Europawahl

Wittener (23) lässt Postkarten für Europa schreiben

Matthias Schwalm hat für seine Kampagne den „Volker“-Preis erhalten.   

Matthias Schwalm hat für seine Kampagne den „Volker“-Preis erhalten.   

Foto: Artikel 1

Witten.   Matthias Schwalm wurde im Schloss Bellevue für seine Kampagne „Europäische GeDanken“ geehrt. Das Ziel: Ein Generationenaustausch über Europa.

Sein Opa: alles andere als ein überzeugter Europäer. Trotzdem hat sein Enkel mit ihm über den Kontinent gesprochen. „Und dieser Austausch hat mich sehr vorangebracht“, sagt Matthias Schwalm (23).

Während der Großvater in der Hitlerjugend „sozialisiert“ wurde und die anderen europäischen Völker lange als Feinde angesehen hat, sind sie für den Enkel in Frieden lebende Freunde. „Was für uns selbstverständlich ist, war es für unsere Großeltern sicher nicht“, sagt Schwalm – und wünscht sich, dass auch andere Menschen in seinem Alter den Austausch mit anderen Generationen über Europa suchen würden. Ein Wunsch, den auch seine Kampagne „Europäische GeDanken“ zum Ziel hat.

Der Wittener Student hat die Kampagne bei einer Sommerakademie der Studienstiftung des deutschen Volkes mit entwickelt. Mit drei anderen Studierenden brachte er sie dann beim Kreativwettbewerb „Volker – für Demokratie-Kommunikation“ ins Rennen – und sie gewannen. Es folgten eine Einladung ins Schloss Bellevue und die Teilnahme an einer Diskussionsrunde mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Zukunft der EU. „Als kleiner Wittener Student durch die Schlosshallen zu laufen, war natürlich ein beeindruckendes Gefühl“, erinnert sich Schwalm an das besondere Erlebnis am letzten Dienstag.

Mehr als eine hohe Wahlbeteiligung

Aber wie will die Kampagne den Austausch zwischen Jung und Alt genau voranbringen? Die Studenten kooperieren mit der Initiative „Artikel 1“, die seit Mitte März bundesweit Postkarten in Umlauf bringt. Die Teilnehmer der Aktion sollen sich dann mit einer Person einer anderen Generation – Nachbar, Eltern oder Lehrer – über Europa austauschen und ihre Erfahrungen auf der Postkarte festhalten. Wer das nicht per Postkarte tun möchte, kann seine Geschichte auch online einsenden (siehe Infobox). Eine Auswahl der eingesendeten „Europäischen GeDanken“ werden dann unter dem Hashtag #DankeFuerEuropa online veröffentlicht.

„Es gibt ja derzeit sehr viele Kampagnen, die versuchen, die Wahlbeteiligung bei der Europawahl am 26. Mai anzukurbeln“, sagt Ideengeber Matthias Schwalm. „Aber das Entscheidende ist für uns nicht, dass jemand wählen geht, sondern dass man gemeinsam über Europa redet und nachdenkt.“ Und das möglichst konstruktiv.

„Die EU hat viele Mängel“

Denn Schwalm, der derzeit seine Bachelor-Arbeit über die Digitalisierung in der EU schreibt, geht es auch nicht darum, möglichst viele Lobreden über die vielen Vorzüge Europas zu erhalten. „Proeuropäisch zu sein, heißt ja noch nicht, dass man alles unterstützt, was die EU macht“, findet der Politik-, Philosophie-, und Ökonomik-Student.

Ergebnisse aus dem Generationenaustausch, die einerseits die Freizügigkeit innerhalb Europas loben, anderseits aber kritisieren, wie die EU bei der Klimapolitik stockt, findet Matthias Schwalm deshalb besonders wertvoll. „Die EU ist eine politische Konstruktion mit vielen Mängeln. Aber Europa, das sind vor allem die Menschen. Wenn Menschen zusammenkommen, ist das immer eine schöne Sache.“

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