Europawahl

Wittener Jugendliche stimmen für Europa

Der Wahlvorstand im Ruhr-Gymnasium: Gesa, Alina und Aurora übergaben die Stimmzettel auch an die Lehrer Hannah Herz und Nils Ferkinghoff. Die ganze Schule durfte abstimmen – nur die Erprobungsstufe nicht.

Der Wahlvorstand im Ruhr-Gymnasium: Gesa, Alina und Aurora übergaben die Stimmzettel auch an die Lehrer Hannah Herz und Nils Ferkinghoff. Die ganze Schule durfte abstimmen – nur die Erprobungsstufe nicht.

Foto: Jürgen Theobald

Witten.   In Witten ist die Europawahl bereits gelaufen – zumindest für die Jugendlichen. Sie konnten bei der Junior- und der U18-Wahl ihre Stimme abgeben.

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Ruhig ist es im Wahllokal in der ersten Etage des Ruhr-Gymnasiums. Fast ein bisschen andächtig reichen die drei Helferinnen die langen Stimmzettel über den Tisch und kontrollieren die Ausweise. „Das ist schon ein schönes Gefühl, hier bei der Europawahl abstimmen zu dürfen“, sagt Simon aus der 8a, nachdem er konzentriert in der Kabine sein Kreuzchen gemacht hat. „Etwas ganz Besonderes.“ Die Juniorwahl macht’s möglich.

Seit 1999 wird die Juniorwahl bundesweit zu Europawahlen, Bundestagswahlen und Landtagswahlen an weiterführenden Schulen durchgeführt. 2760 Schulen aus ganz Deutschland nehmen diesmal daran teil, eine davon ist das Ruhr-Gymnasium. Als Europa-Schule sei man da quasi in der Pflicht, so die Geschichtslehrerin Lena Schmidt, die einen Aktionstag rund um die Europawahl mitorganisiert hat. „Wir wollen die Wahl nutzen, um die Schüler für das Thema zu sensibilisieren.“

Wofür stehen die Parteien eigentlich?

Was bedeutet Europa für jeden einzelnen, welche Chancen bietet es: Auch diese Fragen wurden im Unterricht mit den Schülern erarbeitet. Die Kleineren – fünfte und sechste Klasse – dürfen noch nicht mitwählen, haben sich spielerisch mit dem Thema befasst, etwa Sagen aus europäischen Ländern gelesen. Bei den Größeren wurde es konkreter. Was kann ich wählen und wofür stehen die Parteien eigentlich? Auf großen Stelltafeln gab’s die von ihnen erarbeiteten Antworten zu lesen. „Wir haben uns informiert, was die Parteien vor allem zu den Themen Klima- und Umweltschutz, Flüchtlinge und Artikel 13, also Upload-Filtern, sagen“, erklärt Tom (14).

Die Ergebnisse waren überraschend – auch für die Älteren. „Ich hatte eigentlich gedacht, ich wähle SPD, aber hab dann gesehen, dass ich mich mit den Positionen von Grünen und Linken identifizieren kann“, sagt Alina aus der 10. Klasse, die auch als Wahlhelferin mitarbeitet. Die Juniorwahlen findet sie ganz wichtig: „Das ist wie ein Probelauf für später – und wir verschaffen uns damit ja auch eine Stimme.“ Schließlich würden die Ergebnisse ja bundesweit veröffentlicht. „Und dann sicher auch ausgewertet. Denn wir sind ja die Zukunft.“

Interesse an der Abstimmung war überraschend groß

Wählen für Europa konnten Jugendliche gestern auch auf dem Rathausplatz. Dort hatten Jugendring und Ring politischer Jugend Witten – also freie Träger und die Nachwuchsorganisationen der Parteien – gemeinsam zur U18-Wahl aufgerufen. Wie bei der Juniorwahl werden auch bei dieser Initiative des Bundesjugendrings Kinder und Jugendliche dazu angeregt, sich eine politische Meinung zu bilden und sich zu beteiligen.

Das Interesse an der Abstimmung war überraschend groß. „Zuerst waren wir skeptisch“, gibt Mitorganisator Nils Luerweg zu. Aber nach Schulschluss sei richtig viel los gewesen. „Und jetzt, nach drei Stunden, haben wir schon rund 200 Stimmen gesammelt.“ Das Ziel sei, dass die Jugendlichen darüber nachdenken, in welchem Europa sie eigentlich leben wollen. „Und ich glaube, das haben wir bei einigen erreicht.“ Viele hätten nach der Wahl noch lange auf dem Rathausplatz diskutiert, manche über den langen Wahlzettel gestaunt. „Und Ablehnung gab es, wenn überhaupt, dann nur von einigen Eltern.“

Aber zwei Wahlen von unterschiedlichen Organisationen – bringt das was? „Wahlen sind wichtig für die Demokratie, durch sie wird der demokratische Gedanke fest verankert“, hält Ann-Kathrin Hegger (18) vom Jugendring dagegen. Und wenn diese Aktionen das Interesse für die Wahlen weckten, „dann ist es völlig egal, ob es ein oder zwei Veranstalter sind“.

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