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Regen kann die Stimmung bei Wittens Tafelmusik nicht trüben

Tom und Alina Trappmann zaubern trotz Regen riesige Seifenblasen bei der „Tafelmusik“ in Witten.

Tom und Alina Trappmann zaubern trotz Regen riesige Seifenblasen bei der „Tafelmusik“ in Witten.

Foto: Schneider

Witten.  Ein Wetter zum Daheimbleiben – und trotzdem ließen es sich die Wittener nicht nehmen, bei der Tafelmusik in der Ruhrstraße zu picknicken.

Für den Start in diese Ausgabe der Tafelmusik braucht es viel Humor – aber den haben die Wittener ja. Auf der gesperrten Ruhrstraße trotzten die Teilnehmer gut zwei Stunden lang dem Regen. Sie flitschen die Wasserlachen von den Biertischen, versteckten die mitgebrachten Frikadellen und den Kartoffelsalat in Plastikdosen und steckten bis zum Hals in Regenponchos. Aber: Ab halb acht schien die Sonne und dann entfaltete Wittens schönstes Straßenfest seinen altbekannten Charme.

Für NRW galt eine Unwetterwarnung, aber für das Team vom Stadtmarketing stand fest, dass die Tafelmusik trotzdem wie geplant stattfindet. „Es gibt ja keine großen Aufbauten und eigentlich sind die Besucher in der Ruhrstraße ganz gut geschützt“, sagt Thomas Schmidt. Seine Chefin Sylvia Nolte bekräftigt: „Die Leute hält der Regen nicht ab.“ In den ersten beiden Stunden aber schüttete es teils kräftig. Nur die Teilnehmer der 70 beim Stadtmarketing aufgestellten Bierbänke kamen in die Ruhrstraße, die „Laufkundschaft“ fehlte. Aber immerhin! Viele Besucher ließen ihren reservierten Tisch nassregnen und standen mit dem Weißweinglas in der Hand in den Hauseingängen. Erfahrene Teilnehmer hatten einen Partypavillon mitgebracht und diesen teils festlich geschmückt. Auch die gebuchten Künstler warteten zunächst unter den Vordächern.

Kirschschnaps und dazu noch ein Eierlikörchen

„Wenigstens gespült wird gratis“, sagt Agathe Czylwick und schüttet das Regenwasser von ihrem Plastikteller. Ihr Rotwein hat sich längst in eine Schorle verwandelt. Die Wittenerin trägt einen wasserdichten Regenumhang, den sie einst bei einer Treckingtour in Nepal erstanden hat Am Tisch ihrer Partei „Auf Witten“ herrscht dennoch beste Laune. „Im letzten Jahr habe ich drei Mal den Tisch abgewischt“, sagt Romeo Frey. „Diesmal haben wir auf eine wasserfeste Tischdecke gesetzt.“

Ein paar Tische weiter ist man die nasse Umgebung gewohnt: Die „Aquaenten vom PV Triathlon“, eine Wassergymnastiktruppe, trinken Kirschschnaps und ein Eierlikörchen hintendrein. Eine Frau hat sogar die Badeschlappen an. Über den Tisch sind gelbe Gummienten verteilt. Ein Prosit nach drüben, zum Pavillon der Griechenlandfreunde. Hier trinkt man Ouzo und natürlich griechischen Wein. Organisatorin Marlies Harprecht hat Fähnchen und künstliches Weinlaub aufgehängt, dazu griechische Spezialitäten zubereitet. Alle Gäste tragen einen Glücksbringer, den „Schutz vor dem bösen Blick“. Dabei erntet die Gruppe an diesem Abend eher bewundernde Blicke für ihren liebevoll gestalteten Picknickplatz.

Durchhalten, bis das Essen alle ist

„Die Simonettis“, eine Gruppe, die sich regelmäßig zum Eisessen und Klönen im Eiscafé trifft, sind dagegen hart im Nehmen. „Regine, haste mal den Lappen“, ertönt es, schon werden die Bierbänke halbherzig gewischt. Seit 13 Jahren machen „die Simonettis“ bei der Tafelmusik mit. „Wir bleiben, bis alles aufgegessen ist“, heißt es.

Weiter geht’s zu Tisch 38, an dem der „Stammtisch 21“ sitzt. Das sind 30 Wittener, die sich immer sonntags am Tisch 21 des Ausflugslokals „Zur alten Tür“ versammeln – nur an diesem Wochenende nicht. „Das ist so nett hier“, schwärmt Michael Kuhlmann. Ein silberner Kandelaber steht auf ihrem Tisch, mehrere Hunde liegen darunter. Das hat Stil.

Das toppt nur der Tisch des SPD-Stadtverbands. Die Genossen haben alles in Rot gehalten: Tischdecke und Geschirr, Kleidung. Aber auch die Speisen: rote Bowle, Johannisbeeren, Kirschtomaten und Radieschen gibt es. „Wir wäre es mit einem Aperol Spritz“, fragt die einstige Bundestagsabgeordnete Christel Humme schelmisch.

Die besten Frikadellen gibt’s unter der Markise

Die besten Frikadellen des Abends müssen noch erwähnt werden! Wer genau hinguckt, sieht: An jedem der 70 Tische sitzt jemand, der Bouletten eingepackt hatte. Besonders gut schmecken sie aber am Tisch vor dem Modegeschäft „by S“ von Susanne Trösken. Eine ganze Hausgemeinschaft hat sich hier unter der Markise versammelt.

Im Hintergrund erklingt Akkordeonmusik, spielt wenige Meter eine Band und dazu wandert der „Ruhrpiper“, Björn Frauendienst mit seinem Dudelsack, von Tisch zu Tisch. In der Abendsonne dürfen Kinder bei Alina Trappmann als „Frau Sonnenschein“ Riesenseifenblasen zaubern und die Erwachsenen sich von sechs Mitgliedern des Magischen Zirkels überraschen lassen. Nach dem Regen ist die Stimmung besonders schön. Der Dortmunder Zauberer Peter Liskamm ist zum ersten Mal bei der Tafelmusik dabei. Er blickt zufrieden die Ruhrstraße hinunter. „Ein sehr aufgeschlossenes und angenehmes Publikum“, bilanziert er. Das hat selbst einen alten Magier verblüfft.

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