Historisches Fotorätsel

Raten Sie mal: Warum wurde diese Mauer in Annen abgerissen?

Steil, schmal und in miserablem Zustand zwängte sich die damalige Herdecker Straße unter den Rheinischen Esel.  Das hohe Haus dahinter war die Metzgerei Schmitz, das Haus weiter links ist an der Bebelstraße 20.

Steil, schmal und in miserablem Zustand zwängte sich die damalige Herdecker Straße unter den Rheinischen Esel. Das hohe Haus dahinter war die Metzgerei Schmitz, das Haus weiter links ist an der Bebelstraße 20.

Foto: Davide Bentivoglio

Witten.  Einst grenzte die Mauer auf unserem Rätselfoto das Gelände zur Zeche Hamburg ab. Ihr Abriss läutete 1987 dann eine neue Ära in Witten-Annen ein.

„Das war doch unser Revier“, hat sich Brigitte Müllen gedacht, als sie die Samstagszeitung aufschlug und das Rätselfoto sah. „Wir wohnten gleich um die Ecke in der Kreisstraße.“ Sie erinnerte sich daran, wie sie im Winter entlang der Mauer mit dem Schlitten herunter raste, wie sie hier im Sommer vorbeiging, um zum Freibad Annen zu gelangen. „Und nach einem Telefonat mit meinem Bruder Willi wusste ich dann auch den Namen der Mauer“, schreibt sie. „Es war die Hamburger Mauer.“

Richtig! Die Mauer wurde so genannt, weil sie das Gelände der damaligen Zeche Hamburg zur Herdecker Straße hin begrenzte (Infobox). Abgerissen wurde sie 1987, weil sie dem neuen Verlauf der Herdecker Straße Platz machen musste, die an diese Stelle verlegt werden sollte. „Der Teil unter der Brücke gehört heute zur Geschwister-Scholl-Straße“, ergänzt Gerd Gahr, der wie viele Leser richtig lag – und sich noch an weitere Namen für die Mauer erinnern kann. „Ich habe mal von den Bezeichnungen ‘Steile Rampe’ und ‘Steile Wand’ für den Teil auf dem Rätselfoto gehört“, schreibt er.

Als Kinder die Akustik im Tunnel getestet

Bis 1987 verlief die Mauer geradeaus durch die schmale und niedrige Unterführung unter dem Rheinischen Esel hindurch. Nun wurde sie an der Einmündung „Am Hang“ nach links weitergeführt, kreuzte dann ebenerdig die Bahnlinie und endete mit dem heutigen bekannten Verlauf an der Annenstraße. „Ich bin als Kind oft an der Mauer entlang gegangen. Wir durften vom Hüllberg aus nur bis zur Unterführung des Rheinischen Esels gehen“, erinnert sich Heike Ludwig.

Nostalgie hat das Foto auch bei Werner Schultze geweckt: „Wenn ich mit Freunden aus dem damaligen Bali-Kino kam, sind wir meist noch zum Hohenstein gegangen, um da herumzutollen“, erzählt er von seiner Kindheit. „Auf dem Weg dahin sind wir durch den Tunnel gegangen. Schon damals haben wir hier durch lautes Rufen die ‘Akustik getestet.’“

Verlegung der Herdecker Straße war Startschuss für vieles

Neben Mauer und Unterführung haben unsere Leser noch mehr wiedererkannt. „In dem Haus mit dem schwarzen Giebel war lange die Metzgerei Schmitz“, schreibt uns Brigitte Obenaus. Hinter der Mauer ist auch die Abbruchfirma Paschen zu sehen, ergänzt Brigitte Müllen. „Ich glaube, dass ein Teil dieser Mauer auch heute noch an der Herdecker Straße steht“, schreibt S tefan Hennigfeld – und hat Recht damit.

Die Verlegung der Herdecker Straße und Abriss der Mauer 1987 war der Anfang einer Reihe von Maßnahmen, die das Zentrum Annens grundlegend veränderten. Den Anfang machte die Sparkasse, die hier eine neue Zweigstelle baute. Der erste Spatenstich erfolgte am 2. Mai 1988, schon am 7. Juni 1989 konnte man das Richtfest feiern und am 22. Juni 1990 wurde mit einem mehrtägigen Fest die Eröffnung eingeleitet.

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