Coronavirus

Witten: Ausflügler starten mit dem Rad statt dem Bollerwagen

Am Himmelfahrtstag war in Witten trotz Corona viel los. Zahlreiche Radfahrer und Spaziergänger waren an der Ruhr unterwegs. Auf der Lakebrücke konnte es da schon mal eng werden.

Am Himmelfahrtstag war in Witten trotz Corona viel los. Zahlreiche Radfahrer und Spaziergänger waren an der Ruhr unterwegs. Auf der Lakebrücke konnte es da schon mal eng werden.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Am Vatertag war einiges los in Witten, viele Bollerwagentouren sind aber offenbar ausgefallen. Doch nicht alle ließen sich den Kontakt verbieten.

Sommer, Sonne, Vatertag – traditionell ziehen da Männer zuhauf durch die Stadt, bepackt mit Bollerwagen und Bier. Trotz Corona war auch in diesem Jahr am Hohenstein, an der Ruhr und in der Innenstadt viel los. Aber viele Männergruppen? Fehlanzeige. Fast überall tummelten sich nur Familien, die das sommerliche Wetter für eine Fahrradtour oder einen Spaziergang nutzten.

Zu einem Vatertags-Ausflug mal anders sind John und Michael aufgebrochen. Eigentlich ziehen sie am Vatertag traditionell mit zehn Freunden und einem Bollerwagen los, doch wegen der Kontaktbeschränkungen sind sie heute nur zu zweit unterwegs – und nur mit Rucksack. Ihre typische Marschroute durchs Muttental nach Herbede legen sie trotzdem zurück. „Normalerweise endet unsere Tour dann abends auf dem Herbeder Feuerwehrfest. Da trifft man dann auch noch alle anderen“, sagt John. Dieses Jahr gibt’s das nicht, doch die gute Laune lassen sich die beiden trotzdem nicht nehmen und genießen ihr mitgebrachtes Bier auf einer Bank im Muttental.

„Die meisten Leute halten sich an die Abstandsregeln“

Viele andere Männergruppen haben auch die beiden nicht gesehen, aber dafür jede Menge Fahrradfahrer. Ihr Eindruck: „Die meisten Leute halten sich an die Abstandsregeln.“ Das ist Michael besonders wichtig, denn er möchte Anfang Juli heiraten: „Wenn sich jetzt alle daranhalten, können wir hoffentlich mit vielen Leute feiern.“

Doch nicht alle wollten sich von Corona einschränken lassen: Ein Stück weiter im Garten vom Bethaus der Bergleute sitzt eine Zehner-Gruppe – ohne Abstand, aber dafür mit umso mehr Bier auf dem Tisch. „Es gibt Traditionen, die bricht man nicht, auch nicht in Corona-Zeiten“, sagt Torsten. Er ist mit seinen Freunden seit 11 Uhr unterwegs. Sie kommen aus Wattenscheid, aus Wengern, aus Buchholz und Rüdinghausen. In eine Kontrolle von Ordnungsamt oder Polizei sind sie nicht geraten. Die Situation scheinen sie locker zu nehmen: „Wir desinfizieren uns ja – und zwar hiermit“, sagt Bernd lachend und zeigt auf eine Schnapsflasche.

„Ich ziehe meinen Hut vor den Leuten“

Auch an der Ruhr ist einiges los, doch die Familienausflügler toppen in diesem Jahr den üblichen Vatertags-Brauch. Das beobachtet auch ein Mitarbeiter im alten Herbeder Zollhaus an der Lakebrücke: „In den letzten Jahren hat man hier zum Teil alle hundert Meter eine Gruppe mit Bollerwagen gesehen. Heute war es erst eine.“ Auch er sieht stattdessen mehr Familien – und die halten sich meistens an die Regeln: „Ich ziehe wirklich meinen Hut vor den Leuten, dass sie sich bei uns so gut verhalten und alles mitmachen.“

Im Biergarten neben dem Schleusenwärterhäuschen sitzt dann doch noch eine kleine Männergruppe. Die vier waren eigentlich jeweils zu zweit unterwegs und haben sich hier zufällig getroffen. Sie sind von Holzwickede und Dortmund mit dem Fahrrad gekommen – „mit E-Bikes, versteht sich“. Abstandsregeln einzuhalten, sei heute gar nicht so leicht: „Die meisten Leute versuchen schon, sich daran zu halten, aber auf den vollen Fahrradwegen geht das kaum“, sagt David.

Traditionelle Bollerwagen-Touren haben die vier auch in den letzten Jahren nicht gemacht, aber Zeit verbringen sie an diesem Tag dennoch gerne zusammen. Volker sagt: „Ich bin Vater von vier Kindern, die sind alle schon erwachsen. Da habe ich mir den Vatertag verdient.“

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