Verbraucher

Berleburger Schlachtbetrieb: 1 Cent extra für eigene Dose

Der Schlachtbetrieb Bad Berleburg berechnet seinen Kunden 1 Cent für selbst mitgebrachte Frischhalteboxen. Das Kassensystem kann nach Aussage von Mit-Geschäftsführer Sven Hartmann keinen Nullwert berechnen.

Der Schlachtbetrieb Bad Berleburg berechnet seinen Kunden 1 Cent für selbst mitgebrachte Frischhalteboxen. Das Kassensystem kann nach Aussage von Mit-Geschäftsführer Sven Hartmann keinen Nullwert berechnen.

Foto: Britta Prasse

Bad Berleburg.  Der Schlachtbetrieb Bad Berleburg berechnet Kunden ihre eigenen Behälter zum Transport der Ware. Der Geschäftsführer verweist aufs Kassensystem.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Reinhard Hof ist wütend, als er auf den Kassenbon nach seinem Einkauf beim Schlachtbetrieb Bad Berleburg schaut. 1 Cent wurde ihm dort für seine selbst mitgebrachte Plastikdose berechnet. Es gehe ihm dabei wirklich nicht um den Preis, sagt er, sondern um die Signalwirkung.

„In den Zeiten, in denen wir über Nachhaltigkeit und Plastikvermeidung reden, kann es doch nicht angehen, dass man quasi noch bestraft wird, indem man für eine selbst mitgebrachte Dose ‘draufzahlen muss“, ärgert sich Hof. Er fragt sich: Ist das überhaupt rechtlich möglich?

Grund: Dokumentationspflicht

Sven Hartmann, Mit-Geschäftsführer beim Schlachtbetrieb Bad Berleburg, erklärt, wie es zu diesem Aufpreis kommt: „Wir sind dazu verpflichtet, alles zu dokumentieren. Auch die Aufbewahrungsboxen, die über das Kassenband laufen – selbst, wenn der Kunde diese von Zuhause mitgebracht hat.“ Das Kassensystem sei so programmiert, dass es keinen Nullwert berechnen könne. Also sind die Mitarbeiter angehalten, den kleinst möglichen Betrag einzugeben: 1 Cent.

„Neben unserer Kasse liegt immer Kleingeld parat. Wenn der Kunde den Cent zurückbekommen möchte, dann bekommt er den auch zurück“, so Hartmann. Eine Umstrukturierung des Kassensystems sei laut Hartmann sehr kostspielig. „Für die zehn Kunden in der Woche, die ihre eigene Dose mitbringen, lohnt sich ein neues Warenwirtschaftssystem einfach nicht.“

Kein Recht auf eigene Behälter

Tatsächlich können laut Aussage der Verbraucherzentrale NRW Kunden nicht darauf pochen, dass eigene Behältnisse mit den von ihnen gewünschten Waren befüllt werden. Hintergrund sind strenge Hygienevorschriften bei unverpackten Lebensmitteln, um diese unter anderem vor Kontamination zu schützen.

Wenn ein Geschäft dennoch einen solchen Service anbietet, muss das Verkaufspersonal genau darauf achten, dass Messer, Zangen oder Löffel nicht mit der mitgebrachten Verpackung der Kunden in Berührung kommen. Ansonsten dürfen unverpackte Waren nicht über die Theke gereicht werden. Kunden können ihre selbst mitgebrachte Box auch auf einem Tablett auf die Theke stellen und dort befüllen lassen. Oder der Verkäufer nimmt das Tablett entgegen, packt die Ware hinter der Theke in den mitgebrachten Behälter und gibt diesen wieder zurück.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben