Denkmalpflege

Wittener Rathaus-Mosaik glänzt wie anno 1954

Das Mosaik auf der Südseite des Wittener Rathauses ist fertig. Zurzeit wird das Gerüst abgebaut.

Das Mosaik auf der Südseite des Wittener Rathauses ist fertig. Zurzeit wird das Gerüst abgebaut.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Die Sanierung des Wittener Rathauses zeigt Ergebnisse: So kann man jetzt zum Beispiel das Wandmosaik mit zwei Pferden wieder bewundern.

So langsam hat sich Wittens Wahrzeichen aus der grau-gelblichen Putzschicht befreit und zeigt seine schöne Wirtschaftswunder-Seite. Seit Juli 2015 wird das Rathaus saniert. Zurzeit wird das Gerüst an der Südseite des 50er-Jahre-Gebäudes abgebaut. Ohne die Bauplanen kann man an der Ecke Rathausplatz/Ruhrstraße ein frisch restauriertes Mosaik entdecken.

Restauratorin Monika Mausolf hat in den letzten drei Wochen dem sechs Meter hohen Wandbild zu neuem Glanz verholfen. Gerade die älteren Wittener werden sich an das hohe Bild erinnern – mit zwei stilisierten Vögeln, einer Sonne, zwei Pferden und Fischen nebst Welle. Wer das Wandbild schuf, „wissen wir nicht“, sagt der städtische Bauleiter Udo Klapp. Es stammt aus dem Jahr 1954, der Zeit, als Wandmosaike und Intarsienarbeiten höchst beliebt waren.

Das Rathausmosaik ist nicht in den Putz eingearbeitet, sondern besteht aus einzelnen Platten – wer genau hinsieht, kann sogar einzelne Fugen zwischen den Platten entdecken. Solche Bausätze konnte man fertig kaufen und an der Wand zum Gesamtbild zusammensetzen, weiß Ralf Stark, Bauleiter bei der Firma Wibbeke Denkmalpflege.

Der Familienbetrieb aus Geseke nahe Soest hat sich deutschlandweit als Restaurierungswerkstatt einen Namen gemacht. Ralf Stark und seine Mitarbeiterin Monika Mausolf sind sich sicher, dass das Wittener Wandbild eine Sonderanfertigung ist: „Die Farbgebung des Waschputzes ist analog zum Mosaik“, sagt Ralf Stark. Monika Mausolf ergänzt: „Dieses Mosaik ist ein schönes Beispiel für Kunst am Bau.“

Drei Zentimeter breite Fugen

Zuletzt hatte das Wandbild sehr gelitten, einige Platten drohten abzuplatzen. Nach der Reinigung musste Monika Mausolf die meiste Zeit Schäden reparieren – bis drei Zentimeter waren manche Risse oder offene Fugen breit. Dazu stellt die 32-Jährige einen speziellen Waschputz her – unterschiedlich gekörnt oder gefärbt – und spachtelt die Löcher zu. Schlussendlich wird die Fläche noch mit Farbvertiefer behandelt. „Damit hält das Mosaik 20,30 Jahre. Man müsste es nur reinigen, wenn es mit Graffiti beschmiert wäre.“

In Polen Restaurierung studiert

Die gebürtige Polin hat in ihrer Heimat Restauration und Denkmalpflege studiert. Seit fünf Jahren arbeitet sie nun in Deutschland, vor allem restauriert sie Kirchen. Das Wittener Rathausmosaik ist dagegen eine einfache Aufgabe. Obwohl – es gibt da ja noch ein zweites.

Dieses befindet sich auf der Rückseite des Rathauses. Es ist ein Lebensbaum, der die Eingangstür zum Standesamt umrankt. Als das Standesamt in das Haus Witten verlegt wurde, wurden das Mosaik und der Schriftzug mit Speis verputzt. Jetzt wartet noch viel Arbeit auf Monika Mausolf: Zum Beispiel muss sie mit Ton Schablonen für die Buchstaben des Schriftzuges formen, um diese aus Harz neu zu gießen. Die Blüten und Ranken des Lebensbaumes werden aufpoliert – sie sind aus farbigem Kunststoff. Dass statt farbigem Glas Plastik in den Putz eingearbeitet wurde, galt damals als schick.

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