Feuerwehr

Witten: Ein Täter hinter Stinkbomben in Behörden vermutet

Die Wittener Feuerwehr rückte nach Bekanntwerden des Buttersäure-Anschlags an. Die Flüssigkeit war laut Polizei in einer Fahrstuhlkabine des Wittener Rathauses verschüttet worden.

Die Wittener Feuerwehr rückte nach Bekanntwerden des Buttersäure-Anschlags an. Die Flüssigkeit war laut Polizei in einer Fahrstuhlkabine des Wittener Rathauses verschüttet worden.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  In Witten ist am Montag (9.12.) ein Doppelanschlag mit Buttersäure verübt worden. Neben dem Rathaus war diesmal auch das Amtsgericht betroffen.

Sieben Wochen nach einer Attacke mit Buttersäure ist das Wittener Rathaus am Montag (9.12.) erneut wegen eines üblen Geruchs geräumt worden. Gut zwanzig Minuten später gab es einen zweiten Anschlag, diesmal im Amtsgericht. Beide Gebäude wurden evakuiert und der Dienst für beendet erklärt. Laut Polizei ist in beiden Fällen Buttersäure im Fahrstuhl ausgekippt worden.

Wittener Feuerwehr neutralisiert Gestank im Fahrstuhl mit Korn und Cola

Im Amtsgericht wurde ein „starker fauliger Geruch“ zuerst in den Fluren und im Eingangsbereich des Neubaus festgestellt. „Es hat bestialisch gestunken“, sagt Marcel Bosse, stellvertretender Direktor der Justizbehörde. Allerdings habe man das in den Büros nicht so bemerkt. Der Alarm kam laut Feuerwehr um 11.58 Uhr. Um 12.16 Uhr wurde das Gebäude komplett evakuiert.

Zum Glück hätten an diesem Tag keine Verhandlungen stattgefunden, so der Amtsgerichts-Vize. Die etwa 25 bis 30 Mitarbeiter konnten nach Hause gehen. Zwei Frauen klagten über Unwohlsein, mussten aber nicht ins Krankenhaus. „Drei Kräfte sind jedoch per Handy erreichbar, falls es Eilfälle gibt“, sagt Marcel Bosse. Publikum sei nicht vor Ort gewesen.

Wittener Feuerwehr: Doppel-Attacke war mit Sicherheit kein Zufall

Im Gericht schnitten die Einsatzkräfte kurzerhand den Teppichboden im Fahrstuhl heraus. Sie neutralisierten den Gestank mit Korn und Cola. „Das hilft am schnellsten“, sagt Feuerwehrchef Mario Rosenkranz. Der Alkoholgeruch würde ja bald verfliegen. Er halte es „mit Sicherheit nicht für einen Zufall“, dass hintereinander Rathaus und Amtsgericht Ziel einer Buttersäure-Attacke waren.

Das Rathaus war bereits um 11.36 Uhr geräumt worden. Nach dem jüngsten Anschlag am 16. Oktober, bei dem Buttersäure auf der Freitreppe vor den Sitzungssälen verschüttet worden war, hatten die knapp 200 Beschäftigten diesmal schon Routine. Nachdem eine entsprechende Warnmeldung auf die Computer gespielt worden war, verließen die Mitarbeiter mitsamt ihren Jacken und Taschen das Gebäude. Auch Menschen, die vor der Bürgerberatung anstanden, sahen zu, schnellstmöglich aus dem Gebäude zu kommen.

Zu diesem Zeitpunkt habe es bereits bestialisch gestunken, sagt eine Mitarbeiterin im Rathaus, noch stärker als beim letzten Mal. „Augen und Mund zu und schnell durch“, beschreibt die Frau den schlimmen Moment, als sie durchs Erdgeschoss zur Eingangstür hetzte. „Es riecht nach einer Mischung aus ranziger Butter und Erbrochenem“, so Wahlamtsleiter Michael Muhr. Als kurz die Rathaustür aufgeht und ein Feuerwehrmann das Gebäude verlässt, überfliegt die Wartenden ein Schwall des unangenehmen und ätzenden Geruchs.

Flüssigkeit wurde in beiden Fällen in der Aufzugkabine verschüttet

Etwa eine halbe Stunde warten die Angestellten auf den Stufen zum Rathausplatz. Dann kommt von der Bürgermeisterin die Ansage „dienstfrei“. Beim letzten Mal hatte sich gezeigt, dass man trotz Reinigung und Lüften erst am nächsten Tag weiterarbeiten konnte. „Und zwar nur bei offenem Fenster“, so Astrid Raith von der Kommunikationsabteilung.

Die Feuerwehr war mit je zwei Fahrzeugen am Rathaus und am Amtsgericht vor Ort. Die Einsatzkräfte konnten die Gebäude nur mit Atemschutz betreten. Im Rathaus suchten sie im Bereich der Bürgerberatung nach dem „Tatort“. Relativ schnell fanden sie eine Flüssigkeit in der Kabine des Aufzugs, rechts neben dem Eingangsportal, so Feuerwehrsprecher Uli Gehrke. Zunächst wurden die Aufzugtüren geschlossen, was den Gestank deutlich abmilderte. Später wurde die Stelle unter Atemschutz gereinigt und das Gebäude gelüftet.

In Witten gab es 2019 vier Attacken mit Buttersäure

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. „Die beiden Tatorte liegen 1000 Meter auseinander. Wir gehen davon aus, dass es dieselben Täter waren“, sagt Polizeisprecher Volker Schütte.

Wer den Buttersäure-Anschlag am 16. Oktober zur frühen Mittagszeit verübt hatte, konnte bislang nicht ermittelt werden. Einen weiteren Anschlag hatte es im Februar 2019 im Hausflur zu einer Arztpraxis an der unteren Bahnhofstraße gegeben. Die Zahl der Buttersäure-Anschläge haben in den letzten Monaten ruhrgebietsweit zugenommen, so Schütte. Die kleinen Fläschchen sind für wenig Geld online oder in Apotheken erhältlich.

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