Pflege und Industrie vertragen sich also doch

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In dem Artikel „Herbede rüstet bei Pflegeplätzen auf“ wird die Planung eines Bauvorhabens für altengerechtes Wohnen mit 25 Wohnungen und 38 Voll- und Kurzzeitpflegeplätzen auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Herbede/Gewerbebetrieb Dienhardt vorgestellt. Danach sei das Projekt genehmigungsfähig und in besonderem Maße geeignet, die Situation älterer Bürger und Bürgerinnen hier in Herbede zu verbessern. Das erfreut uns grundsätzlich, da diesbezüglich und seit langem tatsächlich eine Unterversorgung vorliegt.

Merkwürdig ist jedoch, in welchen Abläufen und Abhängigkeiten sich derartige Entwicklungen vollziehen. Nachdem der Startschuss für Edeka im Gerberviertel für diese Woche avisiert ist und keine Querschüsse mehr zu erwarten sind, können anscheinend nun auch weitere Planungen wieder angegangen werden.

Dabei erinnern wir uns: Im Zusammenhang mit alternativen Nutzungsmöglichkeiten auf dem Gelände der ehemaligen Gerberschule haben Bürgerkreis, Heimatverein (und zeitweise auch die Werbegemeinschaft) unter anderem Wohnnutzung für altengerechtes, betreutes und pflegebedürftiges Wohnen bereits in den 2000-er Jahren als Folge des hier wachsenden Bedarfs vorgeschlagen. Bereits damals lagen erhebliche Interessensbekundungen bei dem örtlichen Altersheim für diese Wohnform, insbesondere aus den „Hölzern“ aus Herbede, vor.

Diese Vorschläge wurden von der Verwaltung und der Industrie deutlich zurückgewiesen. Eine Wohnbebauung beschränke angeblich die Entwicklungsmöglichkeiten der benachbarten Betriebe, Lärmschutzwerte für die Wohnnutzung würden überschritten, die Grenzwerte des Abstandserlasses nicht eingehalten. Ein Rechtsberatungsunternehmen wurde mit Unterstützung der IHK bemüht, um diese Unverträglichkeit zu bescheinigen. Zulässig sei nur eine Einzelhandelhandelsnutzung. Auch der vorhandene Betrieb Dienhardt müsse geschützt werden.

Die Verlagerung des Elektromaschinenbaubetriebes hat sich bereits 2013 abgezeichnet. Die nun dort vorgesehne Nutzung liegt in Bezug auf die benachbarten Stahlbetriebe in ähnlicher Entfernung. Nun keine Probleme, keine Beeinträchtigung industrieller Entwicklungsmöglichkeiten, keine rechtliche Unzulässigkeit, nachdem Edeka in trockenen Tüchern ist? Nun droht, wie im Einzelhandel, ein Angebot (Planung kath. Kirche/St. Josefshaus) mit entsprechenden Folgen. Was heißt dies für das geplante Netto-Gebäude an der Rautertstraße, hier sollten doch im Obergeschoss auch Pflegeplätze für Demenzkranke entstehen?

Dies ist ein Beispiel von vielen zum ambivalenten Umgang vieler Wittener Politiker mit bürgerschaftlichem Engagement, zur fehlenden Transparenz bei politischen Entscheidungsgängen (z.B. bei der Entwicklung des Gerberviertels) und generell zur Planungs(un)kultur in Witten. Die wiederholt demonstrativ gewünschte Bürgerbeteiligung klingt in diesem Zusammenhang heuchlerisch und verstärkt die ohnehin zunehmende Politikverdrossenheit in dieser Stadt.
Dieter Boele, Bürgerkreis Herbede
Heiner Knährich, Heimatv. Herbede

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