Bankräuber

Chronik: Die Überfälle des Birkelbacher Serienräubers

Die Überfälle, die die Staatsanwaltschaft dem Birkelbacher zuordnet, hat sie auf einer Karte markiert

Die Überfälle, die die Staatsanwaltschaft dem Birkelbacher zuordnet, hat sie auf einer Karte markiert

Erndtebrück.  In über 16 Jahren soll ein Familienvater aus Birkelbach über 20 Geschäfte und Banken überfallen haben. Die Taten in der Chronik.

Am Dienstag, 13. März, ist Birkelbach, ein Ortsteil von Erndtebrück, in Aufruhr. Bewaffnete Männer des Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei stürmen ein Haus.

Sie nehmen einen 45-jährigen Familienvater fest. Der Birkelbacher soll in 16 Jahren 20 Überfälle auf Banken und Geschäfte begangen haben. Am 2. Oktober soll ihm der Prozess gemacht werden. Die Taten in der Chronik:

2002

Freitag, 18. Oktober, Geschäft in Gießen: Den ersten Überfall begeht der mutmaßliche Bankräuber im Alter von 29 Jahren. Laut Ermittlern studierte er zu der Zeit noch Jura: „Er war in eine finanzielle Notlage geraten“, erklärt Alexander Badle (51), Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt.

2003

Donnerstag, 16. Januar, Geschäft in Altenkirchen-Kirchen: Auch bei seinem zweiten Überfall kann er keine Beute ergattern, denn das Geschäft ist noch geschlossen. Also versucht er es bei der nahegelegenen Sparkassen-Filiale.

Donnerstag, 16. Januar, Sparkasse in Altenkirchen-Kirchen: Bei seinem ersten Banküberfall soll der Birkelbacher 26 197 Euro erbeutet haben. Sparkassen-Filialen werden zu seinem primären Tatobjekt.

2004

Freitag, 14. Mai, Sparkasse in Battenberg: Besonders die Sparkasse in Battenberg, einer Kleinstadt im nordhessichen Landkreis Waldeck-Frankenberg, hat es dem damaligen Jurastudenten angetan. Insgesamt soll er die kleine FIliale ausgeraubt haben. Bei seinem ersten Überfall im Mai 2004 plündert er 31 285 Euro. Der Täter geht systematisch und akribisch vor: Er soll sich gezielt Tatobjekte im ländlichen Raum ausgesucht und darauf geachtet haben, dass die Entfernung zur nächstgelegenen Polizeiwache mindestens 10 Kilometer beträgt, erklärt die Staatsanwaltschaft heute.

2005

Mittwoch, 3. August, Sparkasse in Altenkirchen-Gebhardshain: Fast die gleiche Summe - diesmal sind es 31 510 Euro - soll der Birkelbacher ein Jahr später in einer Ortsgemeinde in Rheinland-Pfalz erbeutet haben. In der Regel raubt er eine Bank im Jahr aus. Mit der Beute finanziert er das Leben seiner Familie - bis ihm das Geld ausgeht und er wieder eine Bank überfällt. Oberstaatsanwalt Badle spricht von einem Mann, „der sich in seinem Doppelleben nach außen eine bürgerliche Existenz, eine Legende aufgebaut hat und andererseits Banküberfälle begangen hat, nicht um in Saus und Braus zu leben." Seinem Umfeld, auch seiner Familie, spielt er vor, Jurist bei einem großen Autokonzern zu sein.

2006

Freitag, 24. November, Sparkasse in Frickhofen: Der nächste Bankraub ist ein Flop. Nur 240 Euro Bargeld kann der mutmaßliche Täter aus dem Wittgensteiner Land erbeuten. Das reicht ihm nicht.

Freitag, 24. November Sparkasse in Altenkirchen-Kirchen: Noch am selben Tag sucht der Birkelbacher daher eine andere kleine Sparkassen-Filiale auf, die er bereits am 16. Januar 2003 ausgeraubt hatte. 28 895 Euro landen diesmal in seiner Tüte, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

2008

Donnerstag, 24. April 2008, Sparkasse in Lüdenscheid-Herscheid: Früh am Morgen betritt der maskierte Täter die Sparkassen-Geschäftsstelle. Es geht wieder alles unglaublich schnell. Der Mann zückt seine Schusswaffe, erpresst eine Mitarbeiterin. 5000 Euro werden in seinen Jutebeutel gestopft. Dann rennt er davon.

Freitag, 18. Juli 2008, Sparkasse in Battenberg: Im hessichen Battenberg soll der damals 35-Jährige seinen bis dato höchsten Geldbetrag in Höhe von 43 925 Euro erbeutet haben.

2010

Donnerstag, 20. Mai, Sparkasse in Beselich-Obertiefenbach: In der Gemeinde im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg ergattert der mutmaßliche Bankräuber 37 000 Euro.

2011

Donnerstag, 14. Juli, Sparkasse in Battenberg: Zum dritten Mal überfällt der Familienvater aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein laut Staatsanwaltschaft die Sparkassen-Filiale in Battenberg. 6605 Euro kann er diesmal erbeuten. Die Polizei erkennt Paralleln zum Banküberfall vom 18. Juli 2008. "Der aktuelle Täter scheint aber jünger und sehr unerfahren gewesen zu sein", sagte damals ein Polizeisprecher. Erstmals lobt deshalb die Sparkasse eine Belohnung aus: 1000 Euro erhält man, wenn man Hinweise auf den Täter geben kann.

Donnerstag, den 8. September, Sparkasse in Lahnau-Waldgirmes: Mit einem dunklen Halstuch maskiert betritt ein Mann die Bank, bedroht den Kassierer mit einer schwarzen Pistole und fordert alles an Bargeld, was in der Sparkassen-Filiale gehortet wird. Der Bankräuber lässt sich 25 280 Euro in eine beige Leinentasche stecken. Danach rennt er aus der Filiale.

2012

Donnerstag, 21. Juni, Sparkasse in Bischoffen-Niederweidbach: In der Bankfiliale im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis ergattert der Bankräuber diesmal 21 000 Euro.

Mittwoch, 3. Juli, Sparkasse in Solms-Oberbiel: Mit einer Pistole soll der damals 40-Jährige drei Angestellte bedroht haben. Dann soll er 12 700 Euro Bargeld in eine rot-weiße Rewe-Tüte gepackt haben. Eine Überwachungskamera zeichnet den Räuber in der Bank auf. Wieder trägt der dünne, zirka 1,65 Meter große Mann einen Schal sowie eine Baseball-Kappe.

Donnerstag, 12. Dezember, Sparkasse in Waldbrunn-Lahr: In der Gemeinde im Landkreis Limburg-Weilburg in Mittelhessen erbeutet ein Bankräuber 7985 Euro.

2014

Mittwoch, 30. Juli, Sparkasse in Amöneburg-Mardorf: Dutzende Polizeibeamte suchen den Mann, der die Sparkassen-Filiale in Amöneburg-Mardorf im Landkreis Marburg-Biedenkopf in Hessen um 13 200 erleichtert hat. Auch ein Hubschrauber ist im Einsatz.

2015

Donnerstag, 12. März, Sparkasse in Neuental-Zimmersrode: Wieder soll der Birkelbacher die Sparkassen-Angestellten mit einer Pistole bedroht haben. Seine Beute: 18 560 Euro. Diesmal täuscht er einen osteuropäischen Akzent vor.

Dienstag, 24. Mai, Sparkasse in Weitefeld: Bei seinem Überfall auf die Sparkasse kann der Täter keine Beute mitnehmen.

2016

Dienstag, 24. Mai, Sparkasse in Wiehl-Drabenderhöhe: Die Sparkassen-Mitarbeiter erleiden einen Schock, als ein maskierter Mann mit einer Pistole das Bargeld verlangt. Die Angestellten berichten, dass der Räuber akzentfreies Deutsch spricht, aber wohl absichtlich seine Satzstellung verdrehte. In der Rewe-Einkaufstüte, mit der der 1,65 Meter große Räuber aus der Bank stürmt, sind 81 680 Euro. Sein lukrativster Raub.

2018

Dienstag, 2. Januar, Waldecker Bank in Diemelsee-Adorf: Bei seinem letzten Überfall soll der Räuber am ersten Werktag des neuen Jahres 11 115 Euro erbeutet haben. Mit einem Schal vermummt betritt der Tätee die Filiale der Waldecker Bank in Adorf und fordert mit vorgehaltener Pistole das Bargeld. Mit einem Jutesack voll Scheinen flüchtet er in Richtung Ortsmitte. Dutzende Polizeibeamte suchen ihn - vergeblich.

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