Literaturpflaster

Bad Berleburg: Norwegens Küche, bodenständig und authentisch

Brigitte Benkendorf-Rossöy lässt es sich nicht nehmen, die Gäste persönlich mit braunem Käse, einer Spezialität ihres Heimatlandes Norwegen, zu verwöhnen. Dieser findet sich gleich in der Elchsauce wieder.

Brigitte Benkendorf-Rossöy lässt es sich nicht nehmen, die Gäste persönlich mit braunem Käse, einer Spezialität ihres Heimatlandes Norwegen, zu verwöhnen. Dieser findet sich gleich in der Elchsauce wieder.

Foto: Ute Schlapbach

Bad Berleburg.  Ein Spezialitätenabend im Bad Berleburger Hotel „Alte Schule“ verwöhnt die Gäste – mit einem norwegischen Menü und kurzweiligen Geschichten.

„God aften! Velkommen!“ So begrüßen Brigitte Benkendorf-Rossöy und ihr Mann Otto die Gäste im Hotel „Alte Schule“, wo auch in diesem Jahr wieder der Spezialitätenabend im Rahmen des Literaturpflasters stattfand, diesmal zum Thema „Norwegen“.

Die Gäste aus Norwegen

„Du kommst doch, Gitte?“, hatte das Hoteliers-Ehepaar Andreas Benkendorf und Silvia Köster-Benkendorf gefragt. Denn, was perfekt passt: Benkendorfs ältere Schwester hat vor über drei Jahrzehnten einen Norweger geheiratet und lebt immer noch mit ihm in Nordeuropa, genauer gesagt in der Nähe von Trondheim. Die Zusage aus Norwegen kam postwendend, zeitaufwändiger war die Auswahl des Menüs.

Das Probekochen

„Essen und Trinken“ steht im Land der Fjorde im Fokus. In Absprache mit den Berleburgern und Küchenchef Dietmar Flachsbarth erfolgte die Zusammenstellung und ein Probekochen zur Feinabstimmung zwei Tage zuvor. Doch es sollte authentisch sein – bodenständig, nicht zu abgehoben. Die Zutaten sollten auf die richtige Art präsentiert werden. Einige davon, die es hier in der Form nicht gibt, wurden nach Deutschland „geschmuggelt“: Preisel- und Moltebeeren, brauner Käse, Fladenbrot.

Die Geschichten aus Norwegen

Und neben dem Menü standen am Freitagabend Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen aus und mit Norwegen im Vordergrund, mit denen Brigitte und Andreas Benkendorf die knapp 60 Gäste zwischen den Gängen unterhielten. Das, genauso wie die norwegischen Delikatessen, macht Lust auf mehr. Kein Problem! Die norwegischen Gäste hatten genügend Anekdötchen im Gepäck – zollfrei. Das Ehepaar machte dem Ruf „Norweger sind liebe, nette Menschen“ alle Ehre. Übrigens: Sprachbarrieren habe es für die 61-Jährige eigentlich nie gegeben. „Das Olper Platt ist mit Norwegisch vergleichbar.“

Die kulinarische Reise

Die kulinarische Entdeckungsreise startet mit dem „Roten Rentier“, von den Geschwistern selbst kreiert, Sekt mit Preiselbeer-Mus und einem Schuss Wodka. „Skål!“ Norweger trinken gerne Alkohol, „aber das ist in der Heimat ein teurer Spaß“. Apropos Preise: Die sind in Norwegen grundsätzlich höher als in Deutschland. „Für so einen Abend müssten Sie bei uns das Vierfache bezahlen.“

Selbst gefertigt von der gelernten Schneiderin Benkendorf-Rossöy sind übrigens auch die norwegischen Nationaltrachten, die sie präsentieren und den Nationalstolz widerspiegeln. Weiter geht es mit Fisch. Der gehört auf jeden Fall in die norwegische Küche. Mit einem Tatar vom Schwarzen Heilbutt, „einem der teuersten Fische, die es gibt“, verrät Andreas Benkendorf. auf Gurkencarpaccio. Die Pilze für die folgende Waldpilzsuppe seien übrigens, wie die Beeren auch, selbst gesucht, scherzt er. „God Appetitt!“

Das Land und die Leute

Die Zuhörer erfahren nicht nur Wissenswertes über norwegische Kulinarik, sondern auch etwas über „Land Leute“. Der heiß geräucherte Lachs mit Himbeer-Senf-Pfeffer begeistert rundum. „Genauso würden Sie es in Norwegen bekommen!“, bestätigt Brigitte. Applaus! Alleine der Geruch des Geräucherten! Kann das der Elch, der sich natürlich auch bei der Tischdeko wiederfindet, noch toppen? Über der Sauce hat Brigitte Benkendorf-Rossöy persönlich gewacht, damit sie authentisch wird. Den unverwechselbaren Geschmack bringt unter anderem „Brunost“ (brauner Käse), den es zuvor bereits auf Fladenbrot zu probieren galt, „süßlich und ungewöhnlich.“

Elch-Fleisch und Aquavit

„Jetzt kommt das schönste Tier Norwegens!“ Rentier- und Elch-Fleisch gehören schon lange Zeit zur gehobenen norwegischen Küche. Aber, so berichtet sie, Gehacktes-Bällchen seien das tatsächliche Leibgericht der Norweger. Obwohl die Preise für Alkohol sehr hoch seien, werde in Norwegen gerne und oft Bier und Schnaps konsumiert. Nationalgetränk ist der Aquavit (akevit), aus Kartoffeln und Kümmel gebrannt. „Den würden Sie jetzt in Norwegen zum Elch trinken.“ Aber: „Der Echte ist braun“, klärt Andreas Benkendorf auf, „und wird zimmerwarm getrunken.“ Das probiert die Mehrzahl der Gäste gleich einmal aus.

Der Nachtisch

Und ohne Nachtisch geht auch kein norwegisches Festessen zu Ende. Gleich drei verschiedene Dessert-Spezialitäten erfreuen den Gaumen: Die Reiscreme mit roter Sauce ist vor Weihnachten ein Muss in Norwegen, weiß die Moderatorin aus Erfahrung. „Und probieren Sie das reine Moltebeeren-Mus nebendran.“ Nach vier Stunden wird der letzte Teller abgeräumt – dickes Lob und verdienter Applaus für Küchen- und Serviceteam.

Der Pflasterstein

Im Gegenzug erhalten Silvia Köster und ihre Schwägerin einen Literaturpflaster-Stein aus der Hand von Ulla Belz, die zur Veranstalter-Gemeinschaft gehört. „Ich bin ein Steinsammler!“, lacht Brigitte Benkendorf-Rossöy. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. Dieser Stein bekommt auf jeden Fall einen Ehrenplatz im Wohnzimmer von Rossöys. Apropos: „Ich hatte den Eindruck“, und so ging es sicher nicht nur Ulla Belz, „wir waren bei Benkendorfs zu Hause. Es war diesmal sehr familiär, sehr persönlich, wie eine große Familienfeier.“

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