Extrem-Hitze

So wappnet sich Witten gegen die hohen Temperaturen

Bajan (6) sucht Abkühlung in den Wasserspielen am Berliner Platz.

Bajan (6) sucht Abkühlung in den Wasserspielen am Berliner Platz.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Wasserspiele, schattige Plätze und Ventilatoren stehen bei diesen tropischen Temperaturen hoch im Kurs. Trotzdem schwitzen viele Wittener.

Sie tragen die perfekte Kleidung für dieses Wetter: schicke Strohhüte, Sonnenbrillen, luftiges Hemd und Trägerkleid. Sabine und Werner Wagener haben es sich in ihrer Lieblingsecke draußen im Café Extrablatt gemütlich gemacht. „Hier sitzen wir im Schatten und es weht immer eine leichte Brise an dieser Stelle“, sagt die 65-jährige Wittenerin. Die angekündigte Hitze mit Temperaturen bis zu 40 Grad schreckt sie nicht. Und das liegt nicht nur an den kühlen Getränken auf dem Tisch

Denn die Wageners haben auch ein paar Tipps auf Lager, wie sie ihre Wohnung in der City schön kühl halten. „Nachts die Fenster öffnen und sie tagsüber geschlossen halten.“ Aber das ist längst nicht alles. „Wir haben Hitzeschutzfolie auf unsere Scheiben kleben lassen, das reduziert die Wärme um bis zu 30 Prozent“, sagt Werner Wagener (63). Dazu noch thermobeschichtete Rollos – kein Wunder, dass das Paar derart entspannt wirkt. Damit dieser Zustand erhalten bleibt, denken die beiden sogar noch über die Anschaffung einer Klimaanlage nach. Mit der Entscheidung sollten sie besser nicht mehr allzu lange warten.

Sonst heißt es „ausverkauft“ – wie bei den Ventilatoren des Elektrofachgroßhandels „Yesss“ im Wullener Feld. Mobile Klimageräte seien jedoch noch auf Lager, so die Firma. Gute Nachrichten von Euronics Kutsch an der Ruhrstraße: „Wir haben heute Morgen Nachschub bekommen und sind im Moment mit Ventilatoren gut bestückt“, sagt Peter Brors. Es gibt sie als kleines Tisch-, größeres Standmodell oder in Säulenform. Brors: „Aufgrund der Hitze im vergangenen Jahr sind wir besser auf die Situation vorbereitet.“

Das alles nützt Michael Schöppinger im Job herzlich wenig. Er sitzt auf dem Kornmarkt in seinem Taxi und wartet auf Kundschaft. Alle Fenster des Wagens sind geöffnet. Doch die Sonne knallt, der Schweiß rinnt, kein Schatten weit und breit. „Was sollen wir machen, das müssen wir halt ertragen“, sagt der 56-Jährige. „Wir dürfen hier ja nicht mit laufendem Motor stehen.“ Auch beim Losfahren komme die Klimaanlage nur langsam auf Touren. Transportiert er wenigstens reichlich Wasser im Kofferraum? Schöppinger hält eine Halb-Liter-Flasche hoch. Das reiche ihm.

In der Mittagshitze auf der Baustelle arbeiten

Nicht nur für Rilind und Carlos wäre das viel zu wenig. Die beiden malochen an der Obergasse, wo die Telekom Kabel verlegen lässt. Mittags gegen zwölf liegt der Straßenabschnitt, den sie gerade aufbohren, noch im Schatten. „Wenn in ein bis zwei Stunden die Sonne rumkommt, wird es heftig“, sagt Rilind. Das T-Shirt bleibt trotzdem an. Er grinst: „Wir sind ja hier mitten in der Stadt.“ Dafür werden er und seine Kollegen mehr Wasser trinken. Wenn sie Glück haben, gibt der Chef vielleicht sogar hitzefrei.

So jedenfalls handhabt es die Dachdeckerei Dürscheidt an der Crengeldanzstraße bei extremen Temperaturen. Eine große Lieferung Wasser sei zwar schon bestellt. „Aber ab Mittag sind die Jungs fertig“, heißt es aus dem Betrieb. Am schlimmsten sei es auf Flachdächern. „Da zu arbeiten, das kann man ja von keinem verlangen.“ Und schließlich: Auch das Material mache irgendwann schlapp.

Sabine und Werner Wagener, die Cafébesucher, haben ihren Durst inzwischen mit Ginger-Limonade gelöscht. Bei aller Entspanntheit ist ihnen eines ganz wichtig. Sie hoffen, dass die Hitze und die Fridays-for-Future-Bewegung dazu führen, „dass die Menschen aufhören, die Klimakatastrophe zu leugnen“.

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