Wohnungskonzern

Vor Vonovia-Hauptversammlung: Mieter fordern Miet-Senkungen

Knut Unger vom Mieterbund erläutert die Sachlage beim Bürgerprotest gegen die Mietpolitik des Immobilienkonzerns  Vonovia. Die Bauarbeiten an der Schulze-Delitzsch-Straße und der Raifeisenstraße sind abgeschlossen, nun folgten die Mieterhöhungen.

Knut Unger vom Mieterbund erläutert die Sachlage beim Bürgerprotest gegen die Mietpolitik des Immobilienkonzerns Vonovia. Die Bauarbeiten an der Schulze-Delitzsch-Straße und der Raifeisenstraße sind abgeschlossen, nun folgten die Mieterhöhungen.

Foto: Jürgen Theobald

Witten.   Nach umstrittenen Modernisierungen von Vonovia-Häusern folgten saftige Mieterhöhungen. Vor der Hauptversammlung des Konzerns protestieren Mieter.

Regelmäßig zieht der Wittener Mieterverein gegen den Wohnungskonzern Vonovia zu Felde. Auch am Mittwoch protestierten Anwohner und Verein vor den Mietshäusern an der Schulze-Delitzsch-Straße. Das war kein Zufall, denn am Donnerstag findet in Bochum die Hauptversammlung des größten deutschen Immobilienkonzerns statt. In einem offenen Brief an Vonovia-Chef Rolf Buch fordern die Bewohner aus Heven: „Reduzieren Sie die Mieterhöhungen!“

Zur Verstärkung hat der Mieterverein Gäste mitgebracht: Vonovia-Mieter aus Darmstadt oder Frankfurt, die allesamt die gleichen Vorwürfe erheben. Durch Modernisierungen treibe der Konzern die Mieten bewusst in die Höhe und refinanziere so sogar die Umbauarbeiten.

Von Mieten über zehn Euro pro Quadratmeter berichtet ein Frankfurter. Er wie auch der Wittener Vorsitzende des Mietervereins, Knut Unger, besitzen je eine Vonovia-Aktie. „Das ermöglicht uns ein Rederecht bei der Hauptversammlung“, so Unger. Davon wolle er am Donnerstag in Bochum auch Gebrauch machen.

Wohnen im Original-Bad von 1964

Was der Mieterschütze geißelt, hat Renate Mühlhaus erlebt. Die 86-Jährige sitzt auf ihrem Rollator am Rande der Protestaktion, das frisch gedämmte und in Blautönen gestrichene Mietshaus im Hintergrund. Im September 1964 ist sie mit Mann und zwei kleinen Söhnen in die damals neue Wohnung an der Schulze-Delitzsch-Straße eingezogen. In all dieser Zeit sei nicht eine Modernisierung erfolgt. Ihr Bad oder die Heizkörper seien heute noch so, wie die Rheinisch-Westfälische Wohnstätten AG es damals für die Mitarbeiter der Edelstahlwerke bauen ließ.

Froh über neue Fenster und Türen

Nach Angaben von Renate Mühlhaus tat sich erst was, als Vonovia – nach Viterra und Deutsche Annington – das Mietshaus übernahm. Sie war froh darum. Die alten rissigen Fenster sind verschwunden. Haus-, Balkon- und , Korridortür seien neu und abschließbar. Der Balkon wurde deutlich vergrößert. „Das, was sie gemacht haben, haben sie gut gemacht.“ Die Hevenerin will in ihrer Wohnung und bei den hilfsbereiten Nachbarn bis zum Ende ihrer Tage bleiben. Aber ob das geht?

Nach anderthalb Jahren Bauzeit sind die Instandmodernisierungen abgeschlossen. Vonovia hat die Mieterhöhungen verschickt. 556,88 Euro zahlt die 86-Jährige für ihre 62-m²-Wohnung zurzeit. „Das ist weit mehr als die Hälfte meiner Rente“, sagt Renate Mühlhaus. „Ich muss mich finanziell schon sehr einschränken.“ In mehreren Schritten sei die Miete erhöht worden.

Grundmiete stieg von 5,30 auf bis zu 7,40 Euro/m²

Laut dem Mieterrat Heven, in dem sich Bewohner der Schulze-Delitzsch- und der Raiffeisenstraße engagieren, stieg die Grundmiete von 5,30 auf bis zu 7,40 Euro/m². Das seien 48 Prozent und liege 35 Prozent über einer Vergleichsmiete im Wittener Mietspiegel. Mit dem Mieterverein habe man „lange und hartnäckig verhandelt“, damit auf soziale Härtefälle Rücksicht genommen werde. Rentnerin Renate Mühlhaus hat von diesen Zusicherungen der Vonovia nicht profitiert. Sie sagt resigniert: „Ach, wir sind ja noch vom alten Schlag, da ist man das Sparen gewöhnt.“

>> Mieter kritisieren Baumängel

Die Mieter kritisieren auch etliche Baumängel. Roswitha Schüler (56), deren Miete um 129 Euro gestiegen ist, nennt die neuen Haustüren. Sie seien so eingebaut worden, dass sie den Weg versperren, um ein Fahrrad in den Keller zu tragen.

Durch Dämmung seien Balkone verkleinert worden – was an der Miethöhe nichts ändere.

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