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Bad Berleburg-Elsoff - Wiederstanden nach dem "Elsoffer Bauernkrieg"

Bad Berleburg.  Die Stadt entstand so erst 1975, als im Zuge einer Neugliederung 22 Gemeinden Berleburg angeschlossen wurden. Das Städtchen bewies in der Vergangenheit Mut, als man sich gegen Abgaben und Leibeigenschaft zu Wehr setzte und den Herren aus dem Hause Wittgenstein mit Waffengewalt zu Leibe rückte.

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Mit „Ort am Erlenwasser“ kann man „Elsapha“ übersetzen, unter diesem Namen findet Elsoff im Jahr 1059 seine erste urkundliche Erwähnung als Eigenkirche. Elsoff liegt am östlichen Rand des Rothaargebirges, etwa 15 Kilometer von Bad Berleburg entfernt. Der bebaute Ortskern mit einer Fläche von 12,6 ha gehört zu einer Gruppe von 22 ehemals selbstständigen Gemeinden, die in der kommunalen Neugliederung (1975) mit der Stadt Berleburg zusammengeschlossen wurden.

Buchtipp Schutz und geistig-kulturelles Zentrum ist und war die dem Hl. Andreas geweihte Kirche mit ihrer noch erkennbar wehrhaften Einfassung. Neuere Einrichtungen wie Schule, Kindergarten oder Sportplatz mit Schützen- und Festhalle wurden am Rand des historischen Ortskerns gebaut. Land und Forstwirtschaft sowie die Holzverarbeitung sind bis heute die wichtigsten Erwerbszweige geblieben. Erwerbszweige geblieben. Elsoff verfügt über einen historisch gewachsenen Ortsgrundriss, der mit seinen typischen Fachwerkbauten nahezu vollständig erhalten geblieben ist. Zusammen mit den Bauerngärten, Obstwiesen, Weiden und Einzelgehöften bilden sie das unverwechselbare Erscheinungsbild des Ortes, der 2009 im Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ mit der Goldmedaille ausgezeichnet wurde.

Geschichte

1059 wurde Elsoff erstmals urkundlich erwähnt. Am Zusammenfluss von Mennerbach und Elsoffbach hat sich der Ort als Haufendorf entwickelt. Die Geschichte Elsoffs ist eine Geschichte des Streits um die „Vogtei Elsoff “, die 1194 erstmals als eigenständiger Verwaltungs- und Gerichtsbezirk erwähnt wird. Mit der Verpfändung der Vogtei Elsoff (1428) an die Brüder Johann und Ebert von Dernbach wird gewissermaßen der Grundstein für den bereits erwähnten Streit gelegt: Fortan ringen Hessen und Wittgensteiner um Einfluss und Macht in der Vogtei.[kein Linktext vorhanden]

1724/25 kommt es zur offenen Rebellion der Vogteier gegen ihre Landesherren, die Grafen von Wittgenstein. Im „Elsoffer Bauernkrieg“ wehren sich die Bewohner der Vogtei gegen Abgaben und Leibeigenschaft. Ohne Erfolg – der Aufstand wird blutig niedergeschlagen. Dann kehrt allmählich Ruhe in der Vogtei ein. Im Vertrag (1837) zwischen dem Land Hessen und dem Staat Preußen findet fast ein Jahrhundert später eine Klärung statt. 1900 zählt Elsoff 551 Einwohner, 1950 sind es 1.098, nach 1970 pendelt sich die Einwohnerzahl bei etwa 700 ein.

Stadtrundgang durch Bad Berleburg-Elsoff 

P Parkplatz oberhalb der Ev.-ref. Dorfpfarrkirche

Bedingt durch die Geschlossenheit des gesamtdörflichen Ensembles gilt Elsoff aus denkmalpfl egerischer Sicht als „das vielleicht interessanteste Dorf in Westfalen“, das sich am Zusammenlauf von Mennerbach und Elsoffb ach als dicht bebautes Haufendorf entwickelt hat. Bestimmend für das Dorfb ild sind zweigeschossige Fachwerk-Bauernhäuser, in schwarzweiß oder rotbraun eingefärbt, auf gestrecktem Rechteckgrundriss, die zumeist Wohn- und Stallteil unter einem Dach vereinigen.

Zwölf Häuser sind in die Denkmalliste eingetragen, nach der letzten Inventarisation (1991) kommen aber weitere 64 Häuser in Frage. Holz und der in der Region früher abgebaute Schiefer lieferten die Materialien für die noch heute das Ortsbild beherrschenden Fachwerkhäuser. Oft liegen gepflegte Bauerngärten vor den Häusern. Auff ällig sind aber die vielen Balkeninschrift en mit den verschiedensten Bibelsprüchen: „Der Herr segne dich auf Zion, der Himmel und Erde gemacht hat.“ (Ps 13.4); oder „Demut ist die schönste Tugend, aller Christen Ruhm und Ehr, denn sie zieret unsere Jugend und das Alter von viel mehr.“ (1770) (Vogteistraße 1 und Gastwirtschaft Spies, Vogteistraße 11)

[kein Linktext vorhanden] 1. Ev.-ref. Dorfpfarrkirche, sie steht für ein Kirchdorf ungewöhnlich weit abseits am südwestlichen Dorfrand auf einer Anhöhe. Erwähnt wird in einer Urkunde, dass sich der adelige Buobo 1059 von der Mutt erkirche Raumland löst. Die Kirche zeigt einen bemerkenswerten romanisch-gotischen Baustil. Bei dem heutigen Bauwerk handelt es sich um eine ursprünglich fl achgedeckte Saalkirche aus der Übergangszeit zwischen romanischem und gotischem Baustil, Mitt e des 13. Jh. (nach J. Burkardt); in der 2. Hälfte des 13. Jh. erfolgte eine Einwölbung mit Einbau von Stichkappengewölben auf mächtigen Wandpfeilern. Die Kirche hat ein großes Schiff mit drei Jochen, an das sich ein kleinerer zweijochiger Chor anschließt. Der heute vorhandene Westturm wurde 1869 an Stelle des alten Turmes erbaut. Fast wäre die Kirche Anfang der 1980er Jahre, der Kirchturm erneut 2000/2001 eingestürzt.

Die durchhängenden Gewölbe wurden in einer bemerkenswerten Bausanierung erhalten; dabei konnte die originale Putz- und Farbausstatt ung gerettet werden, die als romanisierende Gewölbemalerei 1912/13 angebracht worden war: Ornamentbänder und Fabeltiere, zusätzlich sind dezente Wandmalereien des Künstlers Nikolaus Bett e eingefügt worden. Auch der Kirchturm wurde mit einem Aufwand von 300.000 DM saniert und renoviert. Die Orgel im Chorraum wurde 1885 von dem Korbacher Orgelbauer Vogt installiert und zählt – nach Expertenmeinung – zu den wertvollsten Instrumenten mit romantischem Klangbild; die Orgel wurde umfassend renoviert und z.T. rekonstruiert. (Schlüssel im Pfarramt, Pfr. Kött er, Tel. 02755/240, Fax 2249720) Bei einem Rundgang fallen vor allem die Inschriften auf.

2. Kirchstraße 1, eine Gehöftanlage, bestehend aus Fachwerkhaus mit Scheune, stammt aus dem 18. Jh. Die Scheune nimmt im Ortskern einen wichtigen Platz ein. Vogteistraße 6: Die sanierte Zachariasscheune ist Stützpunkt des städt. Bauhofes; die Inschrift ist leider verwittert, dafür ist am Lagerbalken noch ein Zahnschnittmuster erkennbar.

3. Vogteistraße 5 zeigt noch für alle „Naseweisen“ eine schöne Inschrift : „Wer da bauet an die Strasen, der muß sich tadeln lassen; von vielen die vorrübergehen und dieses Handwerk nicht verstehen; so wie diese Bauart ist geschehen. In deine Vater Hände, befehl ich Herr mein Ende.“ Über die „Wolpfad-Straße“ zum jüdischen Friedhof „Unterm Heiligenberg“: Von 1822 bis 1942 wurden hier die jüdischen Bürger der Orte Elsoff , Arfeld, Richstein, Beddelhausen und Schwarzenau beigesetzt. (Das letzte, noch mit Stroh eingedeckte Haus eines jüdischen Mitbürgers (Sophie Stern, Haus-Nr. 80) stand zwischen „Gasse“ und „Konrads“ und trug hebräische Inschrift en.)

4. Zurück über die Vogteistraße über die Bäckerbrücke in die Brückenstraße 1: hier steht ein traufenständiges, zweigeschossiges Fachwerkhaus, das vermutlich im 18. Jh. errichtet wurde.

5. Brückenstraße 7: Mühlenhofanlage, ehem. Wassermühle mit Doppelmühlrad; Inschrift : „Schlag drey jahr in schwerem und verbott trotz habe gewand wie nun bekannt steh hier vor meister und gesellen. Hand aufs aller beste und warte allezeit auf gäst: Hauß Du sagt Wohl sein ich wart auf Gäst, …“ und längere Fortsetzung: „Wer unschuldig lebt, der lebt sicher, wer aber verkehrt ist auf seine Wege, wird offenbar werden.“ Sal. 10 V.9

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