Basisdemokratische Entscheidung für Kirche fiel schon 1960

Niederlaasphe. Das Programm in der Niederlaaspher Kirche war so vollgepackt, dass es schon ein bisschen früher als gewohnt losgehen musste. Die Glocken läuteten noch zum Gottesdienst, als um kurz vor Zehn die Männergesangvereine Niederlaasphe und Weifenbach unter Leitung von Siegfried Schade bereits das erste Lied in der Kirche anstimmten. Der Anlass für die hohe Programm-Dichte war ein Jahrestag. Der Gottesdienst fand genau 50 Jahre und einen Tag nach der Grundstein-Legung für die Niederlaaspher Kirche statt. Mit den über 30 stimmgewaltigen Sängern addierte sich die Besucherzahl des Gottesdienstes auf gut 100 zusammen.

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Niederlaasphe. Das Programm in der Niederlaaspher Kirche war so vollgepackt, dass es schon ein bisschen früher als gewohnt losgehen musste. Die Glocken läuteten noch zum Gottesdienst, als um kurz vor Zehn die Männergesangvereine Niederlaasphe und Weifenbach unter Leitung von Siegfried Schade bereits das erste Lied in der Kirche anstimmten. Der Anlass für die hohe Programm-Dichte war ein Jahrestag. Der Gottesdienst fand genau 50 Jahre und einen Tag nach der Grundstein-Legung für die Niederlaaspher Kirche statt. Mit den über 30 stimmgewaltigen Sängern addierte sich die Besucherzahl des Gottesdienstes auf gut 100 zusammen.

Kirchenlied und Spiritual

Allein die Musik war schon beeindruckend: Sieben Stücke vom Gesangbuch-Werk über den Spiritual-Evergreen bis zum Udo-Jürgens-Klassiker boten die Männerchöre mit vereinten Kräften, natürlich sang auch die Gemeinde selbst noch drei Lieder zur Begleitung von Friedhelm Nicklaus an der Orgel, der schon 50 Jahre zuvor bei der Grundsteinlegung in Niederlaasphe dabei war. Über den Weg zur neuen Kirche berichtete jetzt im Gottesdienst Armin Kohlberger, den Pfarrer Dieter Kuhli zuvor als „Niederlaaspher Dorfchronist“ begrüßt hatte. Auch diese Ausführungen brauchten Zeit, denn so ganz kurz war der Weg zum Neubau nicht. Am 1. Februar 1960 sei bei der Laaspher Presbyteriums-Sitzung die alte Niederlaaspher Schulkapelle Thema gewesen. Deren eine, kleine historische Glocke habe nicht mehr alle Menschen in dem Dorf erreicht, das nach dem Zweiten Weltkrieg größer geworden sei. Die Statik habe keine zweite Glocke im alten Turm erlaubt, ein neuer Glockenturm sei nicht wirtschaftlich erschienen: „Es wurde der Wunsch laut, eine ganz neue Kirche zu bauen, zumal sich die politische Gemeinde Niederlaasphe inzwischen hinter diesen Wunsch gestellt hatte“, so Armin Kohlberger. Und die Standort-Entscheidung war selbst für evangelische Verhältnisse bemerkenswert basisdemokratisch. Nochmal der Dorfchronist über die Abstimmung aller Niederlaaspher Gemeindeglieder ab 14 Jahren: „Von den 700 Stimmberechtigten votierten im Februar 1966 insgesamt 472 für den Standort auf dem Rain, 158 für den alten Platz in der Waffelgasse.“ Am 26. August 1967 war die Grundsteinlegung am neuen Ort, am Reformationstag des gleichen Jahres das Richtfest. An Himmelfahrt 1969 wurde die Niederlaaspher Kirche in den Dienst gestellt.

Am Himmelfahrtstag 2019 gibt es zum nächsten 50. Jahrestag wieder einen großen Gottesdienst in der Niederlaaspher Kirche, dann feiert die Evangelische Kirchengemeinde Bad Laasphe hier nämlich ihr nächstes Gemeindefest. Bevor Dieter Kuhli am Sonntag dazu schon mal einlud, machte sich der Laaspher Pfarrer allerdings Gedanken darüber, was eine Kirche für evangelische Christen eigentlich genau ist. Martin Luther selbst fasste die Zweckbestimmung bei der Eröffnung der Torgauer Schlosskirche so zusammen: „...dass nichts anderes darin geschehe, als dass unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort und wir wiederum mit ihm reden durch Gebet und Lobgesang“. Erst die Menschen auf der Suche nach Gott machen die Kirche zu einem besonderen Gebäude und Dieter Kuhli unterstrich, dass die Vokabel dabei nicht nur die eine offenkundige Bedeutung hat: „Kirche, das ist die versammelte Gemeinde, die von dieser Botschaft lebt, deren Glieder sich als lebendige Steine als menschliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gottes Wirken unterstützen.“

Das ist wichtig in Zeiten, da demographischer Wandel und denkmalgeschützte Gotteshäuser die Kirchengemeinden in Wittgenstein beschäftigen. Deshalb zitierte Dieter Kuhli in Niederlaasphe aus einer Schrift der Evangelischen Kirche in Deutschland von 2003, die „Kirchen als Orte der Besinnung und Ermutigung“ hervorhob: „Eine Gemeinde, die ihre Kirche nutzt und mit Leben füllt, erbringt die wirksamste Leistung zu ihrer Erhaltung.“

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