Kultur

Wittener „Poetry-Oma“ reimt mit Humor – und mit Erfolg

Christine Laurenz-Eickmann aus Witten. In der blauen Kladde sammelt sie unveröffentlichte Gedichte.

Christine Laurenz-Eickmann aus Witten. In der blauen Kladde sammelt sie unveröffentlichte Gedichte.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Christine Laurenz-Eickmann aus Witten ist 65 Jahre alt und reimt leidenschaftlich gern. Auch Poetry Slam hat sie schon ausprobiert – mit Erfolg.

Sie reimt leidenschaftlich gerne. „Geben Sie mir 400 Wörter und ich mache ein Gedicht daraus“, sagt Christine Laurenz-Eickmann. Seit Neuestem ist sie sogar unter die Poetry Slammer gegangen und hat schon solch einen literarischen Wettbewerb gewonnen. Das Besondere daran: Die Wittenerin ist 65 Jahre alt – und zählt damit nicht zur klassischen Studenten-Klientel dieses Genres.

Der Zufall hatte die Hand im Spiel, als Christine Laurenz-Eickmann unlängst zum ersten Mal eine Bühne betreten musste, um diese Künste unter Beweis zu stellen. Sie saß im Publikum, als Intendant Johan Simons im Bochumer Schauspielhaus das Programm vorstellte und bekanntgab: „Wir machen auch wieder Poetry Slam.“ Sie fragte: „Darf ich mitmachen?“ Und hielt plötzlich ein Mikro in der Hand.

Einen Poetry Slam in Bochum hat sie schon gewonnen

„Ich habe mir einen Ruck gegeben und mein absolutes Lieblingsgedicht vorgetragen.“ Offenbar lag sie mit ihrem selbst verfassten Werk „Das Alte macht dem neuen Platz“ goldrichtig. Denn sie erhielt nicht nur Applaus, sondern auch eine Einladung ins Riff, die Eventhalle im Bochumer Bermudadreieck. Dort moderierte der bekannte Slampoet „Sebastian 23“ Anfang September eine Veranstaltung.

Natürlich fuhr Christine Laurenz-Eickmann hin. Mit acht anderen Kandidaten trat sie um die Wette auf. Dass sie tatsächlich gewonnen hat, kann sie bis heute kaum fassen: „Ich war ja da die Oma.“ Sie staunt, dass die junge Generation so positiv auf ihre Gedichte reagiert hat. Denn von anderen habe sie schon häufiger zu hören bekommen, dass Reimen altmodisch sei. Der Gipfel solcher Sprüche: „Wer heute wie Goethe schreibt, macht sich lächerlich.“ Wobei sie sich ohnehin nicht auf eine Stufe stellen würde mit bekannten Dichtern.

Mit Slampoet „Sebastian 23“ ist die Wittenerin auf Du und Du

Gewonnen hat sie in Bochum übrigens ein Glas Honig und eine Bienenpatenschaft. „Sebastian 23 hat sich sogar eine halbe Stunde lang mit mir unterhalten, der hat mich gleich geduzt.“ Weitere Einladungen zu Poetry Slams folgten. Christine Laurenz-Eickmann nahm sie gerne an. „Ich wollte ja immer auf die Bühne.“ Geworden ist sie stattdessen Deutsch- und Französischlehrerin. Allerdings hat sie in der Schule immer gerne die Theater-AG betreut und die Stücke dafür selbst geschrieben. Und schon damals bewiesen: „Ich kann auch rappen.“

Nun, im Ruhestand, würde die Hobby-Dichterin gerne nochmal richtig durchstarten mit ihrem Talent. Sie reimt auf Anfrage auch für Hochzeiten, Geburtstage oder andere Jubiläen. Sie tritt als Duo „Wort und Klang“ gemeinsam mit Beate Telgheder am Akkordeon in Altenheimen auf. „Das sehe ich als mein soziales Engagement“, sagt sie und freut sich, wenn die Gesichter der Senioren leuchten.

Die 65-Jährige schreibt über Hühneraugen und Männerschnupfen

Neulich waren die beiden außerdem in der Buchhandlung Lehmkul zu Gast. Und regelmäßig bewirbt sich Christine Laurenz-Eickmann bei Schreibwettbewerben. „Wenn ich mal keinen Preis gewinne, dann wenigstens einen schönen Text für meine Sammlung.“ Ach ja, zwei kleine Gedichtbände von ihr sind schon erschienen.

Die 65-Jährige schreibt über das Leben, über Alltagsdinge. Immer mit einem humorvollen Augenzwinkern. Eine verlorene Brille, Hühneraugen, Männerschnupfen oder Männer beim Shoppen – das sind Themen, bei denen ihr die Reime so aufs Papier fließen. Zwei dicke Kladden, blau und gelb, füllen ihre Werke. „Alles unveröffentlicht“, sagt sie. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

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