Schwarzwild

Afrikanische Schweinepest: Wittgenstein reagiert behutsam

Die Schonzeit für Schwarzwild - ausgenommen führende Bachen - ist aufgehoben. Durch vermehrte und stärkere Bejagung der Wildschweine soll dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest entgegengewirkt werden.

Foto: Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein

Die Schonzeit für Schwarzwild - ausgenommen führende Bachen - ist aufgehoben. Durch vermehrte und stärkere Bejagung der Wildschweine soll dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest entgegengewirkt werden. Foto: Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein

Wittgenstein.   Neue Strategien wegen der Schweinepest-Gefahr: In den staatlichen und privaten Großrevieren Wittgensteins wird behutsam versucht, den Schwarzwildbestand weiter zu reduzieren.

Ernst zu nehmen ist die Gefahr durch die in Osteuropa ausgebrochene Afrikanische Schweinepest auf jeden Fall – das betont die heimische Jägerschaft. Das zuständige NRW-Ministerium hat bereits die Schonzeit für Schwarzwild auf allen bejagbaren Flächen landesweit ganzjährig aufgehoben. Geschont bleiben selbstverständlich die führenden Bachen.

Das Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein hat in der Vergangenheit bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um das Schwarzwild in größerem Umfang zur Strecke zu bringen. Forstdirektor Diethard Altrogge berichtet, dass bei Jagden in den Staatsforstrevieren Lahnhof, Elberndorf oder Lützel auch nicht führende Bachen erlegt worden seien, um damit zur Reduktion der überhöhten Schwarzwildpopulation beizutragen.

„Für die Abschüsse haben wir diesmal kein Geld genommen“, so der Forstdirektor. Geplant seien außerdem für den kommenden Herbst eine Revier übergreifende Bejagung des Schwarzwildes mit Beteiligung der Staatsforste Hessen und Nordrhein-Westfalen sowie der Rentkammer Wittgenstein.

Derzeit keine Jagd auf Wildschweine

Aktuell, das betont Altrogge, gebe es aber wegen der in diesen Tagen geborenen Frischlinge „ein klares Nein“ zur Jagd auf Wildschweine. „Ich habe keine Bejagung mehr zugelassen und auch die Fütterungen unterbunden.“

Bei der Wittgenstein-Berleburg’schen Rentkammer nimmt der Wildmeister und Berufsjäger Patrick Rath die Schweinepest in Osteuropa „zwar sehr ernst, ich warne aber vor einer Hysterie deswegen. Die wäre im Moment völlig deplatziert.“ Die Rentkammer habe „so gejagt wie immer, aber wir werden unsere Strategien weiter anpassen und versuchen, den Schwarzwild-Bestand noch zu verkleinern,“ sagt Rath.

Und doch gibt es dabei Einschränkungen, denn in den Berleburg’schen Wäldern wird bislang eine extreme Intervalljagd mit sehr wenigen Ansitzdrückjagdtagen pro Jahr praktiziert, bei denen der gesamte Abschuss des Schwarzwildes erfüllt wird. Rath: „Zusätzlich zur Schwarzwild-Problematik steht die Rotwild-Bewirtschaftung in der Region mit im Fokus, denn die Tagaktivität unseres Wildes darf unter zusätzlichen Jagdmethoden nicht leiden, und es darf nicht zu unnötig hohen Rotwildschäden kommen.“

Tierschutz beachten

Dem Berufsjäger geht aber bei aller Prävention gegen die Seuche eines vor: der Muttertierschutz. „Wer jetzt Drückjagden auf Schwarzwild veranstaltet, der handelt grob fahrlässig und tritt Mutter- und Tierschutz mit Füßen. Wir müssen Wert legen auf waidmännisch-ethisches Jagen, und die Jäger dürfen sich nie zu Schädlingsbekämpfern degradieren lassen.“ Außerdem seien Hunde gefährdet, wenn sie Bachen mit Nachwuchs in den Frischlingskesseln aufbringen. Da verteidigt die Mutter ihr Junges. Patrick Rath weiß, dass die Wildbret-Preise für Schwarzwild „bereits seit September im Keller“ sind. In Brandenburg könne man aktuell lediglich 20 Cent für das Kilo (in der Decke) erzielen.

Das Problem der drohenden Schweinepest lässt sich nach Ansicht von Henning Setzer „nicht allein über die Bejagung lösen“. Der Dezernent, zuständig für die Untere Jagdbehörde des Kreises, sieht vielmehr den Mensch als Virus-Überträger durch Kleidung oder – wie es Patrick Rath formuliert: „Die Krankheit wird eingeschleppt durch ein gammeliges Wurstbrot, was Wildschweine an einer Autobahnraststätte in Osteuropa berührt, aber liegen gelassen haben.“ Deshalb weist Forstdirektor Diethard Altrogge ganz besonders darauf hin, dass jegliches Füttern von Wildschweinen völlig kontraproduktiv ist und unter allen Umständen unterbleiben müsse.

Kontakt zu Schweinehaltern

Kreis-Veterinär Dr. Ludger Belke weiß, dass die heimischen Schweinehalter wie die Jägerschaft sensibilisiert wird. „Wir stehen in Kontakt zu den rund 60 Schweinehaltern, die im Kreisgebiet als Nebenerwerbslandwirte züchten. Ihnen haben wir Tipps und Verhaltensregeln mitgeteilt“, so Dr. Belke, der sich darüber freut sagen zu können: „Stand jetzt: toi toi toi!“

Mehr zum Thema
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik