Literaturpflaster

Bad Berleburg: Liebeserklärung einer besorgten Mutter

Lesung im Sanitätshaus Kienzle mit Autorin Kjersti A. Skomsvold (rechts). Die deutsche Stimme übernimmt Otto Marburger, Kulturgemeinde Bad Berleburg, die Moderation Rikarde Riedesel.

Lesung im Sanitätshaus Kienzle mit Autorin Kjersti A. Skomsvold (rechts). Die deutsche Stimme übernimmt Otto Marburger, Kulturgemeinde Bad Berleburg, die Moderation Rikarde Riedesel.

Foto: Esther Loerkens

Bad Berleburg.  Die norwegische Autorin Kjersti Annesdatter Skomsvold stellt ihren neuen Roman im Sanitätshaus Kienzle vor. Deutsche Stimme: Otto Marburger.

„Meine Gedanken stehen unter einem Baum und sehen in die Krone“. So heißt der neue Roman von Kjersti Annesdatter Skomsvold. Die norwegische Schriftstellerin war jetzt zu Gast im Rahmen der Reihe „Berleburger Literaturpflaster“. Im Sanitätshaus Kienzle nimmt sie ihre Zuhörer mit in eine Welt der guten und schlechten Seiten. Die deutsche Stimme übernimmt Otto Marburger, Ehrenvorsitzender der Kulturgemeinde Bad Berleburg. Auch eine Vertreterin des Verlages Hoffmann und Campe ist dabei.

Schwerer Schicksalsschlag

2009 sorgte Skomsvolds erstes Buch „Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich“ in Norwegen schon für Aufsehen. 2011 erschien das Buch in deutscher Übersetzung. Protagonistin ist eine sehr alte Dame, die dem Tod sehr nahe ist und sich mit ihm auseinandersetzt – sehr ungewöhnlich für eine junge Schriftstellerin. Doch die Norwegerin durchlebte einen schweren Schicksalsschlag.

„Als ich 25 Jahr alt war, hat mein Freund mit mir Schluss gemacht und ich wurde sehr krank“, berichtete sie. „Daraufhin musste ich mein Ingenieur-Studium abbrechen und bin zurück zu meinen Eltern gezogen. Ich war so krank, dass ich mich genauso fühlte wie die Protagonistin. Alt und krank. Daher bin ich von außen betrachtet ihr sehr nah. Doch als meine Großmutter dies hörte, schüttelte sie nur den Kopf und widersprach mir.“

Talent auch für Gedichte und Kinderbücher

Skomsvold schreibt nicht nur Romane, auch Gedichte und Kinderbücher liegen ihr. Jedoch unterscheidet sich ihr zweiter Roman von ihrem ersten stark. „Die Dinge müssen sich für mich immer verändern. Daher auch die unterschiedlichen Genres. Aber ich wusste: Das zweite Buch muss für sich selbst stehen. Daher kam mir die Idee mit der Graphic Novel“, erklärt die Autorin.

Ein Zitat aus ihrem neuen Buch lautet: „Ich legte meine Hand wie eine schützende Schale um den friedlichen Kopf.“ Ein besonderes Zitat, denn: Ihr Buch ist zwar eine Liebeserklärung an ihr zweites Kind, doch im Fokus stehen die Ängste und Sorgen, die sie als Mutter begleiteten. Skomsvold richtet sich mit offenen Worten an die Leser und zeigt die Realität des Mutterseins.

Keine perfekten Geschichten

„Gerade heutzutage, wo jeder durch Social Media versucht, perfekt zu wirken, sind es nur perfekte Geschichten, die wir auch hören wollen. Aber genau darum ist mein Roman genau das Gegenteil“, so die Norwegerin. „Denn wenn ich etwas schreibe, dann muss ich es auch selber glauben können. Da gehören die schlechten Seiten nun auch hinzu“, sagt sie ganz zum Schluss.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben