Gesundheit

Falsches Test-Ergebnis: Corona-Infizierter geht zur Arbeit

Ein Corona-Test wird für das Labor eingetütet. Im Falle eines Wittgensteiners passierte später ein Fehler bei der Übermittlung des Testergebnisses, das im Gesundheitsamt falsch eingetragen wurde

Ein Corona-Test wird für das Labor eingetütet. Im Falle eines Wittgensteiners passierte später ein Fehler bei der Übermittlung des Testergebnisses, das im Gesundheitsamt falsch eingetragen wurde

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Wittgenstein.  Ein Wittgensteiner berichtet über Anfeindungen, weil er als Corona-Infizierter zur Arbeit ging. Sein Test war negativ. Aber das stimmte nicht.

Steven kann aufatmen. Bis Mittwoch musste der 32-jährige Wittgensteiner in Quarantäne bleiben. Jetzt darf er wieder raus: „Ich habe meine Corona-Infektion überstanden und darf laut Robert-Koch-Institut wieder arbeiten gehen“, berichtet er im Telefongespräch mit der Redaktion. Hinter dem Familienvater liegen schlimme zwei Wochen, in denen er nicht nur krank war, sondern auch für seine Covid-19-Erkrankung beschimpft wurde. „Ich hatte Angst, dass ich meine Familie oder Kollgen angesteckt haben könnte“, berichtet Steven, der trotz seiner Infektion einen Tag an der Arbeit und auf dem Fußballplatz war - im guten Glauben, gesund zu sein. Das haben ihm einige Menschen aus seinem Umfeld übel genommen. SMS und What’sApp mit Vorwürfen haben ihm die Tage in der Quarantäne noch schlimmer gemacht. Dabei kann er nichts dafür, wie er uns berichtet.

Der Hintergrund ist ernst: Steven war im Glauben mit einem vermeintlich negativen Corona-Testergebnis nach überstandener Erkältung wieder zur Arbeit erschienen, ehe er erfuhr, dass er doch corona-positiv ist. Passiert ist dieser Fehler beim Gesundheitsamt des Kreises Siegen-Wittgenstein. Das bestätigte die Pressestelle des Kreises und nennt als Ursache „Menschliches Versagen“. Offenbar ist beim Übertragen der Daten ein Fehler passiert. Laut Kreis Siegen-Wittgenstein sind inzwischen 15.000 Coronatests absolviert worden - einen Fehler gab es offenbar nur in diesem einen Fall.

Selbstgewählte Isolation

Während unseres Telefongesprächs sitzt Steven im Keller seines Hauses, getrennt von seiner Frau und den beiden acht und fünf Jahre alten Kindern. „Zur Sicherheit“, sagt der Familienvater. „Es ist unglaublich, was das mit den Kindern macht. Der Achtjährige versteht vielleicht, warum er den Papa jetzt nicht sehen darf. Aber die Fünfjährige...“

Alles beginnt vor zwei Wochen, am Dienstag in der Spätschicht. Steven zeigt Grippesymptome und wird von seinem Vorgesetzten sofort nach Hause geschickt. Am Morgen danach geht er direkt zum Hausarzt und schildert seine Beschwerden: „Ich hatte Fieber, Schüttelfrost und leichte Halsschmerzen - wie bei einer normalen Grippe.“ Der Arzt schreibt Steven krank und meldet ihn beim Gesundheitsamt des Kreises Siegen-Wittgenstein zum Corona-Test an. Am Freitag wird der Patient in der Bad Berleburger Akut-Klinik abgestrichen.

Zu Hause ergreift Steven selbst die Initiative: „Ich habe mich in den Keller zurückgezogen, bis wir wissen, was ich habe.“ Zum Glück stehen dort ein Sofa, ein Bett und ein Fernseher, das der Vater vor allem in den Spätschichtwochen als Rückzugsort nutzt. Jetzt wird aus dem ruhigen Fleckchen ein Quarantäne-Station. Das Essen stellt seine Frau vor die Tür. Am Sonntag nach dem Test folgt dann die Erleichterung. „Ich hatte beim Gesundheitsamt angerufen und die haben mir mitgeteilt, dass der Test negativ war.“ Weil er wegen der Grippe noch krankgeschrieben ist, bleibt Steven noch zu Hause. Am Mittwoch ist er dann wieder an der Arbeit und besucht abends mit seinen Kindern noch den Sportplatz - Sein Verein hat ein Pokalspiel.

Zu Hause folgt dann der Schock: Sein Hausarzt ruft ihn spätabends noch an. Er hat die Post vom Labor gelesen und teilt Steven mit, dass er corona-positiv sei. „Ich habe dann das Labor angerufen, und die haben mir das bestätigt. Am Tag danach habe ich dann noch einmal beim Gesundheitsamt angerufen. Die haben mir gesagt, ich sei negativ, bis ich sie dann auf das Laborergebnis angesprochen habe.“

Persönliche Entschuldigung

Im Gesundheitsamt beginnt die Fehlersuche. Und tatsächlich ist ein falsches Ergebnis übermittelt worden. „Der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Christoph Grabe, hat mich auch persönlich angerufen, den Fehler zugegeben und sich entschuldigt.“

Inzwischen ist Steven symptomfrei und wird heute wieder zur Arbeit gehen. Eines aber wurmt ihn sehr: „Wegen mir sind fast 20 Menschen in Quarantäne“ - er zählt Familienmitglieder aber auch die Kontaktpersonen 1. Grades an der Arbeit auf. Inzwischen liegen erste Testergebnisse seiner Kontaktpersonen vor. „Das war eine gute Nachricht. Ich habe am Dienstag erfahren, das alle Tests aus meinem Familienkreis und meinem privaten Umfeld negativ sind“, sagt Steven. „Wir müssen noch abwarten. Alle werden noch ein zweites Mal abgestrichen.“ So lange bleiben die Kontaktpersonen in Quarantäne. Aber Steven kann aufatmen. Nur die Anfeindungen lassen sich nicht so einfach abschütteln.

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