Nachhaltigkeit

Wittener Studenten bauen eigenes Gemüse an

Daniela Kürten und Lea Martensen pflügen den Acker auf dem Vöckenberg. Dort wachsen unter anderem Rote Beete, Blumenkohl und Spitzkohl.

Daniela Kürten und Lea Martensen pflügen den Acker auf dem Vöckenberg. Dort wachsen unter anderem Rote Beete, Blumenkohl und Spitzkohl.

Foto: Barbara Zabka

Die Uni Witten hat einen „Bildungsacker“ am Vöckenberg ins Leben gerufen. Was dort geerntet wird, landet in der Cafeteria – und bei Patienten.

Wittener Studenten bauen künftig am Vöckenberg an der Grenze zwischen Annen und Stockum ihren eigenen Blumenkohl an. Aus der Ernte werden Gerichte für die Cafeteria zubereitet. Mit dem neuen „Bildungsacker“ will die Uni nicht nur den eigenen Speiseplan ausgewogener gestalten, sondern auch die Heilung von Patienten beschleunigen.

Anlass für das ungewöhnliche Projekt sei die gestiegene studentische Nachfrage nach gesundem, saisonalem und regionalem Essen, so Frank Tolstorf, Leiter des Hochschulwerks, das die Cafeteria betreibt. „Nachdem wir vor einiger Zeit das vegetarische und vegane Angebot ausgeweitet haben, explodierte plötzlich die Nachfrage.“ Das habe die Universitätsführung umdenken lassen.

Kochkurse für Patienten

In Gärtnerkursen im Rahmen des „Studium Fundamentale“ können Studenten ab jetzt die Felder beackern und sich außerhalb der Seminarräume mit den Grundlagen der Agrarkultur vertraut machen. „Ich interessiere mich schon länger für das Thema Selbstversorgung und finde es spannend, mehr über den Gemüseanbau zu erfahren“, sagt Philosophie-, Politik- und Ökonomik-Studentin Anna Farfsing. „Und es tut es gut, zwischendurch beim Unkrautjäten an der frischen Luft den Kopf freizubekommen.“

Studenten und Mitarbeiter sollen auf dem Feld aber nicht nur einen Ausgleich und anschließend gesündere Mahlzeiten in der Cafeteria finden können. Seit April haben sie auch die Möglichkeit, jede Woche ein Netz mit frisch geerntetem Gemüse zu bestellen und immer freitags in der Cafeteria abzuholen.

Nachhaltigkeit ist für Uni kein Neuland

Auch die neue allgemeinmedizinische Hochschulambulanz soll von dem Projekt profitieren. Patienten will man langfristig die Möglichkeit geben, auf dem Feld zu arbeiten und in Kochkursen Gerichte aus dem Selbstangebauten zuzubereiten. „Sie können sicher auch Erfolge für ihre Gesundheit verbuchen, wenn sie mit auf dem Acker stehen und sich wieder mit dem Boden verbinden“, sagt Benjamin Greulich von der „Wittener Entwicklungsgesellschaft für ganzheitliche Bildung Annener Berg“, die den Acker mit betreut. Er befindet sich gegenüber des umstrittenen Gewerbegebiets, das am Vöckenberg entstehen soll.

Das Thema Nachhaltigkeit ist für die Uni kein Neuland. Vorgestellt wurde das Projekt anlässlich der alljährlichen „Woche der Nachhaltigkeit“, in der auch eine Kleidertausch-Party und eine Job-Messe für soziale und ökologische Berufsfelder stattfanden. Neu ist, dass die Hochschule dafür auch mit Wittener Partnern außerhalb des Campus kooperiert. Neben der Entwicklungsgesellschaft beteiligt sich der Demeter Gärtnerhof Annener Berg, der vom Institut für Waldorfpädagogik bewirtschaftet wird. „Wir haben den Anspruch, unsere Forschung konkret vor Ort wirken zu lassen“, sagt Universitätskanzler Jan Peter Nonnenkamp. Mit dem „Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung“ habe man zudem ein Institut an der Uni, das bereits viel zur ökologischen Lebensmittelversorgung forscht.

Mit dem „Bildungsacker“ möchte die Universität auch Wege finden, wie regionale Lebensmittel Einzug in anderen Betrieben oder Organisationen halten könnten. „Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen“, sagt Nonnenkamp. „Und wenn es bei uns gut klappt, könnten auch andere Unternehmen nachziehen und ähnliche Projekte umsetzen.“

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