Verkehrsausschuss

Witten stellt mit neuem Radkonzept Weichen für Fahrradfahrer

Wenn die Straße schon schlecht ist, muss zumindest der Fahrer gut sichtbar sein: Ein Radfahrer befährt mit Kinderanhänger die Herbeder Straße in Richtung Bahnhofstraße.

Wenn die Straße schon schlecht ist, muss zumindest der Fahrer gut sichtbar sein: Ein Radfahrer befährt mit Kinderanhänger die Herbeder Straße in Richtung Bahnhofstraße.

Foto: foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.   Wittens Verkehrsausschuss hat das neue Radkonzept verabschiedet. Der Dank an die Planer war groß. Tenor: Das Konzept sei wegweisend für Witten.

Kritikern geht das neue Radverkehrskonzept noch nicht weit genug. Doch grundsätzlich ist sich der Verkehrsausschuss einig: Die Planer haben sehr gute Arbeit geleistet und mit 400 Einzelmaßnahmen beschrieben, wie Witten attraktiver und sicherer für Fahrradfahrer werden kann. Momentan machen sie nur fünf Prozent der Verkehrsteilnehmer aus. Das soll sich ändern.

Selbst die sonst vieles ablehnende Linkspartei ist voll des Lobes. Fraktionschefin Ulla Weiß: „Für Witten ist es ein großer Sprung.“ Claus Humbert (SPD) zeigt sich „zutiefst dankbar“. Das Konzept enthalte viele Punkte, „die ordentlich nach vorne weisen“. Schon jetzt sei nicht alles schlecht, sagt der Pfarrer. Seitdem er vor 34 Jahren nach Witten gekommen sei, „hat sich viel getan“. Aber die 4- im letzten Fahrradklimatest zeigt, dass noch viel zu tun ist.

Bunte Linien bedeuten Handlungsbedarf

„Viele bunte Linien bedeuten Handlungsbedarf“, sagt Frank Reuter vom Planungsbüro „Via“ in Köln, als er im Ausschuss etwa über das Radwegenetz in Herbede spricht. Nur grüne Linien bedeuten: alles in Ordnung. Die Zahl der bunten überwiegt, nicht nur in Herbede. Dort ist etwa ein Schutzstreifen bergauf an der Vormholzer Straße vorgesehen. Auch der Radweg entlang der Ruhr an der Herbeder Straße gilt als dringend sanierungsbedürftig. Zu eng, zu viele Schlaglöcher – dabei handelt es sich um einen wichtigen Zubringer für den Ruhrtalradweg.

Reuter empfiehlt, parallel zu kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen schon jetzt mit der Planung mittel- und langfristiger Projekte zu beginnen, allein wegen der Förderanträge. Nach der Finanzierung wird auch Stadtbaurat Stefan Rommelfanger gefragt. Insgesamt sind Kosten von über 14 Millionen Euro veranschlagt, um Wittens Radwegenetz vor allem durch mehr markierte Wege sicherer zu machen.

400.000 Euro sind im Haushalt für zwei Jahre veranschlagt

Für dieses und nächstes Jahr stehen jeweils rund 200.000 Euro zur Verfügung. Rommelfanger hofft auf einen vielleicht höheren Betrag, wenn der neue Haushalt aufgestellt und konkrete Maßnahmen hineingeschrieben werden. Fördermittel gibt etwa das Bundesumweltministerium. Politik und Fahrradlobby drängen bei hohem Handlungsdruck auf kurzfristige Umsetzung. Dazu zählen das Stück zwischen Gasstraße und Ruhrdeich entlang der Ruhrstraße. Gerade der scharfe Abzweig für Autofahrer in den Mühlengraben ist für querende Radfahrer gefährlich. Sie sollen über eine Fußgängerfurt und neben der Straße zur Kreuzung nach Bommern geführt werden. Hohe Priorität wird auch Stellplätzen eingeräumt. Überdachtes Fahrradparken soll schon bald am Hauptbahnhof und in Annen-Nord möglich sein. Ein Radbeauftragter soll sich um alles kümmern. Der Ausschuss hat das Konzept mit großer Mehrheit verabschiedet.

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