Heimatgeschichte

Bad Laasphe: So bleiben Schrecken des Holocaust unvergessen

| Lesedauer: 4 Minuten
Mit sechs weiteren Familienmitgliedern waren die Schwestern nach Deutschland gekommen. Mitglieder des Bad Laaspher Freundeskreises für christlich-jüdische Zusammenarbeit begleiteten die Gäste aus Israel ins Rathaus. Am Ende durfte das Gruppenfoto nicht fehlen.

Mit sechs weiteren Familienmitgliedern waren die Schwestern nach Deutschland gekommen. Mitglieder des Bad Laaspher Freundeskreises für christlich-jüdische Zusammenarbeit begleiteten die Gäste aus Israel ins Rathaus. Am Ende durfte das Gruppenfoto nicht fehlen.

Foto: Stadt Bad Laasphe

Bad Laasphe.  Simon Burg aus Banfe war der einzige Holocaust-Überlebende seiner Familie. So erleben seine Nachfahren aus Israel jetzt seine Heimat.

Besonderen Besuch empfing jetzt Bad Laasphes Bürgermeister Dirk Terlinden: Die Schwestern Edna Burg und Nurit Berta Kanyon aus Israel statteten ihm im Rathaus einen Besuch ab. Begleitet wurden sie von ihren Familien sowie von Mitgliedern des Bad Laaspher Freundeskreises für christlich-jüdische Zusammenarbeit e.V. Für die Familie war die Stippvisite in der Lahnstadt eine – wie Dirk Terlinden es in seiner Begrüßung ausdrückte – „emotionale Reise in die jüngere Vergangenheit ihrer Familiengeschichte, die durch die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges in so dramatischer Weise geprägt ist.“

Denn Edna Burg und Nurit Berta Kanyon sind Töchter von Simon Burg, dem einzigen Überlebenden der jüdischen Familie Burg aus Banfe.

Ein Bus bringt die Familie fort

Am Tag genau 80 Jahre zuvor, 27. April 1942, mussten Simons Eltern Benjamin und Bertha, sein jüngerer Bruder Martin sowie sein Onkel Josef und seine Tante Bertha, Benjamins ledige Geschwister, ihren geliebten Heimatort Banfe verlassen. An der Eiche in der Ortsmitte stiegen sie in einen Bus, der sie zunächst nach Laasphe brachte.

Lesen Sie auch: Laasphe: Jüdische Familie aus Banfe 1942 in Polen getötet

Von dort ging am nächsten Tag ein Zug über Dortmund nach Zamosc im heutigen Ostpolen. Drin saßen neben der Familie Burg 47 weitere jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Laasphe. Niemand von ihnen überlebte die Nazi-Gräuel. Einzig Simon Burg entkam dem Holocaust, weil seine Eltern ihn bereits 1939 als 15-Jährigen nach Palästina geschickt hatten.

Auf Einladung des christlich-jüdischen Freundeskreises wandelten die Schwestern und ihre Familien nun auf den Spuren ihrer deutschen Vorfahren. Anlass für die Reise war die Enthüllung einer bronzenen Gedenktafel ganz in der Nähe der Bushaltestelle unterhalb der Ev. Kirche in Banfe, die der christlich-jüdische Freundeskreis zum 80. Jahrestag der Deportation der Familie hatte anfertigen und aufstellen lassen. Nach einer Gedenkveranstaltung in der Kirche enthüllten Edna Burg und Nurit Berta Kanyon die Tafel. Seither erinnert sie an das grausame Schicksal der Burgs und aller jüdischen Gemeindemitglieder aus Laasphe.

Lesen Sie auch: Banfe erinnert an schreckliches Schicksal der Familie Burg

Als „sehr ergreifend“ beschrieb Nurit Berta Kanyon die Reise im Gespräch mit dem Bürgermeister. „Es ist alles so spürbar, viel spürbarer als wenn man nur etwas darüber hört“, so die Israelin. Vor allem der Besuch des Friedhofs habe sie bewegt. Dirk Terlinden erklärte, dass es ihm ein großes Anliegen sei, die Erinnerungen an die Geschichte lebendig zu halten.

Das Engagement des christlich-jüdischen Freundeskreises und das Aufstellen der Gedenktafel seien nicht nur Mahnung, sondern ein deutliches Signal der Bad Laaspher Stadtgesellschaft gegen Antisemitismus. „Wie wichtig dies auch heute noch ist, zeigen die geopolitischen Ereignisse des Ukraine-Krieges allzu deutlich“, so der Verwaltungschef. Als Geschenk überreichte er Edna Burg und Nurit Berta Kanyon zeitgeschichtliche Dokumente ihrer Familie. „Es handelt sich um Auszüge aus Stammbüchern und eine Ahnentafel. Unsere Standesbeamtin Monika Treude hat alles zusammengestellt, was sie finden konnte.“

In das Goldene Buch eingetragen

Edna Burg und Nurit Berta Kanyon waren überwältigt und blätterten gemeinsam mit ihren Familien neugierig in den Unterlagen. Auch das große Gedenkbuch im Foyer des Rathauses, in dem jedes jüdische Opfer aus Laasphe mit seinem Namen, Geburtstag und Geburtsort eingetragen ist, schauten sie sich

ausführlich an. Zudem trugen sich die Schwestern und ihre Familien ins Goldene Buch der Stadt ein. Ein sehr emotionaler Moment für alle Beteiligten, hatte sich Vater Simon Burg doch auch schon mit seiner Unterschrift hier verewigt – und zwar 1988, zum 50. Jahrestag der Reichspogromnacht. Damals hatte Bürgermeister Otto Düsberg die aus Bad Laasphe vertriebenen, überlebenden Juden eingeladen. Simon Burg starb 1995, doch die Erinnerung an ihn, seine Familie und ihr Schicksal wird durch Momente wie diese wachgehalten.

Als Dank für die Gastfreundschaft und das Engagement in der Stadt überreichten die beiden Schwestern Bürgermeister Terlinden eine handgefertigte Keramikplatte eines israelischen Töpfers, in die der Schriftzug „In tiefer Dankbarkeit, Familie Burg“ sowie die Chamsa, ein bekanntes Symbol für Glück, eingraviert sind.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wittgenstein

Liebe Nutzerinnen und Nutzer:

Wir mussten unsere Kommentarfunktion im Portal aus technischen Gründen leider abschalten. Mehr zu den Hintergründen erfahren Sie
» HIER