Buchveröffentlichung

Berleburger Autor ermöglicht Einblick in männliche Seele

Rainer Daus erzählt „Brandts Geheimnis“ allein aus der Sicht seiner Hauptfigur Matthias Brandt. Dass ihm eine Novell gelungen ist, macht ihn stolz.

Rainer Daus erzählt „Brandts Geheimnis“ allein aus der Sicht seiner Hauptfigur Matthias Brandt. Dass ihm eine Novell gelungen ist, macht ihn stolz.

Foto: Lisa Klaus / WP

Bad Berleburg.  Zum ersten Mal legt der Berleburger Autor Rainer Daus eine Novelle vor. Leser tauchen dabei tief in die männliche Seele ab.

Er ist ein „Mann von der Stange“, ein ganz gewöhnlicher Mensch – so wird Maximilian Brandt, Hauptfigur in Rainer Daus’ neuester Veröffentlichung von seinem Schöpfer beschrieben. Der Lokführer Brandt blickt in „Brandts Geheimnis“ auf sein Leben zurück und erkennt, dass er bisher keine Spur hinterlassen hat – bis er bei einem bewaffneten Raubüberfall fordert, erschossen zu werden.

Eine Novelle fehlte noch unter den Veröffentlichungen des Bad Berleburger Schriftstellers Rainer Daus. Es war der Anreiz einer Leserin, der ihn dazu brachte, sich erneut an einer Geschichte zu versuchen – die Gattung der Novelle sorgte dann für den stilistischen Rahmen. „Die Gattung gab es oft im 19. Jahrhundert, im 20. Jahrhundert war sie so gut wie tot“, sagt Daus. Die Novelle arbeitet auf ein einziges Erlebnis hin, das eine zentrale Bedeutung in der Geschichte hat.


Von Erlebnissen geprägt

In „Brandts Geheimnis“ ist das der Raubüberfall, bei dem der in einer Sinnkrise steckende Maximilian Brandt von dem Gangster verlangt, ihn zu erschießen – der Gangster tut ihm diesen Gefallen jedoch nicht und der 56-jährige Lokführer muss sich erneut dem Leben stellen. Dieses Leben ist geprägt von Erlebnissen – ein Themenkomplex, den Daus in den Fokus stellt. „Wir sind alle sozialisiert worden, haben ganz bestimmte Erfahrungen gemacht, die manchmal so prägend sein können, dass sie unser Handeln bestimmen“, gibt der Schriftsteller zu verstehen.

Für Brandt war das unter anderem Barbara, die den Lokführer so sehr beeindruckt hat, dass er Zeit seines Lebens versucht, eine Neuauflage dieses sexuellen Kontaktes zu finden. Diese Gier befriedigt er zunächst einschlägigen Etablissements, bevor die 18-jährige Tatjana, eine Künstlerin, in sein Leben tritt. Sie putzt für ihn – und geht mit ihm „einen Deal ein.“ Damit meint Daus eine sexuelle Beziehung, die aber durchaus in gegenseitigem Einverständnis entstanden sei. Die beiden Figuren empfänden sogar so etwas wie Zuneigung füreinander.

Die gesamte Geschichte wird dabei allein aus der Sicht Maximilian Brandts erzählt. „Das dargestellte Frauenbild wurde daher auch schon kritisiert, da wir zu keinem Zeitpunkt erfahren, was im Kopf von Tatjana vorgeht, was ihre Beweggründe sind und was die Situation für sie bedeutet“, sagt Daus. Doch er sei kein auktorialer, über den Dingen stehender Erzähler, sondern sehe die Geschehnisse allein durch die Augen Maximilian Brandts.


Nicht nur für Männer

Dennoch sei die Novelle keine reine „Männerliteratur“. „Das Buch können auch Frauen lesen, die wissen wollen, was in solchen Männern vorgeht“, betont Daus. Denn männliche Charaktere hat die Geschichte zuhauf zu bieten: Maximilian Brandt pflegt Männerfreundschaften mit unterschiedlichen Existenzen – einem wenig erfolgreichen Krimiautoren, einem Altenpfleger und einem Ingenieur, allesamt Gestalten, die selbst vom Leben gezeichnet sind und sich darauf mehr oder weniger gut eingestellt haben.

Regelmäßige Leser von Rainer Daus werden auch auf eine altbekannte Figur „treffen“: der tote Cornelius Kreutz, Hauptfigur von Daus’ erster Romanreihe, taucht als Legende in Erzählungen wieder auf.

Die Novelle ist im bereits gewohnten Daus-Stil geschrieben: schnörkellos, schnell und hart. Rezensenten auf Onlineplattformen loben diesen Schreibstil als leicht lesbar. Ein Nachfolger für „Brandts Geheimnis“ ist bereits in Arbeit und löst den Cliffhanger am Ende der Geschichte auf: „Der Plot steht soweit und ich habe schon 40 Seiten geschrieben“, sagt Daus.

Beim nächsten Mal solle es jedoch keine Novelle werden, dieses Projekt sei erfolgreich abgehakt. „Darauf bin ich auch ein bisschen stolz – vielleicht wird die nächste Veröffentlichung ein Roman oder eine Erzählung“, kündigt Daus an, der die Geschichte ursprünglich nicht als Fortsetzung geplant hatte.

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