Gastronomie

Wittener Kneipe „Zum Alten Fritz“ darf weitermachen

Servieren syrisches Essen in urdeutschem Ambiente: (v.l.) Simone Germer, Susanne Fuchs, Ali Deghan und Saad Doraji von der Wittener Gaststätte „Zum Alten Fritz“. Die Wabe qualifiziert dort Arbeitslose und Flüchtlinge.

Servieren syrisches Essen in urdeutschem Ambiente: (v.l.) Simone Germer, Susanne Fuchs, Ali Deghan und Saad Doraji von der Wittener Gaststätte „Zum Alten Fritz“. Die Wabe qualifiziert dort Arbeitslose und Flüchtlinge.

Foto: Jürgen Theobald

  Die von Flüchtlingen und Arbeitslosen betriebene Kneipe „Zum Alten Fritz“ an der Wittener Augustastraße rechnet sich nicht. Doch es geht weiter.

Die Kneipe „Alter Fritz“ darf weitermachen. Die Beschäftigungsgesellschaft Wabe betreibt das urdeutsch wirkende Ecklokal an der Augustastraße 26, um Flüchtlingen und Langzeitarbeitslosen eine Perspektive zu bieten. Das Projekt rechnet sich zwar nicht. Doch weil der Fritz in letzter Zeit immer mehr Fans gefunden hat, muss er nun doch noch nicht abdanken.

Die Wabe hatte im Februar erklärt, dass das Beschäftigungsprojekt finanziell nicht tragfähig sei. Öffentliche Gelder liefen aus, die Kneipe erwirtschafte zu wenig Erlös, die Räume müssten renoviert werden. 40.000 Euro, hat Wabe-Chef Thomas Strauch ausgerechnet, würde allein die Modernisierung der Küchentechnik kosten.


Ein Beispiel: „Der Kühlraum für gezapftes Bier befindet sich im Keller und wird 24 Stunden täglich mit einer Technik aus dem letzten Jahrhundert betrieben. Sie glauben nicht, wie hoch unsere Energiekosten sind.“ Im März und April hatte es eine Analyse der Fixkosten gegeben – und nach Bekanntwerden der Schließungspläne in unserer Zeitung etliche Hilfsangebote. Der Tenor: Fritz soll bleiben!

Portionen fallen bald kleiner aus

„Diese Hilfe wollen wir gerne annehmen“, sagt Strauch. Der Vermieter hat erneut die Miete reduziert. Im Gegenzug will die Wabe mit verschiedenen Maßnahmen Kosten senken – etwa indem man den Kühlraum abschaltet und nur auf Fasskühlung unter der Theke setzt. Auch die Portionen werden künftig etwas kleiner ausfallen. „Unsere syrischen Köche sind zu gastfreundlich. Die Gäste schaffen ihr Essen sowieso nie“, sagt Susanne Fuchs von der Wabe.

Wittener können Gutscheine kaufen

Zudem wurden Gutscheine namens „Perspektive schenken“ gedruckt, die man an der Theke kaufen kann. „Wir glauben, dass sich so der Bekanntheitsgrad des Fritz erhöhen wird“, sagt Fuchs. Denn trotz aller Sparmaßnahmen ist klar: Es müssen mehr Kunden kommen, die mehr zahlen. Der Saal wird zwar von Vereinen, Gruppen und Studenten gebucht – aber am Ende des Abends werden nur einige Getränke abgerechnet.


Ob der Fritz nun doch noch zum Erfolgsmodell wird? Manche mögen zweifeln. Es gibt keine Sitzmöglichkeiten draußen, daher ist im Juli und August geschlossen. Und die Lage ist bescheiden, die Augustastraße hat kaum Laufkundschaft. Dem Wabe-Geschäftsführer liegt das Gründerzeitviertel in der oberen Innenstadt aber am Herzen. Es könne einen Anlaufpunkt gebrauchen. Strauch: „Hier fehlt eine Quartiersidentität. Der Fritz könnte ein Teil davon sein.“

Sechs Personen bekommen dort zurzeit eine Qualifizierungschance. Es sind Langzeitarbeitslose wie Simone oder Dennis oder Flüchtlinge wie Koch Saad und seine Küchenhilfen Ali, Eshak und Beshir. Sie alle werden hier für einen „echten“ Job in der Gastronomie qualifiziert. Der vor sechs Jahren aus dem Iran geflüchtete Koch Saad Doraji richtet inzwischen so schnell und geschickt Salate oder Vorspeisenteller an, dass man ahnt: Zumindest seine Zukunft ist sicher.

>> Fast alle Flüchtlinge haben mittlerweile Arbeit

Das Projekt „Alter Fritz“ war 2017 gestartet, um Praktikumsstellen für Flüchtlinge bereitzustellen. Inzwischen sind solche öffentlich geförderten Beschäftigungsmaßnahmen ausgelaufen – der Bedarf sei nicht mehr da.

Viele der syrischen Flüchtlinge, die 2015 zeitweise in der Jahnhalle lebten, haben eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle gefunden, weiß Wabe-Chef Thomas Strauch. „Die Integration verlief sehr schnell.“ Das liege zum einen an der guten wirtschaftlichen Lage. Zum anderen hätten die Syrer „eine hohe Leistungsaffinität. Es wird schnell vergessen, wie fortschrittlich Syrien war“.

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