Wisent

Berleburger Wisent im Westerwald erschossen

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Mutmaßlich hatte der abgewanderte Wisent mehrere Beine gebrochen und lag wohl länger an Ort und Stelle, als er gefunden wurde.

Mutmaßlich hatte der abgewanderte Wisent mehrere Beine gebrochen und lag wohl länger an Ort und Stelle, als er gefunden wurde.

Foto: Picasa

Wittgenstein/Westerwald.  Wie die Kreisverwaltung in Montabaur bestätigt, wurde das Tier von seinem Leiden erlöst. Das sind die Hintergründe.

Der Wisentbulle, der sich bereits im vergangenen Jahr von der freilebenden Wittgensteiner Herde abwandte und später im Westerwald für zahlreiche Schlagzeilen sorgte, ist tot, wie nun die Kreisverwaltung Montabaur auf Nachfrage der Lokalzeitung bestätigt. Doch was sind die Hintergründe?

Wie die Kreisverwaltung mitteilt, wurde der Wisent, der sich bereits seit geraumer Zeit im Westerwald aufgehalten hatte, bereits am Abend des 21. Juni krank aufgefunden – und zwar im Bereich der Verbandsgemeinde Selters. „Er war stark abgemagert, atmete schwer und konnte nicht mehr aufstehen. Mutmaßlich hatte er sich mehrere Beine gebrochen und lag wohl schon länger an Ort und Stelle, auch Madenbefall war bereits festzustellen“, teilt die Verwaltung mit.

„Nach Abstimmung zwischen der Polizei, dem Jagdausübungsberechtigten und Kontakt zu einem tierärztlichen Notdienst wurde der Wisent daher aus tierschutzrechtlichen Gründen von seinem Leiden erlöst.“ Und was sagt der Wisent-Trägerverein hierzu? „Wir sind im regelmäßigen und konstruktiven Austausch mit den zuständigen Umweltbehörden in Rheinland-Pfalz und informierten einander stets über aktuelle Kenntnisstände. Der schlechte Gesundheitszustand des Tieres war weder den dortigen Behörden noch dem Trägerverein vor der Entnahme des Tieres gemeldet worden. Sobald die Behörden über die Entnahme des Tieres informiert worden waren, haben sie sich mit dem Wisent-Trägerverein ausgetauscht“, so Dr. Michael Emmrich, Pressesprecher des Wisentvereins.

Mehr als ein halbes Jahr war der Bulle bereits im Westerwald unterwegs. Bereits im November 2021 wurden Meldungen laut, dass das Tier – 140 Kilometer von seiner ursprünglichen Herde im Rothaargebirge entfernt – dort umher streift. In Rheinland-Pfalz soll der „Problembulle“, wie er in vielen (auch sozialen) Medien genannt wurde – Schälschäden an Buchen verursacht und sogar Hochsitze umgestoßen haben.

Eigentum aufgegeben

Bereits damals aber galt der Wisentbulle als herrenlos. Weil es dem Wisentverein nicht gelungen war, den Bullen zu fangen, hatte er sich zu einem weitreichenden Schritt entschieden: „Inzwischen hat der Verein das Eigentum an dem Tier aufgegeben“, hieß es im November vergangenen Jahres auf Nachfrage der Lokalredaktion. Somit fiel es auch nicht mehr unter die Entschädigungsregelungen des Öffentlich-rechtlichen Vertrages.

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Dass junge Bullen die freilebende Herde verlassen, ist indes nicht neu. Seit die Herde 2012 ausgewildert worden ist, haben sich immer wieder junge männliche Tiere auf die Suche nach einer anderen Herde gemacht, um dem Zweikampf mit dem Leitbullen zu entgehen (wir berichteten). Zuletzt sorgte im Februar 2021 ein Tier für Ärger, das bei Wenden durch den Kreis Olpe streifte. 2019 war es ein Tier in Kirchhundem.

Zweite traurige Nachricht

Das ist nicht die erste traurige Nachricht für Wittgensteins Wisentfreunde in diesem Jahr: Im März wurde mitgeteilt, dass die berühmte Wisent-Kuh Quelle aus Sicherheitsgründen im Februar getötet werden musste.

Sie wurde gerade einmal zehn Jahre alt. Als Grund nannte der Verein ihre Aufzucht. „Sie war vor mehr als zehn Jahren von Menschenhand mit der Flasche aufgezogen worden. Das hat in der Folge zu einem Wisent-untypischen Verhalten geführt, zum Beispiel auch zu erhöhter Aggressivität gegenüber Menschen“, schrieb damals der Verein. Dieses problematische Verhalten sei schließlich mit zunehmendem Alter des Tieres stärker geworden, und damit die Gefährdung für Menschen größer. Deshalb musste der Verein laut eigenen Aussagen handeln.

„Quelle war eine besondere Kuh“, erklärte damals auch die wissenschaftliche Koordinatorin des Artenschutzprojektes, Kaja Heising und ergänzte: „Wir bereuen nicht, dass wir sie damals mit der Flasche retten konnten. Sie hat viele Kälber geboren, die sie erfolgreich aufgezogen hatte und einige von ihnen leben heute sogar in Freiheit.“

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