Millionengeschäft

Dieselskandal: Wittener Firma darf nun VW-Autos nachrüsten

Baumot-Vorstandsmitglied Stefan Beinkämpen zeigt das in einen Passat eingebaute Nachrüstsystem für die Abgasreinigung von Dieselfahrzeugen. Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Baumot-Vorstandsmitglied Stefan Beinkämpen zeigt das in einen Passat eingebaute Nachrüstsystem für die Abgasreinigung von Dieselfahrzeugen. Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Für die Firma Baumot aus Witten soll es ein Millionengeschäft werden. Es hat grünes Licht vom Bund für sein Diesel-Nachrüstsystem BNOx bekommen.

Grünes Licht für den Dieselfilter aus Witten: Der Abgas-Spezialist Baumot hat als erstes deutsches Unternehmen die Zulassung des Kraftfahrtbundesamtes bekommen, sein Nachrüstsystem „BNOx“ serienmäßig in über 60 Modelle des VW-Konzerns einzubauen. Damit soll der schädliche Ausstoß von Stickoxiden deutlich gesenkt werden. Am Freitag (23.8.) will Baumot bei der Zulassungsstelle in Witten-Herbede das erste „BNOx“-System in einem Passat eintragen lassen.

Baumot-Vorstand Stefan Beinkämpen spricht von einem „Meilenstein“ für die Firma, die einst schon den Euro-4-Filter „Twintec“ entwickelt hat und in Annen forscht. Jetzt geht es um Euro-5-Dieselfahrzeuge mit einem zu hohen Stickoxid-Ausstoß, laut Beinkämpen sechs Millionen Wagen bundesweit, davon 1,3 Millionen aus Städten wie Bochum oder Düsseldorf, wo wegen einer Überschreitung der Grenzwerte Fahrverbote drohen könnten.

Trotz Software-Update droht Dieselfahrzeugen nach VW-Abgasskandal ein Fahrverbot

Bei den betroffenen Wagen kann es sich durchaus um Dieselfahrzeuge handeln, bei denen nach dem VW-Abgasskandal schon ein Software-Update erfolgt ist, die aber ohne Hardware-Nachrüstung trotzdem von einem Fahrverbot betroffen wären. Mit dem gut 3000 Euro teuren System, zu dem ein Katalysator gehört, werde der Grenzwert von 270 Milligramm pro Kilometer unterschritten, sagt Beinkämpen. „Das ist die magische Grenze. Darüber wäre man von Fahrverboten betroffen.“

Die Zulassung bedeutet für Baumot, sein System jetzt in Serie verkaufen zu dürfen. „Eine absolute Erfolgsmeldung“, sagt der 48-jährige Technikchef. Mit dem Vertrieb soll im Herbst gestartet werden. „Wir liefern an ausgewählte Fachwerkstätten, in denen sich der Halter das System einbauen lässt.“ Das Unternehmen peilt einen Umsatz von 170 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren an.

Katalysator soll auch in rund 60 Modelle von Mercedes eingebaut werden

Nicht nur VW, sondern auch Fahrzeuge von Daimler sollen mit dem Abgasreinigungssystem demnächst nachgerüstet werden, ebenfalls Handwerkerautos wie der Sprinter von Mercedes. Bei dem Hersteller mit dem Stern hat Baumot ebenfalls rund 60 Modelle im Blick, für die noch eine Zulassung beim Kraftfahrtbundesamt beantragt wird.

Baumot könnte nach eigenen Angaben in den nächsten drei Jahren allein knapp 140.000 Fahrzeuge von VW und Daimler mit dem Abgasreiniger nachrüsten. Damit lasse sich der Stickoxid-Ausstoß um bis zu 90 Prozent verringern. In einem BNOx-Generator wird die Wasser-Harnstoff-Mischung „AdBlue“ erhitzt und sie verdampft, um die Stickoxide zu reduzieren. Die Abgasreinigung setzt nicht erst dann ein, wenn der Motor warm ist, sondern bereits vom ersten Kilometer an. Technikchef Stefan Beinkämpen: „Wir haben beim TÜV nachgewiesen, dass es funktioniert.“

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