Gedenken

Bad Berleburg bekommt einen neuen Ort der Erinnerung

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Die neu zu errichtende Brücke über die Odeborn zwischen Poststraße und Ludwigsburgstraße soll den offiziellen Namen „Gegen das Vergessen“ erhalten. Sie soll an die Opfer des NS-Regimes erinnern

Die neu zu errichtende Brücke über die Odeborn zwischen Poststraße und Ludwigsburgstraße soll den offiziellen Namen „Gegen das Vergessen“ erhalten. Sie soll an die Opfer des NS-Regimes erinnern

Foto: Lars-Peter Dickel / WP

Bad Berleburg.  Der Vorschlag der Verwaltung löst den Streit um das Erinnern an NS-Opfer. Dennoch gibt es noch Sorgen und offene Fragen.

Bad Berleburg bekommt eine „Brücke gegen das Vergessen“. Einstimmig bei einer Enthaltung des Grünen Bernd Schneider hat der Rat den Weg für ein besonders pädagogisches Projekt frei gemacht, mit dem die Stadt der Opfer des Nationalsozialismus gedenken will.

Das Lob für den Verwaltungsvorschlag kam aus fast allen Parteien. Entstanden war die Idee aber aus einem politischen Streit. Die SPD hatte im vergangenen Jahr eine Straße im Neubaugebiet am Sengelsberg nach der in Theresienstadt ermordeten Bad Berleburger Jüdin Adele Krebs benennen wollen, war aber auf Widerstand aus der Verwaltung und von CDU und AfD gestoßen. Letztere hatte die Verwaltungsauffassung gestützt, dass die Grundstücke dort bereits als „Am Sengelsberg“ geführt würden. Aus der folgenden Grundsatzfrage um die Benennung von Straßen im Allgemeinen entstand ein Diskurs zwischen Politik und Verwaltung, der in einer Ältestenratssitzung mündete. (Wir berichteten)

Der Kompromiss: Die noch in diesem Jahr zu erneuernde Fußgängerbrücke über die Odeborn, die die Ederstraße mit der Ludwigsburgstraße und dem Marktplatz verbindet, wird zur „Brücke gegen das Vergessen“.

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Dort solle aller Opfergruppen gedacht werden, erläuterte Regina Linde von der Stadtverwaltung. Hinweistafeln sollen an das Schicksal von der Verfolgten und Ermordeten erinnern und ihnen ein Gesicht geben. Im Fall der Juden wird es das Gesicht bzw. die Lebensgeschichte von Adele Krebs sein. Erarbeitet werden die Informationen in Zusammenarbeit mit den weiterführenden Schulen, die bereits Bereitschaft signalisiert haben. Wichtig ist, das Einverständnis von Nachkommen der möglichen Protagonisten einzuholen.

Das sagt die Politik

Susanne Bald (Grüne) warb dafür sich bei der Umsetzung Zeit zu nehmen und „nichts übers Knie zu brechen“.

Martin Schneider (CDU) lobte die Arbeit: „Das ist eigentlich genau das, was wir uns vorgestellt haben.“

Bernd Schneider (Grüne) äußerte hingegen Bedenken. „Was ist, wenn wir nicht jeder Opfergruppe ein Gesicht geben können, wenn wir keine Leute finden?“ Außerdem vermisste er, dass diese Opfergruppen in der Vorlage benannt worden sind: Schneider nannte Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Sozialdemokraten und Behinderte als die fünf größten. Regina Linde aber entgegnet, dass man alle Opfergruppen einbeziehen werde. „Wir wollen aber keiner etwas überstülpen“.

Michael Sittler (SPD) betonte außerdem, dass man jede Opfergruppe berücksichtigen solle, „selbst wenn man keinen Namen finde.“

Klaus Dieter Lege (AfD) lobte den Vorschlag: „Das ist sicher ein guter Weg zu einem würdevollen Gedenken, ein begehbares Denkmal.“

Andreas Meinecke (SPD) lobte darüber hinaus auch den geplanten Standort als ideal: „Das ist ein Ort mitten in der Kernstadt an dem viel Verkehr zu erwarten ist.“ Wolfgang Völker (FDP) nannte die Brücke „ein vorbildliches Gedenken.“

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