Gericht

75 Gramm Cannabis gehen vor Gericht als Eigenbedarf durch

Der Angeklagte wird zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung und einer Geldstrafe in Höhe von 600 Euro verurteilt.

Der Angeklagte wird zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung und einer Geldstrafe in Höhe von 600 Euro verurteilt.

Foto: Christoph Vetter

Bad Berleburg.  Schöffengericht Bad Berleburg: Der Angeklagte zeigt sich geständig. Er muss sich wegen Drogen- und Waffenbesitz verantworten.

Zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, welche das Schöffengericht Bad Berleburg zur Bewährung aussetzte, wurde ein 23-jähriger Allendorfer verurteilt. Außerdem muss er eine Geldbuße in Höhe von 600 Euro an eine Einrichtung für Suchtkranke zahlen. Der Angeklagte musste sich wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Mitführens unerlaubter Waffen verantworten.

Der junge Mann auf der Anklagebank ist im November 2017 in Bad Berleburg in eine allgemeine Verkehrskontrolle geraten. Dabei haben Polizeibeamte in dem Rucksack des Angeklagten 75,29 Gramm Cannabis, zwei Gramm Amphetamine, neun Ecstasy-Pillen sowie einen Schlagring sichergestellt.

Diesen Vorwurf räumte der Angeklagte ein, nachdem er sich ausdrücklich vor dem Gericht entschuldigte: „Das war alles für den Eigenkonsum bestimmt. Ich will betonen, dass ich die Betäubungsmittel nicht verkauft habe.“ Laut seiner eigenen Aussage sollen die bei ihm gefundenen Pillen jedoch keine Ecstasy, sondern Schmerztabletten gewesen sein.

Grenzwert überschritten: Kein minderschwerer Fall

Für den Schlagring wusste der Angeklagte auch eine Erklärung: „An den hatte ich gar nicht mehr gedacht. Ich habe den Ring irgendwann mal für fünf Euro einem Freund abgekauft, weil ich ihn cool fand.“

Der Vorsitzende Richter Torsten Hoffmann ging in diesem Fall nicht von einem minderschweren Fall aus, denn ein ihm vorliegendes Gutachten bestätigte eine Menge von 8,96 Gramm THC in dem sichergestellten Cannabis. Der Grenzwert für eine geringe Menge liegt bei 7,5 Gramm.

Bezüglich des Eigenkonsums schenkte das Schöffengericht dem Angeklagten, der unter anderem wegen Diebstahls vorbestraft ist, Glauben. Doch Hoffmann machte dem Angeklagten deutlich, welches Ausmaß es angenommen hätte, wenn in seiner Anklageschrift zusätzlich „Handeltreiben“ gestanden hätte: „Dann hätte das Strafmaß bei mindestens fünf Jahren gelegen.“

Cannabis war die Einstiegsdroge

Der angeklagte 23-Jährige berichtete außerdem ausführlich von seiner Vergangenheit. Er habe ein schlechtes Verhältnis zu seinem Vater gehabt. Es soll zu Handgreiflichkeiten zwischen dem Vater und dem Angeklagten gekommen sein. Auch seine Mutter soll unter seinem Vater gelitten haben, sogar misshandelt worden sein.

So sei der Angeklagte in die Drogen-Szene geraten, habe Flucht in einer Parallel-Welt gesucht. „Wie man es immer hört, fängt man mit Gras als Einstiegsdroge an“, berichtete der Angeklagte vor Gericht. Später seien auch chemische Drogen hinzugekommen.

Dieser Lebensstil sei heute jedoch Geschichte für den 23-Jährigen: „Mein Leben hat sich um 180 Grad gewendet. Ich habe den Konsum gänzlich eingestellt und bin mit meiner Mama umgezogen. Von den damaligen Freunden habe ich mich entfernt und ich habe Arbeit gefunden. Ich bin glücklicher denn je.“

Eine positive Sozialprognose für den Angeklagten

Staatsanwalt Waldemar Gomer zeigte sich in seinem Plädoyer erstaunt über die Menge an Betäubungsmitteln, die der junge Angeklagten besessen hatte: „Ich bin schockiert, wenn Sie sagen, dass das zum Eigenkonsum war.“

Dennoch war Ankläger Gomer dankbar über die geständige Einlassung des Angeklagten und stellte zusätzlich eine „eindeutig positive Sozialprognose“ des Angeklagten fest.

Seinen Führerschein musste der 23-Jährige schon direkt nach der Kontrolle im November 2017 abgeben, weil er vor der Fahrt Drogen konsumiert hatte. Damals musste der junge Mann auch eine Nacht im Polizeigewahrsam verbringen.

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