AB, HC, KA und RÜD - die Nummernschilder an den Autos auf dem Parkplatz hinter dem Laaspher Radiomuseum wiesen am Samstagmorgen unter anderem nach Bayern, Sachsen, Baden-Württemberg und Hessen. Knapp zwei Dutzend Helferinnen und Helfer hatten sich nach Wittgenstein einladen lassen, um aus dem Gebäude an der Bahnhofstraße vor allem Schriftstücke und Schaltpläne abzuholen. Nachdem die Stadt Bad Laasphe den Vertrag für das Radiomuseum im Juni 2022 gekündigt hatte und im März 2023 das Gebäude aufgrund der langen Mängelliste eines Brandsachverständigen komplett für den Besucherverkehr geschlossen werden musste, geht es nun darum, möglichst viel aus dem Gebäude für die interessierten Fachleute zu erhalten. Darüber berichtet die Verwaltung jetzt in einer Pressemitteilung.

Das Team, das in Bad Laasphe war, gehörte größtenteils zur GFGF: Die „Gesellschaft der Freunde der Geschichte des Funkwesens“ ist ein eingetragener Verein, der 1978 entstanden ist und heute rund 2000 Mitglieder zählt, aus Deutschland, anderen europäischen Ländern und sogar aus Übersee. Karton nach Karton wurde an dem Samstag aus dem Gebäude herausgetragen, auf dem Parkplatz im Hof wartete ein 7,5-Tonner-Lkw. Nur langsam sah man Veränderungen in dem großen Gebäude, wo auch der letzte Quadratzentimeter für Vitrinen, weitere Möbel, Plakate, Ordner, Fernsehgeräte, Plattenspieler und Musikboxen sowie Radios, Radios und nochmal Radios genutzt wurde. Aber die Binsenweisheit „Viele Hände, schnelles Ende“ funktionierte auch an diesem Tag.

Vorsitzender Ingo Pötschke (vorn in der Bildmitte) freute sich bei der Aktion im Laaspher Radiomuseum über viel Unterstützung aus der Gesellschaft der Freunde der Geschichte des Funkwesens und über das Engagement der Stadt Bad Laasphe.      
Vorsitzender Ingo Pötschke (vorn in der Bildmitte) freute sich bei der Aktion im Laaspher Radiomuseum über viel Unterstützung aus der Gesellschaft der Freunde der Geschichte des Funkwesens und über das Engagement der Stadt Bad Laasphe.       © WP | Stadt Bad Laasphe

Daniel Reuß war ebenfalls nach Bad Laasphe gekommen. Er ist beim Förderverein „Internationales Radiomuseum Hans Necker“ für die Laaspher Stadtverwaltung inzwischen erster Ansprechpartner. Seine Gefühle bei der Aktion waren zweischneidig: Zum einen blickte er traurig auf das Ende des Laaspher Radiomuseums, zum anderen war er dankbar, dass es bei der Mammutaufgabe, das Radiomuseum bis zum Jahresende 2024 zu räumen, nun wenigstens „halbwegs vorangehe“. Dabei helfe es, dass man die über Jahrzehnte gesammelten Objekte gern in die guten Hände von Experten abgebe, wie jetzt bei der Übergabe an die GFGF.

Als GFGF-Vorsitzender schätzte Ingo Pötschke, dass man fünf bis sechs Tonnen Material aus Bad Laasphe ins Archiv der Gesellschaft der Freunde der Geschichte des Funkwesens nach Hainichen in Sachsen mitgenommen habe. Dabei ging es vornehmlich um Papier und Papiere: 800 Bücher, gut fünf laufende Meter Zeitschriften, bis zu 20 laufende Meter an Service-Unterlagen und Schaltplänen, so die Schätzungen des Vorsitzenden. Auch wenn all das nun erstmal gründlich im Detail gesichtet werden muss, fiel Ingo Pötschkes Urteil über das Material eindeutig aus: „wunderbare Dinge, die im Archiv fehlten“. Dabei lobte er ausdrücklich die Unterstützung durch die Stadt Bad Laasphe.

Laasphes Bürgermeister Dirk Terlinden war laut Pressemitteilung seinerseits dankbar erfreut darüber, dass die Aktion im Radiomuseum stattgefunden hatte und gut über die Bühne gegangen war. Das sei ein wichtiger Fortschritt in Richtung der notwendigen Renovierung. Er sei froh, dass die abgeholten Materialien so für die Nachwelt in einer guten Weise erhalten werden könnten.