchmal finden sie dabei etwas.

Die Orgel in der Johanniskirche trägt gerade Zahnlücke: Eine große Pfeife fehlt in der Reihe. „Das haben wir absichtlich so gemacht, damit man Sachen durchreichen kann“, sagt Roland Monczynski (58). Der Orgelbaumeister ist in seinem Element: Die Reinigung des Instruments hält ihn und sein Team auf Trab. Knapp vier Wochen dauert es, bis alles vom Staub und Schmutz der letzten 23 Jahre befreit ist.

Monczynski hat schon am Bau der Orgel mitgewirkt. Den hatte damals die Firma Paschen aus Kiel übernommen: „Es ist ein saugutes Gefühl, mal wieder ein altes Instrument der eigenen Firma überarbeiten zu dürfen.“ Extrem verstaubt sei alles nach dieser langen Zeit. Daran ist die Gemeinde nicht ganz unschuldig: Denn der Dreck bestehe vor allem aus dem Abrieb der Kleidung und Hautpartikeln. Aber: „Alles ganz normal“, so der Experte. Ansonsten hat er nicht viel zu meckern. Schimmelpilze zum Beispiel, die sich durch Feuchtigkeit bilden können, habe er nicht entdeckt.

„Mit dem Heizen läuft hier offenbar alles richtig“, lobt er. Pfarrer Wolfram Linnemann bestätigt: „Auch im Winter sorgen wir immer für eine Grundtemperatur von 14 Grad.“ In den Kirchen Schleswig-Holsteins liege die häufig bei gerade mal sechs Grad, weiß Monczynski.

Auf der Empore herrscht derzeit geordnetes Chaos. Viel Werkzeug liegt herum. Alle 1472 Pfeifen müssen abgebaut und einzeln gereinigt werden. Die größte misst 2,40 Meter, die kleinste gerade mal acht Millimeter. „Wir lösen den Staub mit Pinsel und Bürste und blasen die Pfeifen dann aus“, erklärt der Orgelbauer.

Organistinnen sind behutsam mit ihrem Instrument umgegangen

Mit Kollegin Anne Dabringhaus (48) kontrolliert er alles, was beweglich ist. Manchmal finde man auf den Ventilen noch Krümelchen. Nach über 20 Jahren sei auch der Anschlagfilz ein wenig eingedrückt. Das minimale Klappern in der Mechanik dagegen störe nicht weiter. „Vielleicht müssen da in 50 Jahren mal Teile ausgetauscht werden“, so die Experten-Prognose.

Alte Inschriften oder andere Kuriositäten haben die Kieler beim Auseinanderbauen der Orgel übrigens nicht entdeckt. „Ich habe mal alte Zigarettenkippen beim Reinigen in einer Orgel gefunden“, erinnert sich Anne Dabringhaus. Doch die Organistinnen der Johannisgemeinde sind offenbar sehr behutsam mit ihrem Instrument umgegangen.

Auf Christine Böhm folgte Kornelia Chuchrak. Im Juli 2018 hat Miso Kim (27) die Stelle als Kirchenmusikerin übernommen. Sie begutachtet fast jeden Tag die Arbeiten und ist schon sehr gespannt, wie „ihre“ Orgel danach klingt. „Ohne die Reinigung wäre sie auf jeden Fall irgendwann röcheliger geworden und hätte nicht mehr zuverlässig gestimmt werden können“, so Monczynski.

Spätestens am 30. Juni muss die Orgel einsatzbereit sein, denn dann gibt der Bach-Chor sein Jubiläumskonzert in der Johanniskirche. Bis dahin begleitet Miso Kim die Gemeinde auf dem E-Piano. Doch das, sagt der Pfarrer, sei kein Vergleich mit dem kraftvollen Klang der Orgel.

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