Zusammenstoß

Zugunglück in Witten verursacht mehrere 100.000 Euro Schaden

An dieser Stelle direkt hinter den Firmengebäuden des Schrottgroßhandels Bötzel in Herbede sind zwei Güterzüge zusammengestoßen. Hier beraten gerade Mitarbeiter von Bahn und Polizei das weitere Vorgehen.

An dieser Stelle direkt hinter den Firmengebäuden des Schrottgroßhandels Bötzel in Herbede sind zwei Güterzüge zusammengestoßen. Hier beraten gerade Mitarbeiter von Bahn und Polizei das weitere Vorgehen.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  In der Nacht (20.8.) hat sich in Witten-Herbede ein Zugunglück ereignet. Auf dem Gelände von Bötzel krachten zwei Güterzüge ineinander.

In der Nacht zu Dienstag (20.8.) hat sich in Herbede ein Zugunglück ereignet. Gegen 2.30 Uhr krachten auf einer Bahnstrecke, die über das Firmengelände des Schrottgroßhändlers Bötzel an der Wittener Straße führt, bei Rangierarbeiten zwei Güterzüge ineinander. Fast direkt unter der Autobahnbrücke entgleisten mehrere Waggons. Einige standen durch die Wucht des Aufpralls senkrecht in der Luft, so meldeten es Zeugen der Polizei.

Glück im Unglück: Die beiden Lokführer - ein Bottroper (28) und ein Herner (49) - wurden nur leicht verletzt. Der Mann aus Bottrop konnte vor Ort versorgt werden, auch der Mann aus Herne konnte das Krankenhaus am selben Tag wieder verlassen. Ein Polizeihubschrauber flog noch in der Nacht das Gelände ab, um weitere Verletzte auszuschließen.

Unfallursache ist noch unklar – Strecke weiterhin gesperrt

Wie genau es zu dem Unfall kommen konnte, ist weiterhin unklar. Nach bisherigen kriminalpolizeilichen Ermittlungen stand einer der beiden Güterzüge auf den Gleisen, die über das Firmengelände führen und der Touristik-Eisenbahn-Ruhrgebiet (TER) gehören. Auch der Museumszug nutzt diese Strecke.

Der zweite Güterzug sei laut Polizei von hinten auf den letzten Hochwaggon des stehenden Zuges aufgefahren. Die Lokomotive des zweiten Zuges schob Flachwaggons vor sich her, so dass es zu einem Zusammenstoß von einem Hoch- und einem Flachwaggon kam. Warum der zweite Zug überhaupt zeitgleich auf der Strecke unterwegs war, werde mit Hilfe der sichergestellten Fahrtenschreiber weiter ermittelt, so der Bochumer Polizeisprecher Volker Schütte.

Der Schaden ist erheblich und liegt nach Schätzungen der Polizei bei mehreren 100.000 Euro. Betroffen davon ist auch der Schrottgroßhändler Bötzel, der darauf angewiesen ist, dass die eingetroffenen Waggons pünktlich be- und entladen werden können. „Unser Betrieb beginnt normalerweise erst um sechs Uhr morgens“, sagt Geschäftsführer Norbert Kintzel. Deshalb sei er in der Nacht von der Polizei über das Zugunglück informiert worden, ein Mitarbeiter sei gegen vier Uhr zu der Unfallstelle geeilt. „Solch einen Vorfall gab es hier noch nie“, so Inhaber Wilhelm Bötzel.

Bei Schrotthändler Bötzel kommt es zu Terminverschiebungen

Auf dem Privatgelände des Schrottgroßhändlers befinden sich jene Anschlussgleise ans Netz der Deutschen Bahn (DB), die Kunde von TER ist. Die DB-Mitarbeiter setzen die ankommenden oder wieder abfahrbereiten Waggons auf die Betriebs-Trasse. Sie enthalten Material, das bei Bötzel zerkleinert und dann zu Stahlwerken im ganzen Bundesgebiet transportiert wird. „Wir können den Schrott jetzt auch nicht einfach auf eine LKW-Flotte umpacken“, sagt der Bötzel-Geschäftsführer und hofft, dass die Stilllegung nicht allzu lange dauern wird.

„Ein Bergungstrupp der DB wurde beauftragt“, teilt ein TER-Sprecher mit. Er soll jene drei oder vier Waggons des zweiten Zuges, die bei dem Aufprall aus den Gleisen gesprungen sind, abtransportieren. Die Arbeiten können bis in den Abend dauern. „Wenn die Gleise nicht beschädigt sind, dann kann der Firmenbetrieb ab Mittwoch wieder normal laufen“, so der Sprecher. Der vordere Zug könne trotzdem ent- und beladen werden.

Kreisender Hubschrauber weckt Anwohner in der Nacht auf

Das Zugunglück hat einige Anwohner aufgeschreckt. Sie sind jedoch offenbar weniger von einem lauten Knall geweckt worden, als von dem Polizeihubschrauber, der über der Unfallstelle kreiste. So jedenfalls erzählt es Elke Popp (56), die gleich hinter den Gleisen an der Wittener Straße wohnt. Ihr Mann sei von dem Hubschrauberlärm aufgewacht.

Auch Jürgen Därmann, dessen Hof noch näher an der Unfallstelle liegt, hat nichts gehört. Weil auf der Strecke öfter nachts rangiert werde und schon mal Loks tuten, außerdem die Autobahn ganz nah ist, habe er sich Lärmschutzfenster einbauen lassen. Er habe nur gegen vier Uhr einmal durch Fenster gesehen und sich darüber gewundert, dass die Feuerwehr an seinem privaten Bahnübergang stand.

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